Champions League : Frank Ribéry: Eine Affäre ist kein Spiel

Das Champions-League-Halbfinale von Bayern München gegen Olympique Lyon wird von der Frage begleitet, wie es mit Franck Ribéry weitergeht. Seine Affäre um einen Prostituierten-Besuch könnte die gute Bayern-Laune trüben.

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Andere Probleme. Frank Ribéry wirkte im Abschlusstraining gedankenverloren. Foto: ddp
Andere Probleme. Frank Ribéry wirkte im Abschlusstraining gedankenverloren. Foto: ddpFoto: ddp

Beim Abschlusstraining, dem nicht öffentlichen, war Franck Ribéry wieder dabei, nachdem er zwei Tage wegen einer offiziellen Muskelverhärtung hat pausieren dürfen und im Schongang ein individuelles Trainingsprogramm durchlief. Im gelben Leibchen war er wieder dabei, dem Leibchen der Stars, der üblichen Verdächtigen für die erste Mannschaft, die heute Abend gegen Olympique Lyon das Halbfinale der Champions League eröffnen wird (20.45 Uhr, live bei Sat 1 und Sky). Und er war – soweit das durch den Sehschlitz im Sichtschutzzaun um das Trainingsgelände des FC Bayern München zu beobachten war – doch sehr individuell auf dem Platz. Assistenztrainer Andries Jonker, der den wegen einer Beerdigung im Familienkreis nach Amsterdam gereisten Louis van Gaal vertrat, meinte zwar hinterher, Ribéry habe außerordentlich gut trainiert. Man könnte auch sagen, dass er ein wenig abwesend war, gedankenverloren. Wofür man durchaus Verständnis aufbringen kann.

Es ist nämlich noch völlig offen, ob sein am Sonntag ruchbar gewordener Kontakt zu einer Pariser Prostituierten ihm nur privates Ungemach mit der Gemahlin beschert oder eine sehr unschöne, öffentliche und zu sanktionierende Sache wird. Die Dame soll nämlich erst 17 Jahre alt und damit minderjährig gewesen sein, wovon Ribéry, laut französischer Staatsanwaltschaft, nach einer ersten Einlassung nichts gewusst haben will. Und es ist wohl schwer vorstellbar, dass ein Bordellgänger vor Vollzug nach dem Ausweis fragt. Aber wo schützt schon Unwissenheit vor Strafe? Das französische Strafrecht sieht sicherheitshalber für Beziehungen mit minderjährigen Prostituierten eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor. Die Angelegenheit hat auf jeden Fall Weiterungen, selbst wenn Ribéry den Vorwurf entkräften kann und die Affäre im häuslichen Heim gerichtet werden wird.

Da wird auch der etwas hilflose Versuch des Klubs, das Thema von der gestrigen Abschlusspressekonferenz fernzuhalten, wenig nützen. Franck Ribéry, wiewohl noch am Vortag angekündigt, war gar nicht erst erschienen. Und Markus Hörwick, der Medienchef des Vereins, wehrte gleich die erste Frage zum heiklen Thema ab: „Wir bitten Sie höflich, uns zu diesem Thema nicht zu befragen“ – „uns“, das meinte Jonker, Philipp Lahm und Daniel van Buyten – „das heißt, Sie können uns natürlich dazu befragen, aber wir werden keine Antwort darauf geben.“ Man wird dann möglicherweise am Abend erst sehen, ob die Schlagzeilen und die Aufregung auch das Mannschaftsklima beeinflusst haben. Ribéry, so Jonker, wird auf jeden Fall spielen.

Die unangenehme Angelegenheit aber wird darüber hinaus bleiben. Zum einen stört sie die gute Grille beim FC Bayern, der derzeit auf Wolken schwebt, die, anders als im großen Teil Resteuropas, nicht aschgrau sind, sondern rosarot. Alles ist noch möglich in dieser Saison, die so verkorkst begonnen hatte und in ihrer Frühphase, im Herbst des vergangenen Jahres, auch den Rauswurf von Trainer Louis van Gaal bereitzuhalten schien. Die Meisterschaft – nach dem rauschhaften 7:0 gegen Hannover 96 ist sie fast schon beschlossene Sache. Philipp Lahm, brav, sagt zu den wesentlichen Dingen des Fußballs: „Wir haben seit Wochen gezeigt, dass wir gut drauf sind und haben das mit einem klaren Sieg am Wochenende untermauert.“ Stimmt! Der DFB-Pokal – der sollte auch drin sein, selbst wenn es im Finale gegen Werder Bremen geht. Und der Titel in der Champions League – das Finale wird allgemein in München erwartet, Lyon gilt im Kreis der letzten vier, also neben den Bayern noch Inter Mailand und der FC Barcelona, als der am wenigstens Satisfaktionsfähigste. Was van Buyten, natürlich, sofort dementiert, aber das eben so brav – „das ist eine starke Mannschaft, die haben Liverpool und Madrid geschlagen“ –, dass ihm die Angst förmlich im Gesicht abzulesen war. Er lächelte.

Die außerehelichen Einlassungen des filigranen Tänzers Ribéry haben allerdings durchaus das Zeug, um die Laune zu vergällen, besonders, wenn ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet wird. Andererseits – so absurd und verschlungen ist mitunter das Fußballgeschäft – hat die Affäre auch das Zeug, die Münchner Laune noch weiter zu befördern. Bekanntlich wollen sie Ribéry auch über dessen Vertragsende 2011 binden. Und sind genervt, wenn ihr Star mit den dicksten Offerten von Real Madrid, dem FC Barcelona oder aus England wedelt. Die Engländer sind nicht mehr im Wettbewerb und bei Real Madrid mögen sie Flecken auf dem weißen Trikot gar nicht, insbesondere solche nicht, die aus schmuddeligem Milieu stammen. Das Interesse Reals an Ribéry dürfte sich, unabhängig von einem strafbewehrten Ausgang oder einem im Privatissimo, erheblich abgekühlt haben.

Schön für die Bayern. Dumm für Ribéry. Und was heißt das für heute Abend, wenn es gegen Lyon geht? Bemühen wir den Volksmund: Dumm kickt gut.

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