Champions League : Schneechaos in Istanbul: Galatasaray erreicht Achtelfinale

Im Winterchaos von Istanbul zieht Galatasaray Istanbul ins Achtelfinale der Champions League ein. Ein später Treffer von Wesley Sneijder entscheidet die am Vortag abgebrochene Begegnung gegen Juventus Turin.

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Wesley Sneijder (zweiter von rechts) schoss in der 85. Minute für Galatasaray das Siegtor.
Wesley Sneijder (zweiter von rechts) schoss in der 85. Minute für Galatasaray das Siegtor.Foto: afp

So etwas passiert im Zeitalter der Globalisierung des Spitzenfußballs und des perfektionierten Sportzirkus nicht alle Tage: Nachdem das Champions-League-Spiel von Galatasaray Istanbul gegen Juventus Turin am Dienstagabend wegen schweren Schneefalls abgebrochen und auf den Mittwochnachmittag verschoben werden musste, ergab sich in der Nacht ein akutes Problem. Die Schiedsrichter und die Gäste aus Italien waren mit nur einem Satz Trikots angereist, die nach 31 Spielminuten völlig durchnässt waren.

Funktionäre von Gastgeber Galatasaray klingelten deshalb zur späten Stunde die Belegschaft einer Istanbuler Schnellreinigung aus den Betten, um die Trikots waschen zu lassen. Doch die Gastfreundschaft der Türken hatte Grenzen: Bei der Fortsetzung des Spiels siegte Galatasaray 1:0 und warf Turin damit aus der Champions League. Der Zustand des Spielfelds in Istanbul dürfte allerdings noch für Gesprächsstoff sorgen.

Nach einer Platzbesichtigung am Mittwochmittag hatten Uefa-Vertreter entschieden, das Spiel wieder anpfeifen zu lassen. Doch als die Partie nach dem 0:0 vom Vorabend fortgesetzt wurde, setzte der heftige Schneefall am Bosporus wieder ein. Das Stadion-Dach, das in der erst vor drei Jahren gebauten Türk-Telekom-Arena noch nie richtig funktioniert hat, war auch diesmal wieder offen geblieben, die Rasenheizung versagte wie schon am Dienstagabend.

Die Folge war ein über weite Strecken bizarr anmutendes Gekicke. Das Spielfeld war so aufgeweicht, dass der Ball häufig unerwartet stecken blieb – selbst Flachpässe auf kurze Distanz wurden zum Risiko. Bei jedem Schritt der Akteure spritzte das Wasser hoch. Von einem Rasen konnte auf großen Teilen des Platzes kaum gesprochen werden; in einer Hälfte zog sich ein breiter brauner Matschstreifen von der Mittellinie bis zum Strafraum. Hin und wieder fielen Schneeblöcke vom Stadiondach und zerschellten auf dem Spielfeld.

Die Spieler von Galatasaray wussten beim Wiederanpfiff schon, dass sie unabhängig vom Ergebnis weiter in Europa mitmischen würden: Der dritte Gruppenrang und damit ein Platz in der Europa League war ihnen nach dem Sieg von Real Madrid gegen den FC Kopenhagen am Dienstag sicher.

Vielleicht wirkte dieses Vorwissen gemeinsam mit den äußeren Bedingungen wie eine Bremse für das Engagement. Das Spielgeschehen glich zeitweise dem Vorstadt-Gebolze an einem Sonntagnachmittag. Torgefährliche Situationen waren selten und ergaben sich, wenn überhaupt, meistens aus Stadardsituationen wie Freistößen oder Eckbällen.

Erst gegen Ende des Spiels, als die Kraft der Istanbuler sichtlich nachließ, ergaben sich einige klare Chancen für die Turiner. Sie scheiterten jedoch am Istanbuler Towart Fernando Muslera oder am unberechenbaren Geläuf.

Als Wesley Sneijder dann in der 85. Minute nach Vorarbeit durch Didier Drogba das 1:0 für Galatasaray erzielte, wirkten er und seine Mannschaftskameraden deshalb mindestens ebenso überrascht wie erfreut. Wenige Minuten später wäre den Istanbulern gegen die weit aufgerückten Gegner fast noch das 2:0 gelungen.

Auf die Schneeschlacht am Bosporus waren nicht nur die Turiner schlecht vorbereitet – auch die Istanbuler wurden überrumpelt, obwohl die Schneefälle tagelang vorher angekündigt worden waren. Im dichten Schneegestöber vom Dienstagabend standen die wenigen Helfer, die mit hölzernen Schneeschiebern versuchten, den Platz freizumachen, auf verlorenem Posten. Modernes Stadionmanagement sieht anders aus.

„Skandal in der Arena“, titelte die Zeitung „Milliyet“ deshalb am Mittwoch. Sportkolumnist Ugur Meleke schimpfte über die „Schande“: Der portugiesische Schiedsrichter Pedro Proenca habe beim Spielabbruch vor allem an die eigene Karriere gedacht, weil er kurz vor der WM in Brasilien kein Risiko mehr eingehen wollte. Beschämend sei auch das Versagen von Gastgeber Galatasaray, der keine wirksamen Vorkehrungen ergriffen habe.

Die Sportzeitung „Fanatik“ merkte an, die schlechte Vorbereitung sei bedenklich für einen Klub, der sich zum Ziel gesetzt habe, in die Gruppe der zehn besten Mannschaften Europas aufzusteigen. Selbst die roten Bälle für das Spiel im Schnee seien zu spät geliefert worden, kritisierte „Fanatik“, und fasst sein Urteil in einem einzig Wort zusammen: „Tragisch.“

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