Champions League : VfL Wolfsburg: Rausch gegen Real Madrid und in der Liga?

Wolfsburg soll und kann den Sieg gegen Real Madrid genießen. Aber: Niemand möge vergessen, dass es sich um einen mit dreistelligen Millionenbeträgen gepamperten David handelt. Ein Kommentar.

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Das teuerste Team aus Niedersachsen obenauf. Wolfsburgs Ricardo Rodriguez (2.v.r.) jubelt nach dem verwandelten Elfmeter zum 1:0 mit seinen Teamkollegen.
Das teuerste Team aus Niedersachsen obenauf. Wolfsburgs Ricardo Rodriguez (2.v.r.) jubelt nach dem verwandelten Elfmeter zum 1:0...Foto: dpa/Jaspersen

Natürlich war auch ein bisschen Glück dabei. Cristiano Ronaldo stand bei seinem schnellen und zu Recht aberkannten Tor so knapp im Abseits, dass es manchmal durchgeht, und auch den  Elfmeter auf der anderen Seite pfeift nicht jeder Schiedsrichter. Aber wer will schon ernsthaft bestreiten, dass dieser 2:0-Sieg des VfL Wolfsburg über Real Madrid verdient war? Das Viertelfinale der Champions League hat seine erste Sensation, sie könnte am kommenden Dienstag ihre Fortsetzung finden mit dem Einzug unter die besten vier Mannschaften Europas.

Am Mittwoch hat nicht nur Leidenschaft über Routine triumphiert, es hat auch die an diesem Tag bessere Fußball-Mannschaft gewonnen. Wolfsburg hatte mehr Torchancen und eine Spielidee. Madrid hatte nur sich selbst. Natürlich verfügt Real über erheblich mehr individuelle Qualität, aber das ist im Mannschaftssport Fußball nicht immer entscheidend. Man kann es sich nun einfach machen und ein kleines Fußball-Märchen feiern, Madrider Überheblichkeit geißeln und Wolfsburger Leidenschaft preisen. Alles richtig, denn Goliath beugt sich David für gewöhnlich nur in der Bibel.  

Die Geschichte des Wolfsburger Feiertages ist auch eine des Versagens im Alltag

Wolfsburg soll und darf diesen Sieg genießen. Aber niemand möge im Rausch einer außergewöhnlichen Nacht doch bitte vergessen, dass es sich im konkreten Fall um einen mit dreistelligen Millionenbeträgen gepamperten David handelt. Er hat seine Steinschleuder am Mittwoch virtuos gehandhabt, aber wo hat er sie im Alltag versteckt? Wenn es nicht gegen Ronaldo, Kroos oder Benzema geht, sondern gegen Kramaric, Stendera oder Yurschenko? Wo ist der gegen Real so grandiose Julian Draxler, wenn er in Frankfurt spielt oder in Leverkusen?

Vor einem Jahr hat sich die Fußballabteilung des zweitgrößten  Automobilkonzerns der Welt als ernsthafter Herausforderer des FC Bayern München feiern lassen. Sechs Spieltage vor dem Ende dieser Saison steht der VfL Wolfsburg auf Platz acht, immer noch mit theoretischen Chancen auf die Champions-League-Qualifikation, aber mit gerade halb so viel Punkten, wie sie die Konkurrenz aus München gesammelt hat.

Die Geschichte des Wolfsburger Feiertages ist auch eine des Versagens im Alltag. Ja, der Verlust von Kevin De Bruyne wog schwer. Doch wie viel fußballtechnische Qualität immer noch in dieser Mannschaft steckt, das hat sie am Mittwoch gezeigt. Warum davon Woche für Woche so wenig zu sehen ist, das werden sie beim VfL intern aufarbeiten müssen. 

Und dann in Madrid gewinnen!

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