Champions-League-Finale : Der Schlamm vor der Schlacht

Eine öffentlich diskutierte Affäre von Ryan Giggs macht Manchester United vor dem Champions-League-Endspiel gegen Barcelona nervös.

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Held im Zwielicht. Zuletzt interessierten sich Fans und Medien mehr für das Privatleben von Ryan Giggs als für sein Spiel.
Held im Zwielicht. Zuletzt interessierten sich Fans und Medien mehr für das Privatleben von Ryan Giggs als für sein Spiel.Foto: REUTERS

Im Champions-League-Finale zwischen dem FC Barcelona und Manchester United am Samstag könnte die entscheidende Rolle Imogen Thomas zukommen. Das Model aus Wales, als Insassin der Fernseh-Wohngemeinschaft „Big Brother“ in Großbritannien einst zu flüchtigem Ruhm gelangt, bestimmt derzeit wieder die Schlagzeilen auf der Insel. Und stellt sogar das Endspiel in den Schatten, zumindest in den Klatschspalten.

Die gute Miss Thomas soll eine Affäre mit Manchesters Ryan Giggs gehabt haben. Die Gerüchte geisterten schon länger im Internet herum, was den Familienvater derart erregte, dass er zahlreiche Nutzer des Internetdienstes „Twitter“ verklagen wollte. Ein Parlamentarier kam zur Rettung und nannte Giggs’ Namen öffentlich, was wegen seiner Immunität für ihn folgenlos bleibt. Nun dürfen auch User und Medien offen darüber debattieren und sie tun es ausgiebig und freudig.

So freudig, dass in England schon die Angst umhergeht, dass ein Schlüsselspieler Manchesters vor der Revanche für die Finalniederlage 2009 plötzlich verunsichert sein könnte – oder am Ende gar nicht mitspielt.

Giggs wirkte von der ganzen Diskussion angegriffen, setzte einen Tag vom Mannschaftstraining aus, erwog einen Presseboykott, was der europäische Fußballverband Uefa gerade noch so verhindern konnte. Auch ManU-Trainer Alex Ferguson reagierte wenig amüsiert auf die Vorfälle. Als ein Reporter unter der Woche vage andeutete, dass Giggs ja ein wichtiger Spieler sei, zischte Ferguson: „Alle Spieler sind wichtig.“ Anschließend wies er eine Mitarbeiterin an, den Journalisten künftig von allen Terminen auszuschließen.

In Barcelona feixte die Zeitung „Sport“ bereits: „Der Fall Giggs hat Nervosität in den Reihen Manchesters aufkommen lassen, die erbärmliche Show Fergusons ist der beste Beweis.“

Die Sorgen der ausgeglichen besetzten Engländer um die Leistungsfähigkeit eines 37-Jährigen mögen auf den ersten Blick verwunderlich wirken, doch sind sie durchaus nachvollziehbar. „Kein anderer Mittelfeldspieler Uniteds besitzt diese Kombination aus offensiven und defensiven Fähigkeiten, die besonders relevant sind, wenn es gegen Barcelona geht“, analysierte der frühere irische Nationalspieler Tony Cascarino in der „Times“. Niemand sonst ist es derart zuzutrauen, durch Eleganz und ohne Fouls Ballmagneten wie Xavi, Messi und Iniesta das Spielgerät zu entwenden, wie dem ehemaligen Flügelmann, der sich längst als Defensivkraft neu erfunden hat. Gleichzeitig kann kaum jemand den Ball gegen Barcelonas Pressing derart sicher behaupten.

Doch statt sich auf das Spiel vorzubereiten, muss Giggs seine Ehefrau besänftigen und versuchen, sich der öffentlichen Skandalfreude entziehen. Cascarino ist sich dennoch sicher, dass Giggs spielen und gut spielen wird. „Für viele Spieler mit privaten Problemen – mich selbst eingeschlossen – ist der Fußballplatz eine willkommene Flucht von den Schwierigkeiten des Lebens“, kommentierte er. „So seltsam es klingt: Probleme neben dem Platz können einen zu besseren Leistungen treiben.“

Am Freitag in Wembley traute sich denn auch niemand, Ferguson auf seinen Problemfall anzusprechen. Stattdessen erzählte der 69-Jährige, dass er vor Jahren gerne einmal Josep Guardiola als Spieler nach Manchester geholt hätte, doch der sei lieber nach Brescia gegangen, eine Stadt, die der Schotte in drei Anläufen nicht richtig auszusprechen vermochte. Barcelonas Trainer nahm das Kompliment gelassen hin und sagte: „Gut, dass er mich damals nicht geholt hat, da ging es schon bergab mit mir.“

Guardiola und Ferguson mussten sich vor allem mit der gewaltigen Erwartungshaltung auf das Endspiel auseinandersetzen. Im Wembley-Stadion wimmelte schon einen Tag vor dem Spiel: Überall Bauarbeiter, die Sitze abbauten, um die Fans zu trennen und Platz für die Hundertschaften an Journalisten zu schaffen, die beide Trainer vor allem mit einer Frage löcherten: Geht es noch besser als dieses Spiel? „Das könnte das beste Finale des Jahrzehnts werden“, sagte Ferguson. „Zwei Mannschaften, die den Ball respektieren und gewinnen wollen, das ist toll für die Zuschauer“, pflichtete Guardiola bei. Erwartungen, die ein Spiel wohl kaum erfüllen kann. Doch das ist ein vergleichsweise kleines Problem, im Vergleich zu Imogen Thomas.

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