Champions-League-Finale in Wembley : Bayern und Dortmund füllen die Bars

In London freuen sich selbst britische Fans auf das Champions-League-Finale. Angereiste Anhänger von Borussia Dortmund und dem FC Bayern München, die keine Tickets bekommen haben, werden das Spiel in Bars verfolgen müssen - Public Viewing gibt es nicht.

Kit Holden
Jubelnde Fans in einem Pub.
Bier, bitte! Britische Fans zieht es am Sonnabend in die deutschen Pubs.Foto: rtr

In London ist kaum zu erkennen, dass dieses Wochenende ein Champions-League-Finale stattfinden wird. Das liegt nicht an dem blutigen Attentat, bei dem am Mittwoch ein Mann auf offener Straße getötet wurde und das jetzt den öffentlichen Diskurs beherrscht. Außer den Plakaten für das „Champions Festival“ in den U-Bahn-Stationen und dem kurzen Auftritt des Henkelpotts am Mittwoch in Trafalgar Square, gibt es keine fühlbare Begeisterung für Samstagabend.

Der Schein trügt. Oder, wie die Engländer sagen: „Nach dem Umschlag kann ein Buch nicht beurteilt werden.“ Es mag dieser Tage in London vielleicht oberflächlich betrachtet sehr ruhig zugehen, die meisten Menschen sind trotzdem aufgeregt, ein deutsches Finale in der eigenen Stadt zu sehen.

„Ich hätte lieber eine englische Mannschaft dabei gesehen“, sagt Mark, der ein Pint Ale in seiner Stammkneipe in Marylebone genießt, „aber ich freue mich sehr darauf, Bayern und Dortmund haben es verdient. Es ist komisch, normalerweise hätte ich kein Interesse mehr, nachdem die englischen und spanischen Teams ausgeschieden sind, aber die beiden deutschen Teams sind dieses Jahr klasse.“

Viele Londoner sind derselben Meinung. Lange waren es nur der FC Barcelona und Real Madrid, die sich die Zuneigung der britischen Fußballfans sichern konnten, aber der Erfolg von Bayern und Dortmund hat einen neuen Trend herbeigeführt. Die Engländer interessieren sich jetzt für die Bundesliga.

„Wir gucken jede Woche die Bundesliga-Highlights im britischen Fernsehen“, sagt eine Familie von Chelsea-Fans in der U-Bahn. Der Barkeeper einer Kneipe in Islington sieht ebenfalls ein steigendes Interesse an deutschem Fußball: „Ich war überrascht, wie viele Leute hierher gekommen sind, um das Spiel zwischen Dortmund und Malaga zu sehen.“

Ein größeres Interesse bedeutet aber nicht unbedingt bessere Kenntnis. Ein Tottenham-Fan erzählt, dass er von Lewis Holtby enttäuscht sei: „Statt ihm hätten wir lieber Santana von Borussia Dortmund kaufen sollen. Wir brauchen einen neuen Stürmer, und der Typ schießt einfach Tore.“ Felipe Santana – Innenverteidiger beim BVB.

Besonders auffällig ist das Ausbleiben der alten Feindseligkeit. Kaum ein Londoner scheint genervt davon zu sein, dass zwei deutsche Mannschaften im Wembley-Stadion spielen. Wo ist der alte Hass? Witze gibt es immer noch, natürlich, aber von wirklicher Antipathie ist kaum zu hören. Als er sein fünftes Ale des Nachmittags plattgemacht hat, erklärt Mark seine Theorie dazu. „Die Jungs und ich sind 2006 für die WM nach Deutschland gefahren. Wir und die anderen Engländer haben gesehen, dass die Deutschen eigentlich sehr nett sind. Die sind alle sehr freundlich, sehr hilfsbereit und überhaupt nicht effizient. Wir waren in Berlin, und die Züge kamen alle verspätet“, sagt er und lacht.

Es gibt noch eine klare Tendenz. Die meisten Londoner werden am Samstag dem BVB die Daumen drücken, und nicht nur, um einfach gegen die Bayern zu sein. Jürgen Klopp ist in England zum Kulthelden geworden, und seine Mannschaft hat bei vielen einen guten Eindruck gemacht. Ein Mann auf der Straße sagt: „Robert Lewandowski ist der beste Spieler, den ich seit Jahren gesehen habe.“

Diese neuen BVB-Fans müssen am Samstag in die Londoner Kneipen gehen, um das Spiel zu schauen. Es wird kein Public Viewing geben. Viele Bars sind aber schon ausgebucht und haben vor, die Türen zwei oder sogar drei Stunden vor dem Anstoß zu schließen. Am meisten gefragt sind die deutschen Kneipen in der britischen Hauptstadt. Viele Pubs waren einige Tage nach dem Halbfinale schon ausgebucht und das Bavaria Beerhouse an der Old Street beispielsweise hat bisher mehr als 500 Reservierungsanfragen bekommen. Und die Engländer freuen sich auf das deutsche Finale.

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