Champions League : Manchester United macht einen kleinen Schritt

Manchester United dominiert das Halbfinale der Champions League gegen den FC Arsenal, macht beim 1:0 aber zu wenig aus seiner Übermacht.

Raphael Honigstein[Manchester]
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Kein Durchkommen. Manchesters serbischer Verteidiger Nemanja Vidic wehrt den Angriff von Arsenals Kolo Touré ab. Foto: dpa

Das perfekte Halbfinale hatte Alex Ferguson, der Trainer von Manchester United, angekündigt, und das war es dann auch – aus seiner Sicht. Ferguson wollte appetitanregenden Angriffsfußball und einen Sieg ohne Gegentore sehen; aufgetischt bekam er ein gut verträgliches 1:0 gegen den FC Arsenal, bei dem nur die geringe Torausbeute ein wenig auf den Magen drückte. Trotzdem hat Manchester nach dem Hinspiel gute Chancen, das Champions-League-Finale in Rom zu erreichen.

Die United-Fans hatten gerade erst die Plakate ihrer „Believe“-Choreographie unter den Sitzen verstaut, da brachte Wayne Rooney Arsenals Torwart Manuel Almunia schon mit einem unglaublichen Bogenlampenkopfball in Bedrängnis. Sehr spät entschloss sich der Spanier, den schwer zu berechnenden Ball abzuwehren. Die Hausherren rannten in der Auftaktphase an den sehr langsam ins Spiel kommenden Londonern schlichtweg vorbei. Ferguson hatte die wuchtigen Rackerer Anderson (Mittelfeld) und Carlos Tevez (Sturm) der Eleganz von Stürmer Dimitar Berbatow und Routinier Ryan Giggs vorgezogen, und damit genau Arsenals Schwächen entblößt. Mit körperlicher Überlegenheit drängte United die Gäste weit in deren eigene Hälfte zurück. Obwohl die Londoner fünf Mittelfeldspieler hinter der einsamen Spitze Emmanuel Adebayor aufboten, konnten sie ihr Kombinationsspiel nicht aufziehen.

In der 16. Minute hätte der Titelverteidiger gleich drei Tore erzielen können. Tevez scheiterte aus kurzer Distanz zwei Mal an Almunia, der nach der daraus resultierenden Ecke jedoch machtlos war. Arsène Wengers junge Elf verlor den Überblick: Abou Diaby ließ Michael Carrick flanken, der ehemalige United-Spieler Mikaël Silvestre traf den Ball nicht richtig, Manchesters John O’Shea dafür volley zum 1:0 unter die Latte.

Die völlig verdiente Führung schien beide Mannschaften ins Grübeln zu bringen. United genehmigte sich eine kleine Verschnaufpause, Arsenal kam zur ersten und einzigen Chance vor der Pause. Torhüter Edwin van der Sar hatte mit Cesc Fabregas’ Schuss von der Strafraumkante aber keine Mühe. Im Gegenzug kam Cristiano Ronaldo frei zum Kopfball. Abermals rettete Almunia seine überforderten Vorderleute vor dem vorzeitigen K.-o.

In der zweiten Halbzeit besann sich Arsenal der eigenen Qualitäten und spielte eine Spur stringenter in Richtung Tor, ohne jedoch zu echten Gelegenheiten zu kommen. Adebayors Volley aus großer Distanz ging weit über das Tor. Auch Almunia blieb zunächst auffällig unbeschäftigt. Uniteds Offensivabteilung rannte immer noch mit Verve und Entschlossenheit auf Arsenals Abwehr zu, allerdings mit weitaus weniger Männern. Ferguson entschloss sich, die Kontrolle zu verstärken und wechselte Berbatow und Giggs für das leicht erschöpfte Sturm-und-Drang-Duo Anderson/Tevez ein. Letzterer wurde vom begeisterten Publikum mit „Argentina, Argentina!“-Rufen in die Kabine verabschiedet. Der unwiderstehliche Wayne Rooney riss fortan die linke Seite der Londoner auf; Cristiano Ronaldo wechselte in die Sturmmitte und traf mit einem fulminanten Weitschuss die Latte.

Wenger brachte Nicklas Bendtner als zweiten Stoßstürmer für Theo Walcott, doch United ließ das Match weiter wie einen ungleichen Kampf erscheinen: Die noch im Aufbau befindliche Elf des Elsässers Wenger konnte dem an Drucksituationen gewöhnten Englischen Meister nicht das Wasser reichen. Ein letzter Kopfball von Bendtner verfehlte nach einem Freistoß das Tor, danach hatte Alex Ferguson das erste Ziel erreicht. Der Schotte ist nach dem Sieg im Hinspiel seinem dritten Europapokalgewinn schon ein ganzes Stück näher als der ewige Rivale Wenger seinem ersten.

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