Champions League : VfL Wolfsburg nach 1:0 gegen KAA Gent im Viertelfinale

Ohne Glanz, aber letztlich souverän - der VfL Wolfsburg steht unter den besten acht Teams Europas. Möglicher Gegner dort: Real Madrid.

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Fuß hoch! Luiz Gustavo gibt im Zweikampf mit Brecht Dejaegere eine gute Figur ab.
Fuß hoch! Luiz Gustavo gibt im Zweikampf mit Brecht Dejaegere eine gute Figur ab.Foto: dpa

Am Ende wurde doch noch richtig gejubelt. Ein Dribbling von Julian Draxler plus scharfer Hereingabe, eine platzierte Direktabnahme von André Schürrle in der 74. Minute: Fertig waren der 1:0 (0:0)-Heimsieg und der Höhepunkt in der Europapokalgeschichte des VfL Wolfsburg. Eine Kombination der beiden Weltmeister im Team des Vizemeisters ebnete endgültig den Weg in das Viertelfinale der Champions League. Die Begegnung vor 23.457 Zuschauern in der nicht ausverkauften Wolfsburger Arena auf mäßigem Niveau wird aber niemanden so richtig nervös gemacht haben. Der kleine Klub aus Gent, der mit Abstand größte Außenseiter in der K.o.-Runde, entpuppte sich als viel zu harmlos, um Wolfsburg noch ärgern zu können.

"Das ist sensationell. Daran hätten wir zu Beginn der Saison nicht geglaubt", sagte Manager Klaus Allofs und fügte hinzu: "Es war aber ein seltsames Spiel. Wir haben es am Anfang nicht hinbekommen und zu verhalten gespielt. Da wollten wir nicht in einen Konter laufen."  

Eine gute halbe Stunde hatte es gedauert, bis Dieter Hecking anfing, zu rudernden Armbewegungen anzusetzen. Der Wolfsburger Cheftrainer wollte seinem Team signalisieren, dass es auf dem Weg in die nächste Runde der Königsklasse ruhig ein wenig mehr Elan und Einsatzwillen sein dürfen. Vielleicht hat es am komfortablen Vorsprung durch den 3:2-Erfolg im Hinspiel gelegen. Vielleicht war die Gegenwehr des Gastes auch so bescheiden, dass beim VfL einfach keiner die Notwendigkeit sah, mehr als nötig zu tun. Die fade Partie war bis zu Schürrles Siegtreffer bloß dahingeplätschert. Große Fußballabende, für die man bei Temperaturen knapp über Null gegen Bezahlung gerne ins Stadion pilgert, sehen anders aus. 

Zu den besten Männern auf dem Platz zählte - und das war bezeichnend - ein Kenner des belgischen und des niedersächsischen Fußballs. Dante spielte in der Innenverteidigung des VfL seine ganze Routine aus und hatte zwischenzeitlich sogar noch Zeit, sich am Offensivspiel zu beteiligen. Der Brasilianer hat seine europäische Karriere beim belgischen Klub Standard Lüttich begonnen, ehe er über die Stationen Borussia Mönchengladbach und Bayern München in Wolfsburg gelandet ist. Ihn im Alter von 32 Jahren und in Abwesenheit des verletzten Naldo zum Chef der VfL-Abwehr zu erklären, war im Duell mit dem Gast aus Gent frei von jedem Risiko. Dante konnte es sich sogar erlauben, ein wenig Hacke und Spitze zu zeigen, während er die gegnerischen Stürmer ins Leere laufen ließ. 

Die Wolfsburger erstickten jedes Risiko schon im Keim

Man darf gespannt darauf sein, wie das Echo auf dieses Spiel bei den Fans deutlich erfolgsverwöhnterer Vereine ausfällt. Von Madrid aus, wo sich Real nach einem 2:0 im Rückspiel gegen den AS Rom ebenfalls für das Viertelfinale qualifizierte, muss das Kräftemessen zwischen Wolfsburg und Gent wie zu vernachlässigender Kleinkram ausgesehen haben. Aber der VfL und Hecking dürfen für sich in Anspruch nehmen, nach dem guten Auftritt im Hinspiel jedes Risiko im Keim erstickt zu haben. Es mag langweilig ausgesehen haben, wie das Weiterkommen besiegelt worden ist. Andersherum wird von einer echten Spitzenmannschaft, und eine solche will Wolfsburg langfristig sein, auch erwartet, dass sie kühl agiert und nach Belieben dominiert. 

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Abseits des Wolfsburger Rasens gab es einen grundlegenden Dämpfer zu beklagen. Die Betriebsversammlung von Volkswagen, der den VfL besitzt und bezahlt, ließ im Vorfeld der Partie mit düsteren Aussichten grüßen. Konzernchef Matthias Müller hatte mehr als 20 000 Mitarbeiter auf unangenehme Folgen der Abgasaffäre von VW eingestuft. Das Sportsponsoring droht arg gekürzt zu werden, was zunächst Erstligist Schalke 04 und Zweitligist 1860 München zu spüren bekommen, weil deren Geldzufluss in Kürze eingestellt wird. Der VfL Wolfsburg kann seinen Anspruch auf weitere Unterstützung damit rechtfertigen, dass er derzeit zu den acht besten Mannschaften in ganz Europa zählt.

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