Sport : Chancen für Talente

Die Füchse Berlin wollen dem Handball-Ausbildungsmodell des SC Magdeburg nacheifern

Hartmut Moheit

Berlin - Beim Handball-Pokalspiel zwischen den Füchsen Berlin und dem SC Magdeburg beobachtete der 16 Jahre alte Gabor Langhans einen der Gästespieler ganz genau. So wie der 160-malige slowenische Nationalspieler Renato Vugrinec möchte der Berliner auch einmal werden. Ein Trikot seines großen Vorbildes erinnert ihn täglich daran, was er als Sportler erreichen kann. Dass der schon fast zwei Meter große Linkshänder der SG PSV/Tegel seine Perspektive in Berlin sieht und nicht wie zwei seiner ehemaligen Teamkameraden ans Sportgymnasium nach Gummersbach gewechselt ist, hat etwas mit dem Nachwuchskonzept der Füchse Berlin zu tun. „Von 2003 bis heute sind 23 Talente aus der Stadt abgewandert“, sagt Trainer Jörn-Uwe Lommel. Gemeinsam mit Landestrainer Gernot Funk ist er nun dabei, neue Strukturen für die Nachwuchsförderung in Berlin zu schaffen. Junge Handballer wie Gabor Langhans haben damit dort eine sportliche Perspektive, wo auch ihr Zuhause ist.

Lommel betreut deshalb neben der Zweitliga-Mannschaft der Füchse auch zweimal in der Woche den Nachwuchs an der Seelenbinder-Schule in Berlin. Gabor Langhans, der zurzeit eine Verletzung auskuriert, kann bereits mit dem Männerteam trainieren. Füchse-Manager Bob Hanning hatte schließlich bei seinem Amtsantritt versprochen: „Mit den besten Berliner Jungs wollen wir den Aufschwung im Handball erreichen.“ Bereits jetzt gehört der 18-jährige Jens Vortmann, der vom BFC Preußen kam, als Torhüter zu den Stützen des Zweitligisten. Sogar ein Jahr jünger ist Justus Loge im linken Rückraum, Oliver Ölscher auf der Kreismitte-Position wird erst im kommenden Jahr 20. Der Anfang ist gemacht.

Als Vorbild für den Aufbau einer erstklassigen Mannschaft wird bei den Füchsen das Modell des SC Magdeburg gesehen, der im Pokal 35:22 (14:9) gegen die Füchse gewann. „Dort hat man den Vorteil gehabt, auf das sehr gute System der Nachwuchsausbildung aus DDR-Zeiten aufbauen zu können“, sagt Lommel. „Jedes Jahr entlassen wir weit mehr als ein Dutzend fertige Handballer“, berichtet der Magdeburger Manager Bernd-Uwe Hildebrand stolz. Seit 1990 werden in einer Sportschule mit angeschlossenem Internat Kinder und Jugendliche so ausgebildet, dass sie als 18-Jährige nahtlos beim SCM oder in anderen Bundesliga- oder Regionalligaklubs Anschluss finden. 350000 Euro investiert der SCM pro Jahr, den Rest finanzieren das Land Sachsen-Anhalt sowie die Eltern. In die Nationalmannschaft haben es jüngst Torwart Johannes Bitter, Yves Grafenhorst, Christian Sprenger, Christian Schöne und Christoph Theuerkauf geschafft. „Andere kaufen mehr Ausländer, wir investieren in die Jugend“, sagt Hildebrand.

Dass es ohne ausländische Stars nicht geht, beweist Magdeburg ebenfalls. Aber auch Stefan Kretzschmar spielt dort, dessen Talent in Berlin entdeckt wurde. Als er ging, gab es noch keine Perspektive für eine große Handball-Karriere in der Stadt. Kretzschmars Vertrag läuft noch bis 2007, für danach aber schließt er eine Rückkehr nach Berlin nicht aus. Im Management könnte er sich einbringen, Vorbild ist er schon. Daran ändert auch nichts, dass sein Teamgefährte Vugrinec diesmal einen besonderen Fan hatte.

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