Champions League : Werder ohne Gefühl

Werder Bremen beklagt fehlenden Enthusiasmus. Passend zur schlechten Stimmung trat Klaus Allofs in schwarzem Anzug, schwarzer Krawatte und schwarzem Hemd in der kühlen Nacht zur Generalabrechnung an.

Frank Hellmann

Bremen„Ich habe das Champions-League-Gefühl hier vermisst“, sagte der 51-jährige Allofs, „so einem Gegner muss man stärker auf den Zahn fühlen“. Und? „Man muss die Zahl der Chancen multiplizieren und so eine Mannschaft schlagen!“ Werder Bremens Sportchef, gemeinhin ein Mann des Ausgleichs, wirkte tief enttäuscht nach dem blamablen 0:0 zum Champions-League-Auftakt gegen den Neuling Anorthosis Famagusta. Ihm gefiel es auch nicht, dass Wortführer wie Torsten Frings und Per Mertesacker das Versagen schönredeten, indem beide mit der mangelnden Torausbeute argumentierten. „Ich habe die Geilheit auf das Tor vermisst. Wir haben gedacht, Routine und Geduld reicht.“ Das langt vielleicht gegen Energie Cottbus, aber schon die Kicker von der Mittelmeer-Insel schienen taktisch-technisch längst besser geschult als der Bundesligaletzte. Daher betonte Allofs: „Wir müssen messerscharf analysieren, dass es so für die Champions League nicht ausreicht.“

Thomas Schaaf begründete in seinen kargen Ausführungen wechselweise, es habe „der Schuss Entschlossenheit“ oder „die letzte Entschlossenheit“ gefehlt. Grundsätzliche Zweifel – etwa explizit an der Klasse seiner vier eingesetzten Angreifer – ließ der 47 Jahre alte Trainer nicht zu. Dabei ist in Wahrheit die individuelle Mängelliste lang und in Einzelfällen Besorgnis erregend. Schon der Bundesliga-Start – fünf Punkte aus vier Spielen – ist mit stotternd noch milde beschrieben. Nationalspieler Clemens Fritz („Es war ein Scheißtag“) fehlen seit Wochen Form und Selbstvertrauen, Auswahlkollege Frings („Uns fehlt der Killerinstinkt“) scheint seit den drei Knieoperationen des Vorjahres ein Großteil der Dynamik abhanden gekommen. Wenn dann die eigentlichen Schwungräder Diego (zu verspielt) oder Daniel Jensen (zu selten präsent) nicht funktionieren, Stürmer wie Markus Rosenberg (glücklos) oder Claudio Pizarro (hilflos) keinen guten Tag erwischen und ihre Vertreter Boubacar Sanogo oder Hugo Almeida einen noch viel schlechteren, dann bleibt die Belohnung für 65 Prozent Ballbesitz und 19:5 Torschüsse aus.

Dabei kann man sich nicht erinnern, dass die Bremer in der Champions League einen biedereren Kontrahenten als Famagusta zu Gast hatten. Und wer sich die eklatante Auswärtsschwäche auf dieser Bühne ins Gedächtnis ruft, dem schwant vor den Gastspielen bei Inter Mailand und Panathinaikos Athen nichts Gutes.

So langsam legt sich das lähmende Gefühl über Bremen, dass diese Saison der Ära Schaaf – der im Mai 2009 sein zehnjähriges Dienstjubiläum feiert – zur großen Delle werden könnte. Klaus Allofs sieht die Angelegenheit noch nicht ganz so schwarz. „Wir können und werden viel besser spielen“, sagt er. Am besten schon am Samstag beim FC Bayern; in München, glaubt der Rheinländer, „wird es ganz anders“. Vielleicht wird auch die Formation ganz anders aussehen. „Wir erwarten hier mehr – von jedem einzelnen“, sagte Klaus Allofs und verschwand ins Dunkel.

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