Champions-League : Kiel geht mit Wehmut ins Finale

Das Champions-League-Finale biete den letzten großen Auftritt dreier Schlüsselspieler, welche die atemberaubende Erfolgsserie der Kieler in den letzten Jahren geprägt haben.

Erik Eggers[Kiel]
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Tschüs Kiel. Nikola Karabatic wird sich vom THW verabschieden. Foto: dpa

Einerseits sind alle fokussiert auf das Spiel des Jahres. „Konzentration pur“, fordert Filip Jicha, der mit 98 Treffern beste Schütze der Champions-League-Saison, vor dem Rückspiel des THW Kiel bei BM Ciudad Real. Am Pfingstsonntag (18 Uhr, live bei Eurosport) wird in der Quichote-Arena ermittelt, wer nach dem Kieler 39:34-Hinspielsieg in diesem Jahr die Champions League gewinnt: der deutsche Rekordmeister oder der spanische Titelverteidiger. „Ich glaube, dass dieses Finale erst in den letzten Sekunden entschieden wird“, sagt THW-Coach Alfred Gislason. Nach dem großen Schiedsrichterskandal, der weiterhin ungeklärt ist, blickt die Handballwelt auch besonders auf die Entscheidungen der Referees, die noch nicht bekannt gegeben wurden.

Andererseits schwingt aber auch ein wenig Wehmut mit. Bietet dieses Champions-League-Finale doch den letzten großen Auftritt dreier Schlüsselspieler, welche die atemberaubende Erfolgsserie der Kieler in den letzten Jahren geprägt haben. Neben dem schwedischen Kapitän Stefan Lövgren (38), der seine Karriere nach über 460 Spielen für den THW beendet und in seine Heimat zurückkehrt, werden auch der französische Welthandballer Nikola Karabatic (25) und der slowenische Rechtsaußen Vid Kavticnik (24) die Kieler Förde verlassen. Das befreundete Duo wechselt nach Montpellier. Mehr als 1,5 Millionen Euro soll der Doppeltransfer den französischen Champion kosten. „Wir haben wunderbare Momente zusammen in diesem Klub erlebt und haben noch eine große Mission zu erfüllen. Aber in unserem Kopf haben wir keinen Zweifel, dass unsere Zeit in Deutschland zu Ende geht“, erklärte Karabatic, bevor der Charterflug nach Zentralspanien startete.

THW-Coach Gislason ist bewusst, dass mit dem Abgang des Trios eine Zäsur verbunden ist. „Das ist natürlich ein großer Schnitt“, sagt der 49-jährige Isländer, der nach 2002 (mit dem SC Magdeburg) vor seinem zweiten Triumph in der Königsklasse steht. „Es wird schwer sein, Leute mit diesem starken Charakter zu ersetzen.“ Freilich betont Gislason die enormen individuellen Fähigkeiten von Profis wie Jicha oder Lund, die dem THW erhalten bleiben. Zugänge wie der junge Aron Palmarsson aus Island oder der Serbe Momir Ilic (aus Gummersbach) dürften den THW Kiel auch in der nächsten Saison nicht abstürzen lassen. Aber es könnte ein wenig dauern, bis das fast maschinenhafte Verständnis wieder hergestellt ist. Kaum vorstellbar, dass der THW die Liga (61:3-Punkte) dann ähnlich dominiert wie in dieser Saison, auch der Durchmarsch in das Champions-League-Finale dürfte nicht so einfach zu wiederholen sein.

Freilich gilt das genauso für den spanischen Dominator Ciudad Real. Denn dort scheint der schier unerschöpfliche Geldfluss, für den Präsident Domingo Diaz de Mera sorgte, ins Stocken zu geraten. Der Milliardär, dessen Reichtum vorwiegend auf Immobiliengeschäften beruht, soll viel Geld verloren haben. Spanische Medien berichten, er sei dem inzwischen verurteilten New Yorker Broker George Madoff aufgesessen.

Vor allem aber der Flughafen von Ciudad Real bescherte dem Mäzen riesige Verluste, da das Logistikzentrum, das eigentlich die Auslastung sichern sollte, noch nicht genehmigt ist. Domingo soll sogar schon damit gedroht haben, sein Engagement im Handball zu beenden, sollte die Baugenehmigung nicht erteilt werden. „Es ist ein Rätsel, wie es dort weitergeht“, sagt Gislason, dessen Drähte nach Spanien gut sind, seitdem er in Irun als Profi spielte. Klar ist bereits, dass mit Uros Zorman und Ales Pajovic (zu Celje) sowie dem Isländer Olafur Stefansson (zu den Rhein-Neckar Löwen) drei zentrale Figuren den spanischen Champion verlassen. Die Vorherrschaft des THW Kiel und BM Ciudad Real, die viele für Jahre vorhergesagt hatten, ist jedenfalls in Gefahr.

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