Sport : Champions League: Gijon liegt an der Elbe

Claus Günter

Gegen 22.20 Uhr geschah etwas Erstaunliches im Volksparkstadion: Ein Pfeifkonzert gellte durch den Fußballtempel. Missfallenskundgebungen gegen die Mannschaft des Hamburger SV, die sich beim Stand von 1:1 zehn Minuten vor Ende des Champions-League-Spieles gegen Deportivo La Coruña gemächlich die Kugel hin und her schob. Gijon an der Elbe - das haben viele nicht verstanden. Bis der Stadionsprecher eingriff und die 48 500 Zuschauer über die 3:1-Führung von Panathinakos Athen gegen Juventus Turin im parallelen Spiel der Gruppe E aufklärte. Da wurde jedem klar, nur noch das Sichern des Remis und damit der Uefa-Cup-Platz war das Ziel, der Traum von der Zwischenrunde der Champions League war perdu.

Und so endete für den Hamburger SV das Abenteuer in der europäischen Eliteklasse mit unattraktivem Zweckfußball. Dabei hatte es am 13. September mit einem rauschenden Fußballfest gegen Juventus Turin (4:4) begonnen. Dieses Spiel hat schon jetzt einen festen Platz in den Annalen des 113-jährigen Traditionsklubs. Die Champions-League war der berauschende Höhepunkt einer dreieinhalbjährigen Aufbauarbeit des "neuen HSV" unter der Anleitung von Trainer Frank Pagelsdorf. Obwohl die Mitarbeiter der Uefa die silbergrauen Logo-Pappen und die CD mit der Champions-League-Hymne mitnahmen, kam kein Wehmut auf.

Man war dabei gewesen und man ist sich sicher, dass es nicht das letzte Mal war. Die Losung lautet: "Noch zwei, drei Runden im Uefa-Cup überstehen", wünscht sich Niko Kovac, "und hoffentlich sind wir nächstes Jahr wieder in der Champions League dabei." Die gemachten Erfahrungen sollen dabei helfen. "Auch der Stellenwert des Uefa-Cups ist immens, es ist ganz wichtig, dass wir weiter internationale Erfahrung sammeln", erklärte Pagelsdorf. Es kann also weitergehen mit den europäischen Feiertagen. "Wir haben jetzt die Voraussetzung dafür geschaffen, dass die Mannschaft auch in Zukunft im oberen Drittel der Liga mitspielt", erklärt Holger Hieronymus. Angesichts der jährlichen Belastung von 13 Millionen Mark bis 2015 für die Abzahlung der 189 Millionen Mark teuren Arena sowie den kurzfristig notwendigen 15 Millionen für nicht einkalkulierte Mehrkosten ist der Verein auch in Zukunft zum Erfolg verpflichtet. Rund 27 Millionen wurden in diesem Jahr bereits eingenommen.

Im Uefa-Cup, dessen dritte Runde heute in Genf ausgelost wird, warten je nach Attraktivität des Gegners zwischen zwei und fünf Millionen Mark je Runde. "Mir wird hier viel zu viel über Geld geredet", beschwerte sich Trainer Frank Pagelsdorf. Der gewichtige Coach wollte lieber über Sport sprechen. "Wir haben begeisternde Spiele gegen international erfahrene Mannschaften gezeigt. Wir sind nicht abgeschlachtet worden, das war vorher nicht unbedingt zu erwarten", sagte der 42-Jährige. "Nur ein Spiel war schwach, die Heimniederlage gegen Athen." Gegen La Coruna wollte der Hamburger SV die letzte Chance nutzen und ging auch schnell mit 1:0 durch Mehdi Mahdavikia (10.) in Führung (31.). Nach dem Ausgleich durch Roy Makaay (58.) und der Kunde von Turins klarer Führung war die Partie aber gelaufen. "Es war eine taktische Meisterleistung, wie wir dann den Ball kontrolliert haben", sagte Pagelsdorf zum Quergeschiebe in der Schlussphase. Wenn man zufrieden ist, fällt auch das Scherzen leichter.

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