Champions League : Schalke vorweihnachtlich versöhnt

Durch den Einzug ins Achtelfinale der Champions League hat Schalke 04 seine Liga-Probleme vorerst ausgeblendet. Eine Spieler-Aktion nach dem Schlusspfiff irritierte dennoch.

Thomas Lipinski,Jörg Mebus
Schalke 04 Foto: ddp
"Wir sind ein Team": Schalkes Rafinha ( l.) und Zlatan Bajramovic halten die Trikots der suspendierten Schalker Spieler Mladen...Foto: ddp

GelsenkirchenDer millionenschwere Sieg stimmte milde, und auch die Pfiffe der Fans störten nur kurz die gute Stimmung bei Schalke 04. Als die Spieler nach dem 3:1 (3:1) gegen Rosenborg Trondheim demonstrativ die Trikots der suspendierten Disco-Tänzer Mladen Krstajic und Ivan Rakitic hochhielten, witterten nicht wenige auf den Rängen zunächst einen Affront. Doch nach dem erstmaligen Einzug ins Achtelfinale der Champions League hatten sich bei den Königsblauen alle wieder lieb.

"Geile Aktion"

"Dass da vielleicht irgendwas gegen mich produziert wurde, glaube ich in keinster Weise", sagte Trainer Mirko Slomka, der vor dem Spiel des Jahres Krstajic und Rakitic nach deren nächtlichem Ausflug in eine Duisburger Diskothek aus dem Kader geworfen hatte. "Die Geste war eindeutig. Die Mannschaft wollte zeigen: Ihr gehört zu uns." Auch Manager Andreas Müller, der die Strafe mitverhängt hatte, sprach von einer "geilen Aktion", die zeige, "dass die Jungs füreinander da sind".

"Wir haben uns vor dem Spiel bei den Teamkollegen entschuldigt. Ich kann mich nur bei der Mannschaft bedanken, dass sie gewonnen hat", meinte Rakitic und Kristajic ergänzte: "Die Trikotaktion hat gezeigt, dass wir alle zusammengehören, Vorstand, Trainer und die Mannschaft bis zum jüngsten Spieler."

Gegen Nürnberg alle Nachtschwärmer wieder dabei

Bei so viel zur Schau getragener Harmonie und Glückseligkeit wollten alle Beteiligten die "Dummheit" (Slomka) des Disco-Trios, zu dem auch der ohnehin gesperrte Jermaine Jones gehörte, schnell vergessen. Es werde noch eine vereinsinterne Geldstrafe geben, sagte Slomka und fügte mit Blick auf den feucht-fröhlichen und lautstarken Ausflug an: "Sie werden sich was einfallen lassen, vielleicht singen sie ja zusammen." In der Bundesliga gegen den 1. FC Nürnberg am Samstag werden alle wieder zum Kader gehören, deutete Müller an.

Dass der größte Erfolg der Vereinsgeschichte seit dem Uefa-Cup-Triumph 1997 ausgerechnet unter diesen außergewöhnlichen Umständen gelang, stimmte nur Kapitän Marcelo Bordon ein wenig nachdenklich. "Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir den Druck brauchen", meinte der Brasilianer: "Immer, wenn wir besonderen Druck haben, spielen wir gut."

In der Tat bewies der Vizemeister erneut, dass er seine besten Leistungen bringt, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht. Und dass Trainer Slomka immer dann einen wichtigen Erfolg vorweisen kann, wenn er besonders in Bedrängnis geraten ist. "Ich hoffe, dieser Sieg hat Signalwirkung für die Bundesliga", sagte der Coach, wohl wissend, dass mit dem Erreichen des ersten Saisonzieles längst noch nicht alle seine Probleme gelöst sind.

Kuranyi stolz auf das Geleistete

Doch an diesem denkwürdigen Abend wollte sich niemand ernsthaft mit den Schwierigkeiten in der Bundesliga auseinandersetzen. Die Gedanken gingen in eine ganz andere Richtung. "Wir haben etwas Historisches geschafft", meinte Kevin Kuranyi, der mit seinem entscheidenden Tor zum 3:1 (36.), seinem sehenswerten Doppelpass mit Rafinha vor dessen 2:0 (19.) und einer insgesamt überzeugenden Leistung maßgeblich zum Erfolg beigetragen hatte. "Dass wir als einzige deutsche Mannschaft weitergekommen sind, macht uns stolz. Ich hoffe, das macht auch die Deutschen stolz", sagte der Nationalstürmer.

Die Aussicht auf einen prominenten Gegner wie Real Madrid, den FC Barcelona, Titelverteidiger AC Mailand oder Manchester United im 100. Europapokalspiel der Vereinsgeschichte am 19./20. Februar und zusätzliche Einnahmen in Höhe von zwölf Millionen Euro hatten die Königsblauen vor 53.951 Zuschauern in der ausverkauften Arena vor allem einer ganz starken Anfangsphase zu verdanken. "Wenn wir immer so spielen würden, wären wir deutscher Meister, Champions-League-Sieger und DFB-Pokalgewinner", behauptete Kuranyi, "aber Fußball ist verrückt, es geht nicht immer so." (sid)

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