Champions League : VfL Wolfsburg scheitert knapp in Manchester

Gut gespielt, aber es reicht eben doch nicht. Der VfL Wolfsburg verliert bei Manchester United nach Führung noch 1:2.

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Nationalspieler unter sich. Bastian Schweinsteiger fürchtet sich vor Max Kruses Kopfball.
Nationalspieler unter sich. Bastian Schweinsteiger fürchtet sich vor Max Kruses Kopfball.Foto: dpa

Dieser unschöne Moment, in dem ihnen der nötige Schwung und der Mut abhanden gekommen waren, ließ sich leicht einkreisen. Ein Zuspiel per Hacke von Juan Mata auf den Torschützen Chris Smalling hatte dem VfL Wolfsburg die Show gestohlen. Gut gespielt, durch Daniel Caligiuri (5. Minute) zügig in Führung gegangen und am Ende knapp gescheitert: Die 1:2 (1:1)-Niederlage des deutschen Vizemeisters bei Manchester United, dem Favoriten in der Gruppe B der Champions League, tat angesichts ihrer Umstände ganz besonders weh.

Erst durfte Mata einen von Caligiuri verursachten Handelfmeter zum 1:1 (34.) verwandeln. Und dann griff der Spanier auch noch ganz tief in die Trickkiste, um Smalling in der 52. Minute den Siegtreffer zu ermöglichen. Die Wolfsburger durften bis zur allerletzten Minute von einem Teilerfolg träumen. Aber am Ende reichte es im Theater der Träume, wie das Old Trafford-Stadion in Manchester genannt wird, doch nicht zu mehr. "Wir haben es gut gemacht und mutig genug gespielt", sagte der Wolfsburger Manager Klaus Allofs im ZDF. Dieter Hecking sah die Leistung kritischer: "International darfst du dir keine Fehler leisten. Wir müssen daraus Lehren ziehen", sagte der VfL-Trainer.

Es war ein sportives Wiedersehen mit Bastian Schweinsteiger, bei dem alte Freundschaften nur bedingt erneuert worden sind. Der vom FC Bayern München nach Manchester gewechselt Nationalspieler ist beim aktuellen Tabellenführer der Premier League als Führungsspieler eingeplant – und war entsprechend bemüht, von Beginn an Akzente zu setzen.

Hier ein Foul an Foul Max Kruse, dort ein Tritt gegen Maximilian Arnold, das mit der Gelbe Karte bestraft wurde: Schweinsteiger trat als aggressiver Störer und Ballverteiler auf, ohne zu glänzen. Die Fans von ManU spendeten ihm immer wieder besonders lauten Applaus. Aber sie mussten eben auch mit ansehen, wie ihr neuer Liebling, der in Minute 72 ausgewechselt wurde, und dessen Team auch an Grenzen stießen. Die Wolfsburger ließen sich von der besonderen Atmosphäre vor 70.000 Zuschauern nicht einschüchtern und hielten munter dagegen. 

Wolfsburg führt früh - und verliert am Ende doch

Exakt sechs Jahre nach ihrem ersten Anlauf in der Champions League und einem verlorenen Auswärtsspiel (1:2) bei Manchester United wollte der aktuelle Vizemeister dieses Mal vieles besser machen. Und die frühe Führung durch den unermüdlich antreibenden Caligiuri hatte signalisiert, dass das aktuelle VfL-Team mutiger und reifer auftreten kann als die Meisterelf von 2009.

„Wir sind nicht in Manchester, um nur zu gucken und zu staunen“ – mit diesen Worten war Wolfsburgs Cheftrainer Dieter Hecking in Old Trafford angetreten. Er hatte seine Anfangself im Vergleich zu den jüngsten Bundesligaspielen verändert und statt des offensiven Andre Schürrle lieber mit Arnold einen weiteren Abräumer vor der Abwehr aufgestellt. Angesichts des enormen Drucks, den Gastgeber Manchester nach dem 0:1 entwickelte, war dieser Schachzug mehr als verständlich. 

Auf der Suche nach Typen, die in der Champions League herausragen und sich ein Krönchen im europäischen Spitzenfußball verdienen, traten an diesem stimmungsvollen Mittwochabend in Manchester zwei interessante Kandidaten auf. Im United-Team bestätigte der erst 19 Jahre alte Franzose Anthony Martial, warum ManU für ihn mehr als 50 Millionen Euro Ablöse an den AS Monaco überwiesen hat. Der wuchtige Mittelstürmer narrte die Wolfsburger Innenverteidiger Naldo und Dante vor allem bei schnellen Dribblings.

Auf der Gegenseite war es im Team des VfL Caligiuri, der Akzente setzen konnte. Cali who? Die britischen Fans werden den Namen des ehemaligen Freiburgers mit Sicherheit noch nie gehört haben. Aber weil der agile Mittelfeldspieler nicht nur das 1:0 erzielt, sondern mit einem Handspiel auch das 1:1 ermöglicht hatte, blieb er natürlich in Erinnerung. Caligiuri verdiente sich wie so oft einen Preis für seinen enormen Fleiß. Aber ihm und Arnold, der viele Zweikämpfe gewann, aber auch so manchen taktischen Fehler beging, fehlte es an der nötigen Erfahrung und Klasse, um Manchester dauerhaft in Verlegenheit zu bringen.

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