Champions League : Manchester United schafft es wieder

Titelverteidiger Manchester United siegt 2:0 gegen José Mourinhos Inter Mailand und zieht ins Viertelfinale der Champions League ein.

Raphael Honigstein[Manchester]
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Aus Erfahrung gut. Ryan Giggs hängt Patrick Vieira ab.Foto: AFP

José Mourinho hatte „ein Spiel der Details, ein Spiel für Leute, die mit Druck umgehen können“ angekündigt. Das 0:0 im Hinspiel, stichelte der portugiesische Trainer von Inter Mailand, ließe „viele Fragezeichen“. Manchesters Trainer Alex Ferguson revanchierte sich mit der Unterstellung, Inter würde im Old Trafford „auf Elfmeterschießen spielen.“ Nach nur vier Minuten Spielzeit waren beide Prognosen widerlegt. Die Abwehr der Italiener hatte – Druck hin oder her – kein Detail, sondern den ganzen Nemanja Vidic übersehen. Der Serbe köpfte nach Ryan Giggs’ Ecke ungehindert zum 1:0 ein.

Ein Elfmeterschießen war somit schon nicht mehr möglich; die defensiv aufgestellten Gäste waren zum Angriff gezwungen. Leider fehlten dazu zunächst die Mittel: ohne einen einzigen echten offensiven Mittelfeldspieler in ihren Reihen versuchten die „Nerazzurri“ meist den isolierten Zlatan Ibrahimovic mit langen, erfolglosen Bällen zu bedienen. Manchester stand tief und wartete abgeklärt auf Kontergelegenheiten.

Just als es sich der Titelverteidiger in der eigenen Überlegenheit bequem gemacht hatte, konnte sich Ibrahimovic erstmals entscheidend durchsetzen. Sein Kopfballaufsetzer bezwang Edwin van der Sar, aber nicht die Querlatte. Manchester schien dadurch ins Nachdenken zu kommen, und Inter spielte immer besser nach vorne. Der Serbe Dejan Stankovic konnte einen exquisiten Steilpass von Ibrahimovic nicht kontrollieren. Der Schwede war nach seiner anonymen Leistung im Hinspiel und den vernichtenden Kritiken in der englischen Presse sichtlich um Abbitte bemüht – sein Flachschuss vom Strafraumeck strich nur einen Meter am Pfosten vorbei. Auf der anderen Seite gelang United fast die Vorentscheidung, aber Inters Schlussmann Júlio César reagierte glänzend.

Es dauerte wieder nur vier Minuten bis das 2:0 fiel

Nach der Pause kam Mailand mit neuem Schwung, übersah nach exakt vier Minuten jedoch abermals einen United- Spieler im eigenen Strafraum. Cristiano Ronaldo, der zuvor nur mit provozierendem Nonsens an der Seitenlinie auffiel, musste nach Wayne Rooneys Flanke den Ball nur noch mit Kopf zum 2:0 ins Netz verlängern. „You’re not special anymore“ (Du bist nichts Besonderes mehr) sangen die Anhänger der „Red Devils“ über José Mourinho, der an der Seitenlinie mit den Armen ruderte. In seiner Not wechselte Mourinho den dritten Stürmer ein. Der Brasilianer kam auch gleich zu Inters bester Torgelegenheit; sein Volleyschuss prallte aus Sicht der Gäste unglücklich vom Innenpfosten zurück ins Feld. Das Spiel war nun deutlich offener, wenn auch nicht wirklich hochklassig. César hielt noch einen Ronaldo-Freistoß, dann war ein Match vorbei, das United letztlich überraschend mühelos für sich entscheiden hatte können.

Sir Alex Fergusons Jagd nach dem „Quintupel“ (Ligapokal, Vereinsweltmeisterschaft, FA-Pokal, Meisterschaft und Premier League) geht mit dem Einzug ins Viertelfinale in die nächste Runde. Keine Mannschaft erreichte in der Champions League so oft das Viertelfinale wie Manchester. Ferguson, der Schotte, steuert in seiner vielleicht letzten Saison auf ein großes Finale zu. Und weder Freund noch Feind können ihm derzeit etwas anhaben.

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