Champions League : Ferguson schimpft auf "typische Deutsche"

Nach dem Aus in der Champions League gegen Bayern München zeigt sich der Trainer von Manchester United als schlechter Verlierer. Sir Alex Ferguson schiebt alle Verantwortung von sich. Die englische Presse spottet dagegen über das Scheitern in Europas Königsklasse.

Ferguson
Sir Alex Ferguson -Foto: dpa

London/Manchester"Wir wussten, dass es kein großes Jahr für unsere führenden Clubs werden würde - nach dem Überfluss die Hungersnot", schrieb "The Times" am Tag nach dem Aus des englischen Fußball-Rekordmeisters Manchester United gegen den FC Bayern München im Viertelfinale der Champions League. Erstmals seit sieben Jahren steht kein Insel-Club im Halbfinale der "Königsklasse".

Ferguson vergaß nach dem 3:2-Sieg, der nach der 1:2-Hinspielniederlage den K.o. bedeutete, seine Manieren. Der Erfolgscoach schob alle Verantwortung von sich und schimpfte wegen der Gelb-Roten Karte für United-Verteidiger Rafael in der 50. Minute lieber auf die "typischen Deutschen". "Bayern München wäre nie weitergekommen, wenn wir elf Mann gehabt hätten. Sie haben für den Platzverweis gesorgt - typische Deutsche", schäumte der Dauerkaugummi kauende Schotte. "Sie haben den Schiedsrichter belagert und die Rote Karte erzwungen. Wir kennen das ja."

Sein Kollege Louis van Gaal konterte in der Pressekonferenz prompt. "Wir haben das Foul nicht begangen, sondern der Spieler. Und der muss wissen, dass das eine zweite Gelbe Karte bedeuten kann", sagte der niederländische Trainer der Münchner.

Ferguson verstieg sich sogar dazu, den Bayern-Spielern zu unterstellen, absichtlich auf Rooneys lädierten Knöchel gezielt zu haben. Der ManU-Coach hatte noch am Dienstag einen Einsatz des 24 Jahre alten Torjägers kategorisch ausgeschlossen - offenbar eine Finte. Am Mittwochabend zauberte Ferguson seinen Stürmerstar dann doch wie ein Kaninchen aus dem Hut und ließ ihn von Beginn an spielen. Rooney bereitete auch prompt den Blitzstart durch Darren Gibson vor, begann aber nach gut 20 Minuten zu humpeln. Ferguson holte ihn aber erst nach 55 Minuten vom Platz. Vorläufige Diagnose: Bluterguss unterhalb der ursprünglichen Verletzung - "nichts Ernstes", sagte Ferguson.

Das in Europas Königsklasse zuletzt verwöhnte Fußball-Mutterland bot am Tag nach der denkwürdigen Europapokal-Nacht ein trauriges Bild. "United k.o. - Alex verzockt sich mit Roo", titelte Großbritanniens größtes Boulevardblatt "The Sun". "Auf Wiedersehen, United", schloss sich der "Mirror" auf Deutsch an. "Englands 'goldene Ära in der Champions League ist auch mausetot."

Die Sportpresse suchte nach Erklärungen, warum in dieser Saison nach dem FC Liverpool (Gruppenphase), Michael Ballacks FC Chelsea (Achtelfinale gegen Inter Mailand) und dem FC Arsenal (Viertelfinale gegen FC Barcelona) nun auch Manchester stürzte - nachdem fünf Jahre nacheinander mindestens ein englischer Verein das Champions-League-Finale erreicht hatte. "Ferguson mag Gift und Galle spucken, aber die unangenehme Wahrheit ist, dass Uniteds Aus mindestens so sehr aufs eigene Konto geht wie auf das der bayerischen Schmierenkomödianten", befand der "Mirror". Die Tageszeitung "The Times" verwies auf Trainer wie van Gaal oder José Mourinho von Inter Mailand, die dafür gesorgt hätten, dass das übrige Europa die Lücke zu England geschlossen habe. (dpa)

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