Champions League : FC Bayern: Kleiner Kader, großer Wille

Der FC Bayern geht trotz Personalproblemen selbstbewusst ins Halbfinalrückspiel der Champions League. Warum auch nicht? Erstmals seit 2001 haben die Münchner nach ihrem 1:0-Hinspielsieg wieder die Chance auf eine Finalteilnahme.

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Abflug ins Finale? Thomas Müller, hier ohne Bodenhaftung, will heute mit dem FC Bayern die Halbfinalhürde Lyon überspringen.
Abflug ins Finale? Thomas Müller, hier ohne Bodenhaftung, will heute mit dem FC Bayern die Halbfinalhürde Lyon überspringen.Foto: ddp

LyonAm Montag, 8.40 Uhr Ortszeit München-Flughafen, vermeldete der Liveticker des FC Bayern, es sei noch nichts los am Franz-Josef-Strauß-Flughafen, ein paar Fans, ein paar Journalisten hätten eingecheckt, die Mannschaft aber werde erst um 9.45 Uhr erwartet, Abflug nach Lyon: 10.35 Uhr. Man kann aus dieser Meldung über das Nichts schlussfolgern, dass sich der FC Bayern am Tag vor dem heutigen Rückspiel des Halbfinales der Champions League gegen Olympique Lyon gehörig unter Selbstbeobachtung stellt. Und aus der Schlagzeile des eigentlich per Provenienz feindlich gesinnten Kölner „Express“ lässt sich schließen, dass dies nicht nur eine Nabelschau ist, sondern auch von außen so betrachtet wird: „Sympathien für FC Bayern in ganz Deutschland!“

Warum auch nicht? Erstmals seit 2001 haben die Münchner nach ihrem 1:0-Hinspielsieg wieder die Chance auf eine Finalteilnahme. So erfolgreich war der deutsche Vereinsfußball in den vergangenen Jahren nicht, als dass dieser Umstand auch in Regionen, in denen der Bayern-Hass mit der Muttermilch eingesogen wird, nicht erfreulich aufgenommen wird. Wohl auch, weil dieser FC Bayern alles abgelegt hat, was ihn viele Jahre polarisieren ließ: Effizienz, Minimalismus, Arroganz und ein Mangel an Leidenschaft.

„Wir haben eine Riesenchance, die wir nutzen müssen“, sagte Nationalspieler Bastian Schweinsteiger. Nicht weil das 1:0 durch Arjen Robbens fast schon obligatorisches Tor ein sattes Polster wäre. Auch nicht, weil Franck Ribérys Rotsperre, der ungewisse Einsatz der Innenverteidiger Daniel van Buyten und Martin Demichelis nach ihren Muskelverhärtungen und Prellungen aus dem Bundesligatreffen mit Mönchengladbach oder ein möglicher Ausfall Diego Contentos dem FC Bayern keine Sorgen bereiten würde. Vielleicht aber gerade deswegen.

Weil nämlich die Mannschaft entgegen aller Zeit- und Augenzeugenberichten der Hinrunde eben nicht mehr abhängig ist von einzelnen Protagonisten. „Wir haben viele Verletzte, aber unser Wille ist groß“, sagte Trainer Louis van Gaal. Ribérys Platzverweis in der ersten Halbzeit des Hinspiels hat sein Team ebenso entschlossen abgeschüttelt wie den Rückstand in Mönchengladbach und den Ausfall der Innenverteidigung. Diese Schwächung kompensierte Anatoli Timoschtschuk, der plötzlich das Fußballspielen für sich neu entdeckt hatte. Dass er am Montag daheim bleiben musste wegen einer Magen-Darm-Grippe, ist ärgerlich, aber nichts, was die Bayern erschüttert. Genauso wenig wie der Fakt, dass sich auch Miroslav Klose einen grippalen Infekt eingefangen hat und van Gaal am Montag bei der letzten Trainingseinheit in Lyon nur 14 Spieler zur Verfügung standen. „Ich bin überzeugt, dass wir morgen einen großen Kampf abliefern. Diese Mannschaft hätte es verdient, ins Finale zu kommen“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Das 1:1 bei Borussia Mönchengladbach am Sonnabend passt in die Reihe der weggesteckten Nackenschläge. Denn immerhin hat Schalke durch den Sieg in Berlin in Punkten aufgeschlossen, aber das nahmen die Bayern allenfalls als zu vernachlässigende Bagatelle wahr. Nichts, was den Meister wirklich kratzen muss. Im Bedarfsfall, der gegeben ist, wenn Bayern wie Schalke in den letzten Spielen keine Punkte mehr abgibt, verweisen die Münchner sehr entspannt auf ihr Torverhältnis.

Die Brust der Bayern ist breit. Van Gaal hatte schon in der vergangenen Woche hochgerechnet. „Normalerweise schießen wir immer ein Tor“, sagte er, „und dann muss Lyon schon drei schießen.“ Das haben sie schon einmal gemacht, 2001 in der Gruppenphase, beim 3:0. Genützt hat es ihnen nichts. Die Bayern kamen trotzdem weiter, schalteten im Halbfinale Real Madrid aus und im finalen Elfmeterschießen den FC Valencia. Und diesmal hat bereits ein Stau auf der Autobahn in Richtung Flughafen sie nicht wirklich aufhalten können. Um 10.50 Uhr hob LH 5018 mit den Bayern an Bord ab.

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