Sport : Champions League: Verlieren und verdienen

Vorhang auf zum "Geldbeschaffungs-Cup" 2000/2001: Nichts hat sich geändert an der Champions League, wieder wird es 157 Spiele geben, wieder ist eine Milliarde Mark zu verdienen und wieder werden dank des Fernsehtopfes die deutschen Vereine mehr verdienen als alle anderen. Im letzten Jahr kassierte der deutsche Meister und Halbfinalist Bayern München mit 54 Millionen Mark (ohne Eintrittskartenverkauf) knapp eine Million Mark mehr als Champions League-Sieger Real Madrid. Dies liegt an der Bedeutung des deutschen TV-Marktes, der höher zu bewerten ist als alle anderen in Europa.

Die 50 Millionen Mark - also mindestens die Halbfinal-Teilnahme - streben die Bayern wieder an. Bescheidener ist da der Hamburger SV. Er ist froh, 17 Jahre nach dem Gewinn des Europapokals der Landesmeister überhaupt wieder in dem Wettbewerb anzutreten, in dem es am meisten zu verdienen gibt. 1,8 Millionen Mark erhalten die Hamburger für die Qualifikation und 3,6 Millionen Mark Auflaufprämie für die sechs Spiele der ersten Gruppenphase. Mit jedem Sieg kommen weitere 600 000 Mark auf das HSV-Konto, mit jedem Unentschieden die Hälfte. Im Idealfall hätte der Debütant in der Champions League mit sechs Siegen also neun Millionen Mark auf dem Konto - dazu die Einnahmen aus den Eintrittskarten und jene aus den Fernsehgeldern - die bei Leverkusen und Hertha BSC Berlin im letzten Jahr allein 17 Millionen Mark ausmachten.

Bei sechs Siegen wäre der HSV automatisch in der zweiten Gruppenphase, bekäme wieder 3,6 Millionen Mark, um die Flüge zu den Auswärtsspielen bezahlen zu können, bekäme erneut 600 000 Mark für einen Sieg und so weiter. Die Viertelfinalteilnahme bringt 4,8 Millionen Mark, die Halbfinalteilnahme sechs Millionen, und dem Verlierer des Endspiels winken 7,2 Millionen Mark.

"The winner takes it all" stimmt bei der Champions League zwar nicht - angesichts des Solidarprinzips erhält jeder europäische Verband mindestens 360 000 Mark - aber der Sieger nimmt genug: Zwölf Millionen überweist ihm die Europäische Fußball-Union (Uefa). Um diese Summen zu erwirtschaften, muss die europäische Konföderation TV-Anstalten und Sponsoren erhebliche Zugeständnisse machen. So bleibt der Mittwoch als Spieltag "geschützt". Weder vor noch zeitgleich mit den Champions-League-Spiele dürfen andere Spiele (Uefa-Cup) stattfinden. Den Sponsoren muss eine europaweite Werbefläche garantiert werden, weshalb der Vorstoß des FC Bayern, die Spiele schon um 20 Uhr beginnen lassen zu dürfen statt um 20.45 Uhr, abgelehnt wurde.

Für Deutschland ist neu, dass alle Spiele im Pay TV übertragen werden und der Kunde von Premiere World dienstags und mittwochs jeweils zwischen acht Spielen wählen kann - vier davon auch mit deutschem Kommentar. Im frei empfangbaren Fernsehen wird RTL mittwochs ein Spiel live übertragen. Die Zuschauer konnten abstimmen, ob sie den FC Bayern oder den HSV sehen wollen. Der Meister zog den Kürzeren.

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