Sport : Champions League: Wehmütiger Sieger

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Die Freude wollte er zuerst mit dem Trainer teilen. Gerade hatte Michael Ballack den wichtigen ersten Treffer gegen den FC Liverpool erzielt, da umkurvte der Nationalspieler seinen auf ihn zustürzenden Teamkollegen Zoltan Sebescen, lief direkt auf Klaus Toppmöller zu und sprang ihm in die Arme.

Normalerweise jubelt der Mittelfeldmann mit seinen Mitspielern, an diesem Abend jedoch sah er sich genötigt zur psychologischen Aufbauarbeit. "Der Trainer hat den ganzen Tag so nachdenklich gewirkt auf die Mannschaft", erzählte Ballack später, als alles vorbei war. Jeder Spieler habe Toppmöller angesehen, dass ihm die aktuelle Meldung über den wahrscheinlichen Weggang des Brasilianers Ze Roberto nach München, Barcelona oder zu einem italienischen Klub sehr schmerze.

So viel Einfühlungsvermögen wird dem in der Öffentlichkeit oft für einen Schnösel gehaltenen Ballck nur von wenigen zugetraut. Seine Beobachtung war jedenfalls richtig. Tatsächlich hatte Klaus Toppmöller vor dem Spiel ein Gefühl von Wehmut befallen. "Wer mich kennt, der weiß, dass ich sehr emotional reagiere", sagte der Gemütsmensch aus der Pfalz. Ballack geht nach München, Ze Roberto vielleicht auch, "und wer weiß, was der Lucio macht".

Mit den noch frischen Eindrücken des dramatischen Spiels gegen Liverpool im Kopf fiel es Toppmöller schwer, an die Zukunft zu denken. Nämlich daran, dass er mit dieser Mannschaft in der nächsten Saison nicht mehr arbeiten wird. Er würde am liebsten mit exakt diesem Kader weiterarbeiten. "Normalerweise kauft ein Verein in einer solchen Situation noch Spieler dazu, aber leider können wir das nicht bewerkstelligen", sagte Toppmöller. "Aber natürlich kann ich es keinem verübeln, wenn er woanders eine sportliche Herausforderung sucht.".

Gleichzeitig wirkte Toppmöller fast gerührt angesichts der im harten Profifußball an sich nicht vorhandenen Sensibilität seiner Spieler. "Die haben schon ein feine Antenne", sagte der Trainer und berichtete von einer "unheimlichen Kommunikation" zwischen Trainer und Spielern. Es war, als hätte Fritz Walter über die Helden von Bern und Sepp Herberger gesprochen. Dass es so etwas noch gibt.

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