Champions League : Manchester United im Niemandsland

Mutloser Trainer, Spieler ohne Siegeswillen: Der Englische Meister Manchester United hat den Umbruch nicht verkraftet, nach dem 0:2 in Piräus droht in der Champions League das Aus.

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Die Konkurrenz enteilt. Manchesters Stürmerstar Wayne Rooney sieht griesgrämig zu, wie Giannis Maniatis ein Tor für Olympiakos Piräus feiert. Am Ende des Dienstagabends stand eine 0:2-Niederlage für Rooneys Team, United droht das Aus in der Champions League.
Die Konkurrenz enteilt. Manchesters Stürmerstar Wayne Rooney sieht griesgrämig zu, wie Giannis Maniatis ein Tor für Olympiakos...Foto: AFP

Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Manchester United die ganze Welt mit seiner Lustlosigkeit erstaunt hat. Viel schlechter als jetzt ging es dem Englischen Meister aber bislang kaum. Diese Mannschaft noch als Englischen Meister zu bezeichnen erscheint längst als irrwitzig. Das Team, das im vergangenen Mai unter Alex Ferguson noch die Premier League gewann, ist nicht mehr wiederzuerkennen: Unter dem neuen Trainer David Moyes verlor die Mannschaft am Dienstagabend bei Olympiakos Piräus das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League mutlos mit 0:2. „Wir haben verdient verloren“, sagte Moyes nach dem Spiel, „das war unsere schlechteste Leistung im europäischen Wettbewerb. Ich hatte mehr erwartet.“

Mehr hatten alle erwartet. Denn bisher hatte Moyes noch Erfolg in der Champions League gehabt. Der Einzug ins Viertelfinale sollte für ihn der Wendepunkt sein in einer Saison, die schwach begonnen hatte. Um Fußballspiele zu gewinnen, muss man aber mindestens 90 Minuten lang laufen, doch selbst daran ist United in Piräus gescheitert. Viel zu viel Raum ließen Moyes’ Akteure ihren Gegenspielern und schafften keinen für sich selbst. Zum gefühlt tausendsten Mal in dieser Saison zeigten sie keinen Siegeswillen. Das dürfte zum Teil auch an Trainer Moyes liegen. Zu viel Vorsicht wird ihm vorgeworfen – sowohl in seinen Aufstellungen als auch in seiner Taktik. Der Schotte setzt im Mittelfeld eher auf den defensiven Tom Cleverley als auf den kreativeren Marouane Fellaini. Zudem wird er dafür kritisiert, dass er das Nachwuchstalent Adnan Januzaj nicht öfter spielen lässt. Januzaj ist wohl der Hoffnungsschimmer bei United in dieser Saison. Belgien, England und der Kosovo wollen den 19-Jährigen in ihre Nationalmannschaften holen. Doch Stammspieler ist er trotz seiner glänzenden Leistungen noch nicht bei United.

Fans und Medien haben derweil Mitleid mit Moyes. Die Voraussetzungen, die ihm von Ferguson überlassen wurden, sind alles andere als eines Topklubs würdig. Der Kader ist nicht gleichmäßig besetzt; die meisten guten Spieler sind zu alt, die meisten jungen nicht gut genug. Zudem sollen sich die beiden Stürmerstars Wayne Rooney und Robin van Persie als Außenseiter im Team fühlen.

Je weiter die Ära Ferguson in die Vergangenheit rückt, desto weniger Ausreden werden Moyes zugestanden. Seit Mittwoch wird er bei den Buchmachern als Favorit für die nächste Trainerentlassung in der Premier League gehandelt. Der Verein hat ihn hingegen stets unterstützt, denn die Verantwortlichen wissen, dass er seine eigene Mannschaft noch nicht prägen konnte. Am Ende der Saison muss er umbauen, nicht nur wegen der Abgänge von Nemanja Vidic, Rio Ferdinand und Ryan Giggs. United ist zwar immer noch attraktiv, was Geld und Ruhm betrifft, doch mit jeder Pleite schwindet die Attraktivität. Als Tabellensechster – mit einem Rückstand von elf Punkten auf Platz vier – ist die Qualifikation für die Champions League im nächsten Jahr fast schon verspielt. Weitere Superstars wird Moyes im Sommer wohl nicht verpflichten können. Das zeigt sich vor allem im neuen Vertrag von Wayne Rooney: 300 000 Pfund pro Woche bezahlt United für einen Spieler, der seit langem außer Form ist und seinen Trainer nicht mag. Nur mit seinem Namen verdient Rooney noch sein Gehalt – und mit der Hoffnung, dass seine Anwesenheit andere Spieler zu United lockt.

Im Sommer wird Moyes versuchen, Fergusons Schatten zu entkommen und seine eigene Mannschaft aufzubauen. Noch steht er im Niemandsland der Tabelle – mit einem Team, das noch nicht seines ist, aber auch weit entfernt von dem seines Vorgängers.

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