Champions League : Rom will sich gegen Bayern aus der Krise schießen

Erstes Gruppenspiel von Bayern München in der Champions League: Der AS Rom musste in der Liga eine herbe 1:5-Pleite einstecken und plagt sich mit der eigenen Befindlichkeit.

Tom Mustroph[Mailand]
Abgehoben. Matteo Brighi (in Rot) und seine Teamkollegen gingen in den ersten Saisonspielen etwas sorglos mir ihren Gegnern um.
Abgehoben. Matteo Brighi (in Rot) und seine Teamkollegen gingen in den ersten Saisonspielen etwas sorglos mir ihren Gegnern um.Foto: AFP

Seinen 31. Geburtstag hatte sich David Pizarro anders vorgestellt. „Ich wollte die Kerzen ausblasen und drei Punkte nach Hause nehmen“, erzählt der Mittelfeldspieler des AS Rom. Doch an seinem Ehrentag verlor die Mannschaft mit 1:5 bei Cagliari Calcio. „Wir müssen jetzt das Ruder herumreißen und uns in allergrößter Eile ändern“, meint Pizarro.

Die Zeit drängt beim AS Rom. Bereits am heutigen Abend (20.45 Uhr/Sat 1 und Sky) steht das erste Gruppenspiel der Champions League gegen den FC Bayern München an. „Ich will wieder das Feuer in euren Augen lodern sehen“, fordert Claudio Ranieri von seinen Spielern. Der Trainer des AS Rom appelliert vor allem an die Einsatzbereitschaft und den Kampfeswillen jedes Einzelnen. Beim 1:5 gegen Cagliari zeigte lediglich David Pizarro diese Qualitäten. Der Chilene war einer der Besten bei der demütigenden Niederlage. Wenn es ein wenig Ordnung im Spiel des AS Rom gab, dann ging diese von ihm aus. Pizarros Dribblings im Mittelfeld sorgten für etwas Ruhe. Seine Diagonalpässe öffneten wenigstens kurzzeitig einen Weg in Richtung Tor. Dass seine Mitspieler diesen Weg nicht erfolgreich beschreiten konnten, verdross Pizarro. „Wir hatten Angst“, analysierte er.

Viel eher als ängstlich war die Mannschaft aber überheblich. Der starke Schlussspurt in der vergangenen Saison, der beinahe mit dem italienischen Meistertitel gekrönt worden wäre, und die Verstärkungen in der Offensive – Adriano und Marco Borriello – hatten zu der Überzeugung geführt, dass in diesem Jahr nur der Titel das Ziel sein könne. Doch dann kam der doppelte Fehlstart. Dem 0:0 zum Auftakt gegen den Aufsteiger Cesena folgte die 1:5-Packung auf Sardinien. Die bestätigte zwar die vorher verkündete Meinung von Trainer Ranieri, dass das Saisonziel der Römer allenfalls Platz 3 oder 4 sein könne. Die Spieler fassten seinen Realismus jedoch als Defätismus auf. Als Ranieri in Cagliari beim Stande von 1:1 in Folge des gerade ausgesprochenen Platzverweises für Nicolas Burdisso ausgerechnet Kapitän Totti vom Feld nahm, signalisierte dies, dass er die Niederlage für unabwendbar hielt. Dass sie so hoch ausfiel, verstärkt die Schmerzen nur noch.

Die Ursache der sportlichen Krise liegt darin, dass die Römer ihre größte Qualität, die Kompaktheit, verloren haben. Zumindest haben die vergangenen Auftritte in der Liga diesen Eindruck entstehen lassen. „Im letzten Jahr haben sie nicht viel kreiert, aber auch wenig zugelassen. In diesem Jahr kreieren sie weiterhin wenig, kassieren aber viele Tore“, schrieb die römische Tageszeitung „Il Messaggero“.

Inzwischen ist der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft verloren gegangen. Waren die Römer über weite Teile der letzten Saison ein eingeschworenes Team, welches es trotz vergleichsweise wenig Geld, einem schlechten Start und wenig vorteilhaften Prognosen allen zeigen wollte, so stehen jetzt zuerst eigene Befindlichkeiten im Vordergrund. Trainer Ranieri will seinen Vertrag verlängern. Defensivmann Mexes pokert um mehr Geld. Adriano – nach überwundenen Muskelbeschwerden ist er zumindest im Aufgebot für die Reise nach München – ist noch immer sauer, dass man ihm Borriello vom AC Mailand vor die Nase gesetzt hat. Der Rest des Teams glaubte, dass mit den Verstärkungen im Angriff die Tore fast von allein fallen.

Dies ist ein Irrtum. Jetzt hofft David Pizarro auf eine Wiederholung der Ereignisse der letzten Saison. „Auch vor einem Jahr sind wir schlecht gestartet. Jetzt muss man nur einen Blick in die Augen der Spieler werfen, die das Trikot der Roma anhaben, um zu verstehen, dass wir uns wieder erheben werden“, meint Pizarro. Die Aufforderung des Trainers nach mehr Wildheit im Blick scheint auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein.

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