Sport : Chancen und Tränen

Grönefeld scheidet bei den Australian Open aus

Alexander Hofmann

Melbourne - Die Augen waren feucht von Tränen, Anna-Lena Grönefeld hatte einer vergebenen großen Chance nachgeweint. Als letzte deutsche Spielerin war sie am Freitag bei den Australian Open in der dritten Runde ausgeschieden, 5:7, 4:6 gegen die Russin Vera Duschewina. Beim Tennis sagt die Statistik oft nur wenig aus, aber in diesem Fall erzählen die Zahlen die gesamte Geschichte des Matches. Acht Breakchancen hatte Grönefeld, keine davon nutzte sie, Duschewina dagegen nutzte zwei von sechs. 35 Gewinnschlägen standen 44 unerzwungene Fehler gegenüber. Grönefeld hatte in der Margaret-Court-Arena das Spiel bestimmt und doch am Ende verloren.

„Die große Chance war da, ich habe sie nicht genutzt“, sagte die 19 Jahre alte Norddeutsche, die in den USA lebt und trainiert. Um noch mehrmals zu wiederholen: „So viele Chancen“. Grönefeld tat sich schwer damit, eine Erklärung für die Niederlage zu finden. „Vielleicht habe ich zu viel gewollt, vielleicht zu aggressiv gespielt“, sagte sie. Was dem derzeit größten Talent im deutschen Tennis noch fehlt, ist die Übersicht, im richtigen Moment den richtigen Ball zu spielen. So streute sie häufig Stopbälle ein, die auf dem harten Belag hoch absprangen und von der Russin immer mühelos erlaufen wurden. In der Vorwoche hatte sie ihre Gegnerin in Canberra noch mit exakt demselben Ergebnis bezwungen. Aber immerhin bewies sie mit ihrer manchmal etwas ungestümen Art, dass sie sich etwas zutraut, auch wenn sie dafür manchmal nicht belohnt wird.

Trotz Enttäuschung und Tränen konnte Grönefeld eine positive Bilanz ihrer Australien-Reise ziehen. In Canberra stand sie im Achtelfinale, in Melbourne hat sie ihr bisher bestes Ergebnis bei einem Grand-Slam-Turnier erreicht, erstmals eine Spielerin aus den besten 20 der Welt geschlagen und ihre Stellung als Deutschlands Nummer eins unterstrichen. Ihr langfristiges Ziel ist es, unter die besten 20 der Weltrangliste zu kommen, „aber erstmal muss ich eine komplette Spielerin werden“.

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