Champions League : Leverkusen will gegen Barcelona lernen

Der Gegner als Vorbild: Nach dem 1:3 in Hinspiel sind die Hoffnungen auf das Viertelfinale gering. Leverkusen sieht das Rückspiel beim FC Barcelona vor allem als Möglichkeit, für die Zukunft zu lernen.

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Den Tiefpunkt überwunden. Im Hinspiel war Leverkusen gegen Barcelona nahezu chancenlos. Seither ist das Team um Lars Bender (l., mit Lionel Messi) aber im Aufwind.
Den Tiefpunkt überwunden. Im Hinspiel war Leverkusen gegen Barcelona nahezu chancenlos. Seither ist das Team um Lars Bender (l.,...Foto: dapd

Es sind die besonderen Siege, die viel Selbstvertrauen geben. Bayer 04 Leverkusen hat solch ein Erfolgserlebnis jüngst genießen können. Am vergangenen Sonnabend haben die Rheinländer wohl auch zu ihrer eigenen Überraschung den FC Bayern München 2:0 geschlagen. Dieser Erfolg kam ihnen gerade recht. Zum einen haben sie damit wieder Anschluss an die Spitzengruppe der Bundesliga gefunden. Zum anderen haben sich jetzt auch wieder einige blaue Lücken im Leverkusener Himmel aufgetan, der nach der Heimspielniederlage (1:3) im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Barcelona durch und durch wolkenverhangen war und für depressive Stimmung gesorgt hatte.

„Wir sind realistisch genug zu wissen, dass es sehr schwer wird, weiterzukommen, wollen uns aber gut verkaufen“, sagt Nationalspieler André Schürrle vor dem heutigen Rückspiel in Katalonien. Die Rheinländer gehen nicht davon aus, dass sie das Viertelfinale erreichen werden. Aber sie könnten immerhin an dem bisher zähen Prozess weiterarbeiten, bei dem Trainer und Mannschaft enger zusammenrücken wollen.

Gerade zu Saisonbeginn hatten beide Seiten Anpassungsprobleme. Aus Sicht von Robin Dutt und mit Blick auf die Rückrundenbilanz in der Bundesliga mit vier Siegen, zwei Unentschieden und einer Niederlage spricht der Trainer mittlerweile von einer positiven Entwicklung auf dem Fußballfeld – aber auch zwischen ihm und der Mannschaft. „Wir haben nicht nur ein gutes, sondern inzwischen ein sehr gutes Verhältnis“, hatte er bereits vor einigen Tagen beinahe ein wenig euphorisch gesagt. Am Dienstag in Barcelona unterstrich der 47-Jährige diese These noch einmal. „Wenn die Atmosphäre nicht gut wäre, wäre die Mannschaft zu solchen Leistungen kaum fähig“, sagte er. Ein vorzeigbares Spiel in Katalonien wäre auf diesem Weg des gegenseitigen Verständnisses von Vorteil. „Realistisch betrachtet ist unsere Chance sicher sehr klein. Aber wir wollen Barça ein bisschen ärgern“, hofft Angreifer Stefan Kießling. Doch die Begegnung könnte, wenn sie dann doch nicht zu einem Leverkusener Wunder taugen sollte, als eine 90-minütige Einheit in Sachen fußballtaktischer Ausbildung gelten. „Wir nehmen uns Barcelona als Vorbild. Wenn wir den Ball verlieren, dann wollen wir versuchen, diesen genauso schnell wieder zurückzuerobern, wie das Barcelona regelmäßig gelingt“, sagt Kießling.

Denn dieses taktische Mittel, das die Spieler Barcelonas bereits in den Jugendmannschaften erlernen, soll eine nachhaltige Vorgehensweise und das Leverkusener Stilmittel der Zukunft werden. Auch wenn heute Abend die Teilnahme am internationalen Wettbewerb im Fokus der Rheinländer steht. „Barcelona ist ein Gegner, der einem immer viel Sorge bereitet“, sagt Robin Dutt nach etlichen Videostudien und den Erinnerungen vom Hinspiel vor drei Wochen. Als erste Lernstufe geht es für seine Mannschaft deshalb darum, die Erkenntnisse aus dem Hinspiel umzusetzen. „Es kommt darauf an, wie wir mit unseren womöglich rund 30 Prozent Ballbesitz umgehen“, sagt der Leverkusener Trainer. Den Vorwurf, wie in der ersten Hälfte in Leverkusen allzu ehrfürchtig vor dem Gegner zu sein, wollen sich Dutt und die Spieler nicht erneut machen lassen und kündigen einen mutigeren Auftritt an. „Wir müssen die guten Ergebnisse der Vorwochen mitnehmen und mit breiter Brust auftreten“, sagt Stefan Kießling.

Die Leverkusener gehen nicht davon aus, dass sich der FC Barcelona auch etwas von ihnen abschauen will. Angesprochen auf die aktuell stockenden Vertragsverhandlungen von Barcelona-Trainer Josep Guardiola, sagte Robin Dutt mit einem breiten Lächeln: „Wir müssen eine Live-Schaltung in sein Büro machen, weil er auf meine Meinung wartet.“

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