Champions League : Perfekter Abend in Bremen

"Ich habe in Bremen immer einen auf den Sack gekriegt“, sagte Real Madrids Trainer Bernd Schuster schon vor dem Spiel. Und so kam es auch: Werders B-Elf bezwingt den spanischen Rekordmeister und ist wieder im Geschäft.

Stefan Hermanns
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Markus Rosenberg (l.) erzielte das frühe 1:0. -Foto: dpa

BremenDas Gefühl, vom Schicksal oder wem auch immer benachteiligt zu sein, gehörte lange Zeit Teil zum Selbstverständnis des SV Werder Bremen. Gerade zu Zeiten von Willi Lemke haben sich die Bremer in Abgrenzung zu den reichen Bayern wohlig eingerichtet in der Rolle des minderbemittelten Außenseiters. Gestern Abend lebte dieses Gefühl wieder auf. Mit einer besseren B-Mannschaft mussten sich die Bremer dem spanischen Großklub Real Madrid erwehren. Doch die missliche Personallage schien sie nur anzustacheln. 3:2 (2:1) gewann Werder gegen den spanischen Rekordmeister – und das vollkommen verdient. Am Ende feierten die 36 350 Zuschauer im Weserstadion einen perfekten Abend. Werder kann das Achtelfinale der Champions League wieder aus eigener Kraft erreichen, mit einem Sieg im letzten Gruppenspiel in Piräus.

Bremens Trainer Thomas Schaaf musste gestern unter anderem Torhüter Tim Wiese ersetzen, die beiden Mittelfeldstrategen Diego und Torsten Frings, dazu Stürmer Hugo Almeida, als vorerst Letzter hatte sich nach dem Abschlusstraining Tim Borowski dienstuntauglich abgemeldet. Für ihn rückte Aaron Hunt in die Startelf, der im Mai sein letztes Pflichtspiel für Werder bestritten hat und erst seit der vergangenen Woche wieder mit der Mannschaft trainiert. Doch damit nicht genug. Nach gerade fünf Minuten musste auch noch Clemens Fritz ausgewechselt werden.

Da aber hatte sich der Kurzeinsatz des Nationalspielers bereits bezahlt gemacht: In der vierten Minute flankte Fritz den Ball von der rechten Seite in Reals Strafraum, Boubacar Sanogo verlängerte mit dem Kopf, und Markus Rosenberg vollendete zum 1:0 für Werder. Sein Torschuss wirkte wie eine Verhöhnung all der teuren Fußballer in Madrids Diensten. Der Ball, von Rosenberg nicht richtig getroffen, hoppelte über Torhüter Casillas hinweg ins Tor.

Die Spanier offenbarten nur zeitweise ihre überragenden Fähigkeiten. In der 14. Minute konnte Bremens Innenverteidiger Naldo gerade noch vor Robinho klären, doch kaum hatten die Bremer einmal durchgeatmet, hatte Hunt den Ball in der Vorwärtsbewegung schon wieder verloren, Robinho nutzte die Leerstelle in Werders Viererkette und traf mit einem Schuss ins lange Eck zum 1:1.

In solchen Situationen zeigte sich die fußballerische Überlegenheit der Spanier, doch sie begnügten sich mit der latenten Kontrolle des Spiels, ohne konsequent den Sieg zu suchen. Das rächte sich. Naldo hatte schon zehn Minuten vor der Pause, im Anschluss an eine Ecke, mit einem Flachschuss ins kurze Eck die Chance zur Führung. Er scheiterte an Casillas. Kurz darauf folgte der zweite Auftritt von Markus Rosenberg – und diesmal hätten es selbst die Galaktischen seliger Zeiten nicht besser hinbekommen. In der eigenen Hälfte nahm der Schwede einen Ball per Kopf an, er ließ Gago im Laufduell hinter sich, überspurtete Christoph Metzelder und flankte auf Sanogo, der zum 2:1 vollendete.

Dass den Bremern eine aufregende zweite Hälfte bevorstehen würde, ahnten sie spätestens wenige Sekunden nach der Pause. Vander klärte mit dem Fuß gegen Ruud van Nistelrooy, der in der ersten Halbzeit nahezu unsichtbar geblieben war. Doch besser unsichtbar sein, als so auffallen wie in der 56. Minute: Nach einem Zuspiel von Robinho kam van Nistelrooy fünf Meter vor dem Tor frei zum Schuss – und klärte Richtung Eckfahne. Kurz darauf schien das Spiel entschieden, als Hunt nach einem langen Pass des starken Daniel Jensen den Ball an Casillas vorbei zum 3:1 ins Tor spitzelte. Doch nachdem Rosenberg die große Chance zum 4:1 vergeben hatte, gelang van Nistelrooy der Anschlusstreffer. 20 Minuten musste Werder noch überstehen.

„Ich habe in Bremen immer einen auf den Sack gekriegt“, hatte Reals deutscher Trainer Bernd Schuster zuvor gesagt. „Das war schon zu Ottos Zeiten so.“ Manches hat sich eben in Bremen seit Otto Rehhagels Zeiten nicht geändert. Dazu gehören auch Triumphe im Europapokal, in denen Werder eigentlich keine Chance hat.

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