Champions-League-Frust : Lehmann: "Nehme ich mit ins Grab"

Nach dem Platzverweis im Champions-League- Finale wirkt Jens Lehmann wie in Trance. Die Rote Karte werde er sein Leben lang nicht vergessen, erklärte der 36-Jährige im Anschluss.

Paris - Es sollte der größte Moment seiner Karriere werden und die perfekte Einstimmung auf die WM, doch nach einem denkwürdigen Abend in Paris blieben für Jens Lehmann nur Trauer, Frust und das Gefühl der Demütigung. Mit schwacher Stimme und noch wie in Trance sprach Deutschlands WM-Torwart nach seiner Roten Karte und der 1:2- Niederlage mit dem FC Arsenal gegen den FC Barcelona im Finale der Fußball-Champions-League über den Augenblick, der ihn gnadenlos aus seiner Hochstimmung der vergangenen Wochen gerissen hatte. Sein ganzes Leben werde er den Platzverweis nach nur 18 Endspiel-Minuten nicht vergessen können. «Das Spiel hier, werde ich mit ins Grab nehmen», sagte Lehmann.

!-- TABLE Anfang --> Während die Sieger aus Barcelona in einem blau-roten Freudenmeer den zweiten Sieg der Vereinsgeschichte in Europas wichtigstem Vereinswettbewerb feierten, bedurfte der 36-Jährige Trost von allen Seiten. Kapitän Thierry Henry nahm ihn in den Arm, Trainer Arsene Wenger gab ihm einen Klaps auf den Rücken, bevor der Torwart als Letzter auf das Podest schlich, um die Medaille der Finalverlierer in Empfang zu nehmen. Selbst die wenig zimperliche englische Presse verlor kaum böse Worte über den unglücklichen Arsenal-Schlussmann. Die Schlagzeile «Lehmann ruiniert den Traum» in der «Daily Mail» war da die Ausnahme.

Was als Appetithappen auf einen großartigen Fußball-Sommer gedacht war, endete für Lehmann im Fiasko und nagt am Selbstvertrauen des DFB-Schlussmanns. «Es ist schwer zu beschreiben, was man dann fühlt, wenn man so ein wichtiges Spiel spielt und sich so viel vorgenommen hat und dann nach nicht mal 20 Minuten runterfliegt», sagte Lehmann. «Ich bin niemand, der über alles sofort hinweg geht, wenn ich mich freue, freue ich mich, wenn ich traurig bin, bin ich traurig und das wird ein paar Tage dauern.» Auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann wird sich mit dem Nackenschlag für seinen WM-Torwart beschäftigen müssen.

Bis zum Sonntag will Lehmann mit seiner Frau und den drei Kindern daheim in London Erholung suchen und dann beim Trainingslager in Genf zur Nationalmannschaft stoßen. Dass mit der WM das nächste große Ziel unmittelbar bevorsteht, macht ihm aber auch Hoffnung, über die Pariser Final-Enttäuschung hinwegzukommen. «Es ist ein anderer Wettbewerb und eine neue Herausforderung, es ist gut, dass jetzt diese große Aufgabe ansteht.» Eine Sperre steht für Lehmann nur für die kommende Saison in der Champions League und nicht für die WM an.

Kein Trost dürfte sein, dass Schiedsrichter Terje Hauge einsah, dass er ihn nach der Notbremse gegen Barcelonas Samuel Eto'o nicht zwingend hätte vom Platz stellen müssen. «Ich muss gestehen, dass ich ein bisschen zu früh gepfiffen habe. Die Situation war ein bisschen unglücklich», sagte der Referee der Online-Ausgabe der norwegischen Zeitung «Verdens Gang». Hätte Hauge Barcelona seinen Vorteil gewährt und das anschließende Tor von Ludovic Giuly anerkannt, wäre Lehmann der sechste und schlimmste Platzverweis seiner Laufbahn erspart geblieben.

Arsenal-Trainer Wenger kritisierte den Referee aber überraschend nicht für diese Entscheidung. Der Ausgleich durch den überragenden Eto'o (76.) der den Gegentorrekord der Londoner in der Champions League auf 995 Minuten beschränkte, sei aus dem Abseits erzielt worden, schimpfte der Franzose. Der Austausch des Linienrichters nur einen Tag vor dem Spiel habe zu einer schlechten Leistung des Referee-Gespanns geführt. «Auf diesem Niveau können wir so etwas nicht akzeptieren und müssen etwas dagegen tun», forderte Wenger.

Die glücklichen Sieger störte das Wehklagen der Londoner bei ihrer Jubelorgie nicht. Ausgelassen tollten Ronaldinho und Kollegen über den Rasen des Stade de France. Schnell war vergessen, dass sie keine perfekte Fußball-Show abgezogen hatten. Gerade Ronaldinho wirkte nicht so leichtfüßig wie gewohnt. Nur mit großer Mühe konnte mit einem Kraft- statt einem Zauberakt das Arsenal-Führungstor durch Sol Campell (37.) egalisiert werden, um dann durch den ersten Champions- League-Treffer von Juliano Belletti (80.) den Triumph perfekt zu machen. «Das war nicht meine Nacht, das war die Nacht von Barcelona. Das war unsere Nacht», sagte Eto'o. (tso/dpa)

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