Sport : Champions League: HSV plant Sturmlauf auf die Festung La Coruña

Getrieben von Champions-League-Euphorie und Bundesliga-Frust will der Hamburger SV die Fußball-Festung Deportivo La Coruña einnehmen. Nur sechs Tage nach der 4:4-Gala gegen den italienischen Rekordmeister und drei Tage nach dem bitteren 2:3 gegen Borussia Dortmund muss der Fußball-Bundesligist seine Königsklassen-Tauglichkeit auf fremdem Terrain beweisen. "Wenn wir so spielen wie gegen Turin, können wir in La Coruña gewinnen", verbreitete Vereinschef Werner Hackmann Optimismus für die heutige (20.45 Uhr/Premiere World).

Bei Deportivo ist gerade Feuer unterm Dach. Die Spieler rebellierten nach dem zweiten Saisonspiel der Primera Division bei Racing Santander (3:0) gegen ihre Clubführung. Die rund 500 Kilometer lange Rückreise von Santander nach La Coruña wurde für das Meisterensemble zu einer zwölfstündigen Odyssee per Bus, Flugzeug und Auto. Die Spieler hatten die letzte Etappe der Abenteuerreise von Vigo nach La Coruña gar mit Mietwagen bewältigt. "Wir sind ein erstklassiges Team und wollen keine zweitklassigen Reisen mehr", forderte die Mannschaft und verlangte eine Aussprache mit Vereinspräsident Augusto Cesar Lendoiro. Zudem sollen endlich die Prämien für die Champions League ausgehandelt werden.

Die schlechte Stimmung beim spanischen Meister kann HSV-Trainer Pagelsdorf nur recht sein. Der 42 Jahre alte Coach tüftelt, wie er der enormen Heimstärke von Deportivo begegnen kann. "Die spielen aus einer kompakten Abwehr heraus und nutzen eiskalt ihre Torchancen", fasste Co-Trainer Gerd Kleimaker seine Eindrücke von der Spionagetour beim Spiel in Santander zusammen. Den ersten Titelgewinn in seiner Vereinsgeschichte verdankt der Club aus Nordwestspanien seiner Heimstärke. Denn auswärts enttäuschte die Mannschaft nahezu regelmäßig. Das 3:0 zuletzt in Santander war der erste Erfolg seit einem halben Jahr. Trotz aller Zahlenspielereien glaubt HSV-Teammanager Bernd Wehmeyer: "Alle gucken nur auf Juventus Turin. Aber Deportiva La Coruña ist die stärkere Mannschaft."

Der Meister aus der galizischen Provinzhauptstadt setzt im Gegensatz zu den spanischen Renommierclubs Real Madrid und FC Barcelona nicht vordergründig auf Stars, sondern auf Kompaktheit. Leitfiguren im Team von Trainer Javier Irureta sind Brasilianer. Der defensive Mittelfeldspieler Mauro Silva, der mit Brasilien 1994 Weltmeister wurde, ist Dreh- und Angelpunkt. "Wer vor Real und Barcelona Meister wird, der muss absolute Klasse sein", betonte Pagelsdorf respektvoll. Achillesferse beim HSV ist derzeit die Abwehr. In der vergangenen Saison noch das Prunkstück, leistet sie sich nun peinliche Schnitzer. 14 Gegentore in fünf Bundesliga- und einem Champions-League-Spiel sind des Schlechten zu viel. "Wir haben keinen Grund, unser erfolgreiches System zu ändern", meinte Pagelsdorf trotzig.

Leverkusen mit Sorgen

Aus für Ze Roberto

Bayer Leverkusen muss im zweiten Champions-League-Spiel gegen Sporting Lissabon am Mittwoch neben Mittelstürmer Ulf Kirsten auch auf Ze Roberto verzichten. Der Brasilianer laboriert an einer Entzündung im operierten Knöchel. Die Verletzung zog er sich im WM-Qualifikationsspiel gegen Argentinien zu. Ungewiss bleibt, wie lange der 26-Jährige pausieren muss und ob eventuell eine erneute Operation notwendig ist. Ze Roberto wird auch am kommenden Sonnabend im Bundesliga-Spiel in Cottbus fehlen.

Ulf Kirsten, der schon die erste Champions-League-Partie bei Spartak Moskau verletzungsbedingt verpasste und erst am vergangenen Sonnabend im Bundesligaspiel gegen Hansa Rostock wieder dabei war, zog sich einen Muskelfaserriss in der linken Wade zu und wird etwa 14 Tage ausfallen. Erste Anwärter für die beiden frei gewordenen Positionen im Team sind Vratislav Gresko, der Ze Roberto schon am Sonnabend auf der linken Seite vertrat, und Thomas Brdaric, der ebenfalls im Spiel gegen Rostock nach 20 Minuten den Platz von Kirstens einnahm.

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