Champions-League-Qualifikation : Sampdoria setzt gegen Bremen auf Cassano

Antonio Cassano galt als eines der größten Talente des italienischen Fußballs. Aber aus ihm wurde ein Spieler, dessen Trainingsunlust sein Image prägte. Doch jetzt präsentiert er sich so fit wie seit Jahren nicht mehr.

von und Tom Mustroph
Muskeln statt Fett. Genuas Antonio Cassano (links) feiert mit seinen Mannschaftskollegen einen Sieg in der italienischen Liga beim AS Rom.
Muskeln statt Fett. Genuas Antonio Cassano (links) feiert mit seinen Mannschaftskollegen einen Sieg in der italienischen Liga beim...Foto: AFP

Alles, was Kraft hat, möchte Sampdoria Genua im Duell gegen Werder Bremen aufbieten. Härtesten Muskeleinsatz versprach Sampdorias Kapitän Angelo Palombo einen Tag vor dem Spiel (20.15 Uhr, live bei Sat1 und Sky). Auch von dem wiedererstarkten Star des Teams, Antonio Cassano. Palombo setzt zudem auf die frenetische Unterstützung durch die Fans, die lange Schlangen bildeten, um ein Ticket für das Play-off-Rückspiel in der Qualifikation zur Champions League zu ergattern. Sampdoria hofft nach der 1:3-Niederlage im Hinspiel auf die defensiven Schwächen der Bremer, die diese beim 1:4 in der Bundesliga in Hoffenheim an den Tag gelegt haben.

Zudem hat bei den Bremern neben Naldo und Hugo Almeida nun auch noch Mittelfeldregisseur Aaron Hunt die Reise nach Genua wegen eines Infekts gar nicht erst angetreten. „Er fehlt mit seinen Aktionen, die ein Spiel leiten können“, sagte Trainer Thomas Schaaf über den Regisseur, der im Mittelfeld die Rolle von Mesut Özil übernommen hat. Auch noch nicht dabei ist Zugang Wesley, der am Sonntag aus Brasilien in Bremen angekommen ist.

Werder ist geschwächt, und schon im Hinspiel im Weserstadion hatte Genua einige Chancen. Vor allem Mittelstürmer Giampaolo Pazzini setzte sich mit einer knapp vergebenen Großchance, einem Pfostenschuss, einem Abseitstor und dem späten Anschlusstreffer kraftvoll in Szene. Doch gegen die „muskulösen Deutschen“, die die „Gazzetta dello Sport“ bewundernd ausmachte, war der Raum für Dribblings und Zauberpässe des Stars Antonio Cassano recht eng. „Er ist viel gelaufen. Aber es ist schwer gegen solch physisch starke Gegner“, sagte Palombo über seinen Kollegen.

Zuversicht gibt ihm und ganz Sampdoria, dass Cassano in den vergangenen Tagen Mikrofone und Kameras mied und sich stattdessen in die Trainingsarbeit stürzte. Wer ihn dabei beobachtete, konnte einen Berserker am Werk sehen. Schlank und beweglich wie seit Jahren nicht mehr präsentierte er sich.

Zur Figur des 17-jährigen Jünglings, der 1999 in seinem zweiten Profispiel für AS Bari Inter Mailands Abwehrrecken Laurent Blanc und Christian Panucci wie Slalomstangen umkurvte, sind ein paar Kilo Muskelmasse hinzugekommen. Das Tor damals habe sein Leben verändert, sagt Cassano. Aus ihm wurde das, was man in Deutschland „Millionario“ nennt – ein Spieler mit Skandalen und Skandälchen im Nachtleben, dessen Trainingsunlust sein Image prägte. Trotzdem schaffte er es bis zu Real Madrid.

Das Fett, das er sich während seiner missratenen Zeit dort mit Pizza, Bocadillos und Pasta auf die Rippen packte – „el Gordo“ (der Fette) pflegten ihn seine Mitspieler zu nennen –, ist längst abgebaut. Keine einzige Übungsstunde lässt er aus. „Cassano ist aufgeladen“, verspricht Palombo.

Doch ob dies reicht, ist fraglich. Erstmals nach seinem Scheitern bei Real lastet wieder Verantwortung auf Cassanos Schultern, der nach seiner Rückkehr auch beim Wiederaufbau der italienischen Nationalmannschaft eine tragende Rolle einnehmen soll. Die dreijährige Schonzeit, während der er in Genua zu sich selbst finden konnte, ist vorüber. Vom Dribbelkünstler aus Bari erwartet nun ganz Italien nicht mehr nur hier ein Kabinettsstückchen, dort einen Zauberpass und gleich darauf einen Scherz am Spielfeldrand, sondern Brillanz und Stehvermögen zugleich.

Und dafür sind neben Muskeln vor allem Nerven gefragt. Mit diesen Körperfasern ist Cassano nicht unbedingt gesegnet. Gut ist er, wenn die Lust ihn überkommt; nicht unbedingt dann aber, wenn er muss.

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