Champions League erreicht : Heynckes siegt, Hoeneß langt zu

Den Bayern bleibt am Ende Platz zwei, das Minimalziel für Trainer Jupp Heynckes - nach einem 2:1 über den VfB Stuttgart, der nun in der Qualifikation zur Champions League antritt. Und Uli Hoeneß setzt sich noch einmal mit Jürgen Klinsmann auseinander.

Sebastian Krass[München]

Eigentlich wollte Mark van Bommel mitgehen, seinen Trainer zu den Fans begleiten. Doch Jupp Heynckes marschierte in gehörigem Tempo vorneweg. Er genoss diesen Moment des Abschieds vom FC Bayern in aller Ausführlichkeit. Da wollte van Bommel nicht stören. Erst wurde der Kapitän immer langsamer, dann begann er rückwärts zu gehen. Schmunzelnd beobachtete er, wie Jupp Heynckes immer wieder die Arme in die Höhe schwang und die Fans es ihm gleichtaten. Als er später nach der Szene gefragt wurde, sagte Heynckes. „Das war mir gegenüber ein Kompliment und natürlich ein angenehmes Gefühl.“ Aber er sei ja ein nüchterner Mensch, ergänzte er. „Und ich glaube nicht, dass mich das emotional so packt. Da hätten wir schon Meister werden müssen.“ Gut möglich, dass er da ein wenig untertrieben hat. Denn Heynckes beendet sein Engagement in München als Gewinner, als der wohl einzige Gewinner dieser Saison beim FC Bayern.

Durch das 2:1 (1:0) gegen den VfB Stuttgart – die Torschützen waren Boulahrouz (16., Eigentor), van Bommel (59.) und Gomez (63.) –  am letzten Spieltag beendet der Rekordmeister die Saison als Tabellenzweiter und hat damit die unerlässliche Qualifikation für die Champions League direkt geschafft. Die Stuttgarter dagegen müssen als Dritter zu Beginn der nächsten Spielzeit in die Qualifikation. „Wir müssen dem Jupp unendlich dankbar sein, denn er hat es nicht einfach gehabt“, sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß. „Aber er hat einen tollen Job gemacht.“ Wenn man nur immer so gespielt hätte wie die letzten fünf Spiele unter Heynckes, grübelte Hoeneß, „in einem Siebtel der Saison, schauen Sie, wie viele Punkte wir da geholt haben“. Es waren 13 von 15 möglichen Zählern. Auch Heynckes selbst konnte sich den Hinweis nicht verkneifen: „Mit ein paar Spieltagen mehr wäre es vielleicht anders ausgegangen.“ Dieser letzte Tag einer ereignisreichen Saison war auch ein Tag der Rückschau.

Und deshalb natürlich wurde Hoeneß auch nach dem Fernsehauftritt von Jürgen Klinsmann am Mittwoch gefragt, in dem der geschasste Trainer in bitteren Tönen das ihm angeblich geschehene Unrecht beklagte. Es waren Sätze, die Hoeneß nicht unwidersprochen lassen konnte – trotz des Vorsatzes, keine schmutzige Wäsche zu waschen. „Ich habe mal in Latein gelernt: Si tacuisses, philosphus mansisses“, legte Hoeneß los. „Das heißt: Wenn Du geschwiegen hättest, wärst Du Philosoph geblieben. Das wäre besser gewesen.“ Allein, dass Klinsmann sich überrascht von der Entlassung gibt, sei verwunderlich. „Ich habe Jürgen in einem privatem Gespräch nach dem Barcelona-Spiel gesagt, bei mir zu Hause am Donnerstagabend: Wenn wir jetzt noch ein Bundesligaspiel verlieren, dann wird es eng für ihn.“ Wenig später verlor Bayern zu Hause gegen Schalke.

Im Übrigen sei der Auftritt ein abgekartetes Spiel gewesen, glaubt Hoeneß. Klinsmanns Medienberater Roland Eitel habe „die Fragen aufgeschrieben, und Herr Jauch hat sie vorgelesen. Er hat sich demaskiert als Gefälligkeitsjournalist. Das hätte ich ihm nicht zugetraut.“ Hoeneß’ Tirade ist nicht nur unterhaltsam, sie verrät auch, wie sehr ihn diese Saison emotional angegriffen hat. Für den Samstagabend hatte er dann auch nur vor, „den versöhnlichen Abschluss der Saison zu feiern“, nicht mehr und nicht weniger.

Zu Personalien für die kommende Saison ließ er sich an diesem Tag nichts entlocken – außer einer Sache: Christian Nerlinger, von Klinsmann als Teammanager eingestellt, firmiert ab 1. Juli als Sportdirektor und wird Ende des Jahres einer von zwei Hoeneß-Nachfolgern.

Deutlich zufriedener verließ die Delegation des VfB Stuttgart die Arena, obwohl die Schwaben die Chance verpasst hatten, mit einem Sieg selbst Platz zwei zu erklimmen. Am Ende mussten sie sogar ausgerechnet ihren Erzrivalen vom Karlsruher SC dankbar sein, dass die Hertha BSC besiegt hatten. „Schade, dass wir die Saison mit einer Niederlage beendet haben“, sagte Mario Gomez. „Wir hätten gerne etwas mitgenommen, aber am Ende ist der dritte Platz überragend, und es gibt keinen Grund, enttäuscht zu sein.“

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