Champions League : Werder spielt 1:1 bei Twente

Werder Bremen gewinnt in Enschede einen wichtigen Punkt in der Champions League und verliert seinen Torwart Wiese mit Verletzung.

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Bremens Marko Arnautovic (2.v.l.) gleicht in Enschede zum 1:1 aus. Foto: dpa
Bremens Marko Arnautovic (2.v.l.) gleicht in Enschede zum 1:1 aus.Foto: dpa

Noch nie war eine Dienstreise in der Champions League so kurz für den SV Werder Bremen wie die 214 Kilometer lange Bustour in das grenznahe Enschede. Noch aber sind die Hanseaten nach drei Spieltagen in der Königsklasse weit weg vom Erreichen des Achtelfinals. Nach einer starken kämpferischen Leistung reichte es aber immerhin zu einem 1:1 (0:0) beim FC Twente, den in der Ehrendivision noch ungeschlagenen niederländischen Meister.

Den Führungstreffer von Theo Janssen (75.) glich mit Marko Arnautovic (80.) ausgerechnet der im Twente-Talentschuppen ausgebildete österreichische Kraftprotz aus, dessen Einwechslung mit wüsten Pfiffen begleitet worden war. Damit Überschattet wurde ein wenig ansehnliches deutsch-niederländisches Duell indes durch die Verletzung von Werder-Torwart Tim Wiese, der mit einer Knieverletzung nach 35 Minuten ausschied. Der 28-jährige Nationalkeeper knickte im Seitwärtslaufen nach einer harmlosen Flanke böse um und musste ausgewechselt werden. Möglicherweise ist aber auch nichts gerissen bei dem Schlussmann, der aufrechten Schrittes in die Katakomben ging. Für ihn feierte der erst 21-jährige Sebastian Mielitz sein Debüt in der Königsklasse und muss womöglich Wiese auch länger vertreten, da der eigentliche Vertreter Christian Vander sich wegen einer Schambeinentzündung seit Monaten auch schon im Krankenstand befindet.

Mielitz, so viel vorweg, traf am Twente-Tor keine Schuld, musste sich in dieser Szene erst im Nachschuss geschlagen geben. Es passte zum irgendwie kuriosen Spielverlauf, dass schließlich Mielitz gegen den frei vor ihm auftauchenden Janssen das wichtige Remis rettete (85.). Thomas Schaaf hatte abermals Taktik und Personal getauscht – der 49-jährige Cheftrainer ist in seiner zwölften Saison ein Suchender wie nie zuvor. Der Rochade fiel diesmal Dribbelkünstler Marko Marin und Grenzgänger Marko Arnautovic zum Opfer, der in Enschede ausgebildete Österreicher drückte an diesem kühlen Abend nur einen der roten Stühle der Reservisten. Es war die Symbolik, dass Werder im Studentenviertel von Enschede, wo sich das Stadion befindet, nicht auf Sturm und Drang, sondern Zurückhaltung und Abgeklärtheit setzte.

Selbst der wiedergenesene Stürmer Claudio Pizarro half mehr hinten aus, als dass der Peruaner vorne zu finden war. Logische Folgeerscheinung: Bis auf eine gute Möglichkeit von Hugo Almeida (32.) brachten die Bremer in der Offensive kaum etwas zustande, da sich auch immer wieder Ballverluste einschlichen. Immerhin brannte auch in der Defensive wenig an, obwohl Vorstandsboss Klaus Allofs den grün-weißen Protagonisten ja die Fähigkeit abspricht, torlose Resultate zu bewerkstelligen, „das können wir gar nicht.“ Diese Grundausrichtung war aber spätestens notwendig, als wie erwähnt Wiese das Feld im „De Grolsch Veste“ räumen musste. Denn Mielitz, beim MSV Neuruppin und Eintracht Oranienburg in der Jugend und seit 2005 beim SV Werder in der Ausbildung, konnte seine Nervosität nie verbergen: Gleich den ersten Schuss von Marc Janko (41.) ließ der Ersatzmann vom Ersatzmann abklatschen, bei Flanken versuchte er erst gar nicht, den glatten Ball zu fangen, was mitunter ulkig aussah.

In der zweiten Halbzeit bemühte sich das Schaaf-Team um mehr Spielkontrolle, was aber immer wieder durch unpräzise Flanken und Zuspiele behindert wurde – vor allem Wesley und Aaron Hunt waren zu keinem Zeitpunkt die geforderten Strategen. Auch die Hereinnahme von Arnautovic für den schwachen Almeida (59.) verhieß wenig Besserung. Zumal der im Twente-Talentschuppen geformte Kraftprotz nach 73 Minuten die beste Chance verschluderte: Bei einem erstklassigen Zuspiel von Hunt brachte der 1,91-Meter-Mann die Kugel nicht unter Kontrolle. Doch ausgerechnet Arnautovic war es dann, der ein feines Zuspiel von Pizarro, des besten Bremers, im zweiten Versuch mit Vehemenz verwertete. Sein zurückhaltender Torjubel verriet zudem, dass es sich um einen ganz besonders wertvollen Treffer für den gebürtigen Wiener handelte.

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