Champions League : Spaziergang in München

Manchester United geht gelassen in das Champions-League-Spiel gegen die Bayern, nicht nur wegen der Erinnerungen an 1999.

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Bleibt der Beste auf der Bank? In England gehen Gerüchte um, dass Wayne Rooney (Mitte) sogar geschont werden soll.
Bleibt der Beste auf der Bank? In England gehen Gerüchte um, dass Wayne Rooney (Mitte) sogar geschont werden soll.Foto: AFP

LondonRyan Giggs konnte es vergangene Woche gar nicht glauben, als ihn jemand mit den Zahlen der Vergangenheit konfrontierte. Der 36-jährige Waliser war ja schon 1999 dabei, als Manchester United in Barcelona „das dramatischste Endspiel aller Zeiten“, wie Trainer Alex Ferguson es nennt, gewann. „Das war eine der schönsten Nächte meines Lebens“, sagte Giggs, „der Trip nach München wird viele schöne Erinnerungen wecken.“ Ob der ganzen Nostalgie hatte nicht nur Giggs jedoch vergessen, dass die Bilanz des Englischen Meisters gegen die Münchner ziemlich negativ ist. In sieben Spielen konnte man nur einmal gewinnen – damals in Camp Nou, Barcelona, als man den Bayern diese schmerzvolle Niederlage im Champions-League-Finale zufügte. „Das überrascht mich ein wenig“, sagte Giggs. „Es zeigt aber, wie knapp es gegen die Bayern immer war.“

Ob diese Lobeshymnen allein aus dem Willen heraus entstehen, Manchesters Favoritenstatus vor dem heutigen Viertelfinal-Hinspiel der Champions League in München (20.15, live bei Sat1 und Sky) herunterzuspielen, bleibt Giggs’ Geheimnis. Jedenfalls war auch Sir Alex Ferguson vor der Partie voll des Lobes für den Gegner. Dem Schotten imponiert bis heute, wie fair sich die Bayern nach der bitteren Niederlage 1999 verhielten. „Meine Güte, man musste schon ein wenig Mitleid mit ihnen haben“, sagte der 68-Jährige, „die lagen alle auf dem Boden, der Schiedsrichter musste ihnen aufhelfen.“ Ferguson reiste ein Jahr später nach München, um ein Spiel der Glasgow Rangers zu sehen und staunte, als der Verein ihn vom Flughafen abholte und später zum Essen einlud. „Ich saß mit Ottmar Hitzfeld am Tisch. Im Nebenraum waren die Spieler. Einer nach dem anderen kam, um mir die Hand zu schütteln“, erinnert sich Ferguson. „Ich fand, dass das sehr nett war.“

Nett war der Chef der Red Devils im Vorfeld übrigens auch zu Franck Ribéry und Arjen Robben. „Ich mag Ribéry sehr. Ich weiß nicht, ob er so gut wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo ist, aber er ist ein guter Spieler.“ Dass Ferguson den Bayern am Dienstag wirklich ein Angebot für den Franzosen unterbreiten wird, wie der „Sunday Express“ berichtete, glaubt allerdings auf der Insel niemand. United wird von den britischen Medien selbstverständlich als Favorit gesehen, besonders jetzt, da Robben wohl ausfällt. „Er ist ein Spieler, der uns entwischt ist“, sagte Ferguson. „Wir waren 2004 nahe dran, ihn vom PSV Eindhoven zu kaufen, doch der hatte damals einen Kooperationsvertrag mit Chelsea. Er ist sehr talentiert.“

Der Trainer glaubt, dass seine Außenverteidiger der bayerischen Gefahr gewachsen sein werden und ist überzeugt, dass sein Team in der Offensive noch stärker als die Deutschen ist: „Wichtiger wird sein, was Ribéry und Robben – falls er denn spielt – machen, wenn wir den Ball haben“. So zuversichtlich ist man im United-Lager, dass am Montag sogar das Gerücht die Runde machte, der derzeit beste Spieler der Premier League, Wayne Rooney, könnte für das vorentscheidende Meisterschaftsspiel gegen Chelsea am Samstag geschont werden. Kapitän Gary Neville glaubt nicht daran. „Rooney will jede Minute am Tag Fußball spielen“, sagt er.

Der 24 Jahre alte Stürmer spielt in der Tat die Saison seines Lebens, 33 Mal hat Rooney bereits getroffen. Nach dem Wechsel von Cristiano Ronaldo zu Real Madrid im Sommer muss er nicht mehr auf die Flügel ausweichen – Ferguson wusste, dass der eitle Portugiese in der Rückwärtsbewegung nur bedingt zu gebrauchen war. Nun darf sich Rooney in der Zentrale auf das Wesentliche konzentrieren. Ohne die vielen schweißtreibenden Sprints an der Außenlinie ist der Nationalspieler abgeklärter, effektiver vor dem Tor. „Er arbeitet jeden Tag in Extraschichten an seinen Laufwegen“, erzählt Ferguson.

Ebenfalls in bestechender Form präsentiert sich der Süd-Koreaner Ji-Sung Park in einer neuen Rolle als hängende Spitze. Die flinken Außenstürmer Antonio Valencia und Nani darf man auch nicht vergessen. Die erschreckende Zwangsläufigkeit, mit der United momentan Spiele gewinnt, könnte am Dienstag vielleicht das größte Problem für die Münchner sein: Im Gegensatz zu den Bayern sieht der Englische Meister die Partie keineswegs als Spiel des Jahres an. Eher rechnet man mit einem recht vergnüglichen Zwischenstopp. Auf dem Weg ins dritte Finale hintereinander.

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