Champions League : Künstler, bleib bei deinen Reizen

Arsenal London scheitert in der Champions League am FC Barcelona – weil man den eigenen Offensivstil verraten hat.

Julia Macher
Einer kam durch. Lionel Messi (rechts) ließ sich auch durch Arsenals ungewohnte Defensivtaktik nicht in seiner Spielfreude stoppen. Der Argentinier erzielte zwei Tore.
Einer kam durch. Lionel Messi (rechts) ließ sich auch durch Arsenals ungewohnte Defensivtaktik nicht in seiner Spielfreude...Foto: imago sportfotodienst

Das Pfeifkonzert, mit dem das Camp Nou Cesc Fabregas verabschiedete, war ohrenbetäubend – und man wusste nicht so recht, welchem Cesc Fabregas es nun galt: Dem Arsenal-Kapitän, der mit seiner Mannschaft ganz gegen ihre Natur das zelebriert hatte, was Barça-Fans am meisten hassen, ultradefensiven Mauerfußball nämlich? Oder dem zu lange verloren geglaubten Sohn, dem Ausnahmetalent aus der Barça-Schule, der nun schon acht Jahre in London weilt und den kein noch so lukratives Angebot bisher zurück nach Hause locken konnte?

Wie kein Zweiter verkörpert Spielmacher Fabregas das Wesen beider Klubs. Kein Wunder also, dass sich die Aufmerksamkeit beim Rückspiel im Champions- League-Achtelfinale auf den Katalanen aus Arenys de Mar konzentriert hatte. Der ermöglichte durch einen leichtsinnigen Ballverlust Lionel Messi den Treffer zum 1:0. Auch im weiteren Spielverlauf enttäuschte Fabregas ebenso wie sein Team, das nur durch ein Eigentor von Sergio Busquets zum Ausgleich kam, bevor Xavi und noch einmal Messi den verdienten 3:1-Endstand herstellten. Auf dem Weg zum Flughafen teilte Fabregas dann seine Befindlichkeit via Twitter mit: „Das ist einer der schwersten Momente in meinem Leben. Ich fühle mich mitschuldig am Ergebnis und bitte um Verzeihung.“ Es waren die passenden Worte, an die Arsenal-Fans gerichtet, die mehr noch als von der Niederlage von der Spielweise ihres Teams enttäuscht waren.

Denn wer sich von der Begegnung der beiden Klubs ein Gipfeltreffen des Kombinationsspiels versprochen hatte, der wurde enttäuscht. Den 3:1-Sieg, der Barça nach dem 1:2 aus dem Hinspiel ins Viertelfinale brachte, mussten die Katalanen einem Gegner abtrotzen, der auf konsequentes Verhindern setzte und den Protagonismus gänzlich dem Gastgeber überließ. „Wir mussten härter kämpfen als sonst“, sagte Xavi. „Ich hätte nicht gedacht, dass Arsenal so auf unsere Kosten agieren würde.“ 19 Schüsse auf das Tor von Arsenal verzeichnete die Statistik am Ende – Arsenals Spieler brachten keinen einzigen auf das Tor des FC Barcelona.

Trainer Wenger gab die Verantwortung an den Schiedsrichter ab

Dass die Zuschauernerven dennoch zum Zerreißen gespannt blieben, lag daran, dass Arsenal immer dort konsequent die Räume verengte, wo sich Barça entfalten wollte. Schon José Mourinho hatte mit Inter Mailand im letzten Jahr an gleicher Stelle auf die gleiche Strategie gesetzt und die Katalanen aus dem Halbfinale geworfen. Dass Arsenal mit der gleichen Taktik weniger erfolgreich war, liegt auch daran, dass der Verein von Haus aus der gleichen Philosophie huldigt wie der Rivale. Trainer Arsène Wenger zählt konsequentes Nach-Vorne-Spielen und Kurzpassspiel in die gegnerische Spielhälfte zu seinen fußballerischen Leitsätzen. Ob der Franzose besser beraten gewesen wäre, dieser Spielweise treu zu bleiben, ist dennoch fraglich. Bisher zumindest scheiterte, wer als Gast im Camp Nou auf Barças Stil setzte.

Wohl aus der Verzweiflung heraus erklärte Wenger das Debakel dann auf ganz eigene Art. „Glückwunsch an den Schiedsrichter“, zischte er Guardiola nach Abpfiff zu und setzte auf der Pressekonferenz nach: „Wie kann man ein Spiel nur so kaputt machen? Der FC Barcelona ist gut genug. Wir wollten nichts weiter, als ein normales Spiel machen.“ Dass Schiedsrichter Busacca Robin van Persie nach einem im tosenden Camp Nou angeblich überhörten Abseitspfiff die Rote Karte zeigte, hatte die Londoner zwar geschwächt, am grundsätzlichen Spielverlauf aber nichts verändert. Barcelonas Josep Guardiola zeigte Verständnis für seinen Trainerkollegen: „Wäre mir das passiert, würde ich vielleicht ähnlich reagieren.“ Er widersprach aber der Darstellung, die umstrittene Entscheidung habe die Londoner die Qualifikation für das Viertelfinale gekostet. „Sie haben nicht einmal auf unser Tor geschossen, keine drei Pässe hintereinander sind ihnen geglückt. Wir haben dagegen in jeder Hinsicht fantastisch gespielt.“

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