Champions League : Gegen das Trauma: Bayern München besiegt Manchester United

Wie einst in Barcelona, nur umgekehrt: Der FC Bayern gewinnt im Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester United durch ein Tor in der Nachspielzeit verdient mit 2:1. "Eine große Nacht", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger.

Thomas Becker[München]

Die Nachspielzeit bei der Begegnung Bayern München gegen Manchester United – da war doch mal was. Was 1999 im Finale der Champions League passierte, als Manchester nach der regulären Spielzeit aus einem 0:1 noch ein 2:1 machte und den Münchnern das größte Trauma der Vereingeschichte bescherte, lässt sich wohl nie mehr unvergessen machen. Ein bisschen aber konnten die Bayern sich am Dienstagabend in der heimischen Arena an ihrem Trauma abarbeiten. In der Nachspielzeit des Viertelfinalhinspiels der Champions League nutzte Ivica Olic einen Fehler von Manchesters Verteidiger Evra zum 2:1 (0:1) für die Bayern.

Bayerns Trainer aber bliebt nüchtern: „Wir haben hochverdient gewonnen. Aber Manchester ist weiter Favorit. Ein 1:0 reicht denen, aber ich glaube, dass wir eine Chance haben“, sagte Louis van Gaal. „Jetzt haben wir wirklich eine kleine Chance, ins Halbfinale einzuziehen“, meinte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Andere Reaktionen klangen begeisterter: „Ein geiles Spiel“, fand Daniel van Buyten. "Eine große Nacht", hatte Sportdirektor Christian Nerlinger miterlebt. „Wir haben sehr gut gespielt. Das ist für meinen Verein mein größtes Spiel“, sagte Torschütze Olic.

So gut der Abend für die Münchner geendet hatte, so schlecht hatte er begonnen, und Martin Demichelis spielte dabei eine alles andere als glorreiche Rolle. Weniger als vier Wochen nach seinem Kieferbruch bekam er es gleich mit Wayne Rooney zu tun. Kein besonders angenehmer Gegenspieler für einen Rekonvaleszenten. Schon den erste Zweikampf verlor Demichelis. Eine harmlose Angelegenheit eigentlich. Der Argentinier hätte früher am Ball sein müssen als Manchesters Nani – war er aber nicht. Ein kurzer Tritt, Freistoß, kurz vor der Eckfahne. Demichelis trabte in den Strafraum, um sich auf die Flanke vorzubereiten. Als der Ball sachte in den Strafraum segelte, irritierte Rooney seinen Gegenspieler mit einer seiner bekannten Lauffinten – und Bayerns Verteidiger rutschte weg. Aus der Froschperspektive musste er mit ansehen, wie Rooney in aller Seelenruhe aus kurzer Distanz zum 1:0 einschießen konnte.

Rooney trifft nach 64 Sekunden

Nach 64 Sekunden schien der internationale Teil der diesjährigen Bayern-Saison so gut wie beendet. Und auch was dann in den kommenden Minuten geschah, ließ Schlimmes befürchten. Manchester kombinierte sich zeitweise mühelos durch die Münchner Defensive, und dass es mal wieder Rooney war, der fast das 2:0 erzielt hätte, nachdem Martin Demichelis unter einer Flanke hindurch gesegelt war, überraschte niemanden im Stadion. Jörg Butts glänzende Parade verhinderte den nächsten Niederschlag.

Als sich der erste Schock über das allzu frühe Gegentor gelegt hatte, fasste der FC Bayern wieder Mut – und spielte fortan mit so viel Herz und Engagement wie selten in dieser Saison. „Nach dem 0:1 war der Druck weg“, sagte Innenverteidiger Daniel van Buyten. Auch wenn vieles nicht gelang, mühten sich die Bayern sehr redlich, erarbeiteten sich so einige Torchancen. Und das obwohl in der Offensive der überragende Mann der letzten Wochen verletzt fehlte: Arjen Robben. „Arjen ist ein sehr wichtiger Spieler“, sagte Bayerns Trainer Louis van Gaal. „Er kann ein Spiel entscheiden. Das kann er heute nicht. Wir hätten das Risiko nehmen können, aber für uns ist die Meisterschaft wichtiger als die Champions League. Das hat der Vorstand von mir gefordert.“ Am Samstag steht für die Bayern das nächste wichtige Spiel an. Dann wollen sie sich in Gelsenkirchen vom FC Schalke 04 die Tabellenführung in der Bundesliga zurückholen.

Gegen Manchester sprang für Robben dann Bayerns anderer Weltstar ein: Franck Ribéry. Wenig war ihm bis eine Viertelstunde vor Schluss gelungen, und auch der Freistoß, den er aus halblinker Position Richtung Edwin van der Sar im Tor der Engländer schickte, sah nicht allzu viel versprechend aus. Doch Wayne Rooney in der Mauer fälschte Ribérys Schuss so ab, dass der Torhüter keine Chance hatte. Doch die Bayern gaben sich mit dem 1:1 nicht zufrieden – und sie wurden für ihren Einsatz belohnt. Ivica Olic, der Siegtorschütze, sicherte sich nach dem Abpfiff auch noch den Spielball. Wann besiegt man Manchester schon mal in der Nachspielzeit?

Und dann auch noch Rooney verletzt

Für die Engländer war die Niederlage doppelt schlimm. Denn kurz vor Schluss humpelte Rooney vom Platz. „Es ist eine Verletzung am Knöchel, aber wir müssen erst die Untersuchungen abwarten. Hoffentlich ist es nichts Ernstes“, sagte Trainer Alex Ferguson. Möglicherweise fehlt der 24 Jahre alte Angreifer am Samstag im Spitzenspiel der Premier League zwischen dem Ersten Manchester und dem Zweiten, Michael Ballacks FC Chelsea.

Das Rückspiel gegen die Bayern ist am kommenden Mittwoch im Stadion Old Trafford. Da war Ferguson zuversichtlicher: "Natürlich werden wir dort stärker spielen. Und immerhin haben wir das Auswärtstor."

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