Sport : Champions League: Eiskalt kontern in der Kälte

Harmtut Scherzer

In frostiger Kälte eiskalt kontern: S stürmte der FC Bayern München an die Tabellenspitze der Bundesliga. "Kontern", meinte erfreut Ottmar Hitzfeld über den günstigen Verlauf des flotten Spiels an einem trüben Wintertag, "ist unsere Spezialität." Mit dem 3:1-Sieg beim VfL Wolfsburg vor 20 500 Zuschauern unterstrich der Deutsche Meister eindrucksvoll seine Ambitionen auf den Titel-Hattrick.

Während auf der Video-Tafel die Cottbuser Tore gegen den bisherigen Spitzenreiter Schalke 04 gezeigt wurden, erzielten die Bayern ihre Treffer "zum richtigen Zeitpunkt", wie Wolfsburgs Libero Thomas Hengen fand: Zum 1:0 (13. Minute) durch Giovane Elber, als die Bayern mächtig unter Druck standen, zum psychologisch wichtigen 2:1 (45.) durch Mehmet Scholl, nachdem Wolfsburg durch Andrzej Juskowiaks Ausgleich (27.) neuen Mut geschöpft hatte, und zum 3:1 abermals durch Elber (60.) nach einem Fehler des VfL-Torwarts Claus Reitmaier.

Für die Bayern ist der Spitzenplatz schon so früh im zweiten Teil der Saison besonders wichtig. "Für die Psyche", sagte Oliver Kahn. "Denn jetzt müssen die anderen wieder nach uns schauen", meinte Manager Uli Hoeneß zufrieden. "Das ist für das Selbstvertrauen der Mannschaft unheimlich wichtig, vor allem in Hinblick auf die Champions League." Bei dieser Doppelbelastung sei es von Vorteil, "oben zu stehen, statt ständig andere jagen zu müssen".

Im Mittelpunkt des Interesses stand Jens Jeremies auf der Position von Ciriaco Sforza. Der Libero lieferte eine schnörkellose Abwehrpartie, spielte sicher und klar - auch nach vorn. Die Versetzung Sforzas auf die Bank war der große Aufreger vor dem Spiel. Als die Bayern aus dem Bus stiegen, richteten sich die Kameras auf den Spieler, der nicht mehr für die Anfangsformation vorgesehen war. Bisher hatte der Schweizer in dieser Bundesliga-Saison lediglich in Cottbus gefehlt - wo der FCB 0:1 verlor. Der Abwehrchef machte Kollegen für seinen Bankplatz verantwortlich. "Einige in der Mannschaft mobben mich weg", hatte er behauptet und von Ottmar Hitzfeld gefordert: "Der Trainer muss auf den Tisch hauen. So geht es nicht weiter." Manager Uli Hoeneß verstand die ganze Aufregung nicht und stellte vor dem Spiel klar: "Sforza hat zuletzt nicht so gespielt, wie wir uns das bei ihm vorstellen." Da sei es doch normal, wenn er einmal draußen bleibe. In einer internen Aussprache am Vorabend, so Kapitän Kahn, sei die Sache geklärt worden. Erledigt.

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