Champions League im Handball : THW Kiel: Seltsam abwesend

Die Handballer des THW Kiel zeigen im Halbfinale der Champions League gegen Veszprem eine unerklärlich schwache Leistung und verpassen damit das Endspiel.

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Verzweiflungswurf. Kiels Steffen Weinhold muss mit seiner Mannschaft eine bittere Niederlage einstecken.
Verzweiflungswurf. Kiels Steffen Weinhold muss mit seiner Mannschaft eine bittere Niederlage einstecken.Foto: dpa

Wenn es nicht seine Standardgeste wäre, sie hätte alles erzählt über dieses Spiel. Wie er da an der Seitenlinie stand, die Arme weit ausgestreckt, die Augen weit aufgerissen, und sich wenig später mehrfach durch die Haare fuhr. Alfred Gislason ist immer ein bisschen unzufrieden, dieser Ehrgeiz, ja, diese Verbissenheit hat den Coach des THW Kiel zu dem gemacht, was er ohne Zweifel ist: einer der besten und begehrtesten Handball-Trainer, die der Markt hergibt.

Am Samstagabend war Gislason allerdings wirklich unzufrieden – weil sein Team im wichtigsten Spiel des Jahres eine unerklärlich schwache Leistung zeigte. Im Halbfinale der Champions League musste sich der deutsche Rekordmeister vor 20 000 Besuchern in der Arena von Köln mit 27:31 (13:13) dem ungarischen Spitzenteam MKB-MVM Veszprem geschlagen geben. „Wir haben so viele Fehler gemacht“, sagte Gislason, „das darf gegen einen so guten Gegner einfach nicht passieren.“ Folgerichtig verpassten die Kieler ihre dritte Endspielteilnahme seit 2012. Das Finale am Sonntag (18 Uhr, live bei Sky) bestreiten nun die siegreichen Teams aus Veszprem und Barcelona. Die Spanier hatten sich im ersten Halbfinale des Tages mit 33:28 (16:14) gegen KS Kielce aus Polen durchgesetzt.

Dabei begann der THW zunächst gut: aggressiv in der Defensive, behutsam und geduldig bei eigenen Angriffen. Angetrieben vom überragenden Aron Palmarsson erspielten sich die Kieler schnell einen Drei-Tore-Vorsprung. Daran hatte auch Andreas Palicka seinen Anteil: Der Schwede hielt sieben der ersten neun Würfe, die von den Ungarn auf sein Tor abgefeuert wurden. So stark wie Palicka begonnen hatte, so stark ließ er später nach.

Im Finale trifft Veszprem auf den FC Barcelona

Überhaupt kam mit den ersten Wechseln von Alfred Gislason, wie gewohnt nach einer knappen Viertelstunde vollzogen, ein Bruch ins Spiel der Kieler. Beide Teams behandelten sich jetzt – wenig überraschend – längst nicht mehr so herzlich wie etwa noch bei der Begrüßung vor dem Anpfiff. Da hatten die Kieler vor allem ihren langjährigen Teamkollegen Christian Zeitz und Momir Ilic, mittlerweile in Diensten Veszprems, ein paar freundliche Worte mitgegeben. Später zeigten die Beteiligten phasenweise griechisch-römische Einlagen, das Spiel lebte vor allem von der Physis und seiner Spannung, zur Halbzeit stand 13:13.

Nach der Pause wirkten die Kieler über weite Strecken seltsam abwesend. Höhepunkt dieser Beobachtung war ein Schrittfehler bei eigenem Anwurf – ein Vergehen, bei dem jeder Kreisliga-Trainer durchdrehen würde. Veszprem baute seinen Vorsprung in dieser Phase beständig aus und ging elf Minuten vor Schluss erstmals mit sechs Treffern in Führung (27:21). Diesen Rückstand konnten die Kieler am Ende zwar noch verkürzen, wirklich spannend wurde es aber nicht mehr.

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