Champions League : Zielscheibe auf dem Trampolin

Vor dem Achtelfinal-Rückspiel gegen den Titelverteidiger AC Milan setzt Jens Lehmanns Klub Arsenal London auf die Kopfballstärke seines Stürmers Emmanuel Adebayor. Der schlaksige Togolese ist der Toptorjäger seines Vereins und springt aus dem Stand höher als die Torlatte.

Raphael Honigstein
Adebayor
Arsenal Londons Stürmer Emmanuel Adebyor (r.) willl seinen Klub gegen den AC Milan ins Viertelfinale der Champions League...Foto: AFP

London Mutter Adebayor war nicht begeistert, dass ihr Sohn das Wohnzimmer in Lomé in einen Trainingsplatz verwandelte. Doch der junge Emmanuel hängte einen Fußball an die Decke und sprang tausendmal zum Kopfball hoch, jeden Tag machte er die Schnur ein Stückchen kürzer. „Ich hatte mir vorgenommen, höher springen zu können als andere auf dem Trampolin“, erinnert sich der 1,93 Meter große Togolese. Die Pendel-Übungen haben sich ausgezahlt. „Der Mann ist ein Monster“, sagte kürzlich sein Gegenspieler Jimmy Bullard vom FC Fulham, „der springt aus dem Stand höher als die Torlatte.“ Adebayor, heute 24 Jahre alt, erzielte gegen Fulham zwei Tore mit dem Kopf, mittlerweile hat er 19 Mal in der Premier League für Arsenal getroffen.

Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den AC Mailand traf der Stürmer in der letzten Minute aus bester Lage nur die Latte mit seinem Kopfball, doch nach dem 0:0 hatten sich Spieler aus beiden Lagern schnell auf den herausragenden Akteur geeinigt. „Ob Adebayor schwer zu spielen ist? Das können Sie laut sagen!“, sagte Milans Clarence Seedorf.

Kaum zu bändigen ist der schlaksige, aber robuste Adebayor, der 2006 für zehn Millionen Euro aus Monaco kam. Wie viele seiner Kollegen blühte er erst in dieser Spielzeit, der ersten ohne den alles dominierenden Thierry Henry, auf. Der Spanier Cesc Fabregas macht Arsenals Spiel, es ist aber an Adebayor aufgehängt: Seine Bewegungen sind für Verteidiger kaum zu enträtseln; er ist der „Target Man“, die Zielscheibe, die gerade Arsène Wengers Kurzpasskünstlern so not tut.

Adebayors Kraft und Schnelligkeit haben das Spiel der jungen Truppe verändert. Vor lauter schönem Weg fand der Ball früher oft kein Ziel, jetzt fliegen sogar die früher verpönten Flanken aus dem Halbfeld Richtung Adebayor. Und die lange dominante Körperlosigkeit ist Widerstandsfähigkeit, auch Härte gewichen. Adebayor teilt gerne aus, selbst Mitspieler sind nicht vor ihm sicher: Dem Dänen Nicklas Bendtner verpasste er auf dem Platz eine blutige Nase. Freunde werden die beiden wohl nicht mehr, Wenger sieht es gelassen: „Auf dem Platz machen sie, was das Spiel von ihnen verlangt.“ Heute in Mailand (20.45 Uhr, live bei Premiere) wird zumindest ein Auswärtstor verlangt. In der Champions League hat Adebayor in bisher 14 Spielen noch gar nicht für Arsenal getroffen. Wenger stört das nicht: „Dann macht er eben im 15. sein Tor.“

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