Champions League : Leverkusen stolpert über den eigenen Respekt

Laut dem Trainer muss sich Bayer 04 Leverkusen mental verstärken. Auch die Spieler räumen einen Mangel an Selbstvertrauen im ersten Champions League Spiel ein.

Stauboden. Stefan Kiessling ist von der Manchester United Innenverteidigung frustriert.
Stauboden. Stefan Kiessling ist von der Manchester United Innenverteidigung frustriert.Foto: dpa

Es war keine Demütigung wie 559 Tage davor beim 1:7 von Barcelona. Das 2:4 (0:1) von Bayer Leverkusen bei Manchester United war aber ein Beweis: Die richtig Großen des europäischen Fußballs kann Leverkusen nur phasenweise gefährden. So kam Trainer Sami Hyypiäs Erkenntnis nach dem Champions-League-Auftakt nicht überraschend: „Wir müssen hart arbeiten, um uns in dieser Hinsicht zu verbessern.“

Was der finnische Coach meinte, war allen klar: das Mentale. Stundenlang muss er den Seinen zugeredet haben, dass sie in Manchester keine Angst zu haben brauchen vor den Wayne Rooneys und Robin van Persies dieser Fußball-Welt. Aber dann passierte am Dienstagabend genau das, was nicht passieren sollte. Torjäger Stefan Kießling: „Wir haben uns einfach zu wenig zugetraut.“ Auch das Statement von Kapitän Simon Rolfes untermauerte die These, dass die aktuelle Bayer-Besetzung nicht unbedingt jene psychische Potenz mitbringt, mit der die Generation um Michael Ballack 2002 in Manchester den Grundstein für den Einzug ins Finale der Champions League legte. „Wir haben gesehen, dass wir selbstbewusster in solche Spiele gehen müssen“, hielt Rolfes fest. Und: „Zwei Tore hier zu erzielen ist gut, aber vier zu kassieren gar nicht.“ Es hätten auch gut und gern noch zwei Gegentreffer mehr sein können - aber auch einer weniger sein müssen: Rooneys 1:0 war regelwidrig, weil Antonio Valencia im Abseits stand und Bernd Leno von dem Ecuadorianer eindeutig behindert wurde.

„Der Schiedsrichter und seine Kollegen haben alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Und die Abseitsregel wurde da wohl kurz abgeschafft“, schimpfte Bayer-Keeper Leno über den Slowenen Damir Skomina und dessen Helfer. Rolfes sagte: „Mit Sicherheit ist so was nie der einzige Grund, aber es hilft natürlich auch nicht, wenn die Schiedsrichter da so schlafen. Aber vor dem Spiel fotografieren sie sich gegenseitig auf dem Rasen. Da darf man auch mal fragen, ob das die Professionalität der Schiedsrichter ist.“

Diese umstrittene Szene war für Leno aber auch ein Indiz, woran es liegen könnte, dass Bayer trotz passabler Ansätze nichts Zählbares aus Old Trafford mitnehmen konnte: „Die waren einfach abgezockter“, urteilte er über den Champions-League-Gewinner von 1999 und 2008. United-Trainer David Moyes stimmte zu. „Meine Spieler haben auf dem Platz ihre Erfahrung gezeigt“, sagte der Nachfolger von Sir Alex Ferguson. Der sah als Tribünengast die Treffer von Rooney (2), van Persie und Valencia. Ömer Toprak traf zum 2:4 – aber da war es längst zu spät, um nach Rolfes’ 1:1 mehr mitnehmen zu können.

Nun gilt es, sich bereit zu machen für die nächsten Herausforderungen. Am Samstag muss Bayer in der Bundesliga nach Mainz, dann folgt der Pokalauftritt in Bielefeld, dem sich drei Heimspiele in sieben Tagen anschließen: Nach Hannover (Bundesliga) wartet San Sebastian in der Champions League, drei Tage später steht das Erstligaduell mit Triple-Gewinner Bayern an. Auch da kann etwas weniger Zurückhaltung nicht schaden. dpa

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