Chaos bei Hertha BSC : Hat sich Michael Preetz vermanagt?

Als Sportchef hatte er an Statur gewonnen. Das Zerwürfnis mit Babbel zeigt Mängel in Handwerk und Kommunikation.

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Zum Weggucken. Herthas Manager Michael Preetz steht im Zentrum des medialen Desasters, in dem sich der Verein rund um die Trennung von Markus Babbel befindet. Foto: dapd
Zum Weggucken. Herthas Manager Michael Preetz steht im Zentrum des medialen Desasters, in dem sich der Verein rund um die Trennung...Foto: dapd

Als am Sonntagnachmittag bei Hertha BSC Ausnahmezustand herrschte und Markus Babbel von seinen Aufgaben als Trainer entbunden wurde, ritt Torwart Maikel Aerts auf einem afrikanischen Elefanten durch die Manege des benachbarten Zirkus Voyage. So geht es aus einer Pressemitteilung des Vereins hervor, die am Tag danach verschickt wurde. Soll keiner sagen, der Berliner Bundesligist habe ein Problem mit der Kommunikation.

Auch die langgeplante Weihnachtsfeier für die Spieler und deren Familien am Montag soll ein großer Erfolg gewesen sein. "Was können die Kinder der Spieler dafür?", war die sonntägliche Antwort des Pressechefs auf die Frage, ob diese Veranstaltung von den Geschehnissen der vergangenen zwei Tage eventuell hinfortgetragen sei. Stimmt, die Kinder der Spieler können überhaupt nichts für das Zerwürfnis zwischen den Funktionsträgern, das in einem Totalschaden kumulierte. Womöglich können die allerwenigsten, die mit Hertha in Verbindung stehen, etwas dafür. Am Ende läuft alles bei den drei Herren zusammen, die den vermeidbaren Eklat nicht verhindert, zumindest aber nicht professionell moderiert haben. Weder Markus Babbel, noch Vereinspräsident Werner Gegenbauer haben eine glückliche Figur abgegeben, Und schon gar nicht Manager Michael Preetz.

Das sich am Ende alle drei gegenseitig der Lüge bezichtigt haben, und letztlich dem Verein einen erheblichen Imageschaden, vor allem aber ein Glaubwürdigkeitsproblem beschert haben, ist so unnötig wie mit Ansage gekommen. Was sich widersprüchlich anhört, ist das Ergebnis einer Arbeitsweise an der Spitze des Vereins, die nahezu beispiellos im deutschen Fußball ist. Im Zentrum dieses medialen Desasters steht auch Michael Preetz, der trotz seiner 44 Jahre immer noch jung im Geschäft als offiziell mächtigster Mann bei Hertha wirkt. Nachdem es im Juni 2009 zum Bruch zwischen Hertha und Geschäftsführer/Manager Dieter Hoeneß gekommen war, übernahm der frühere Stürmer dessen Aufgaben. Ausgeguckt war für den Wechsel eigentlich das Jahr 2010. Zu diesem Zeitpunkt sollte das Engagement von Hoeneß enden. Es kam anders.

Die aktuelle Situation ist das Ergebnis einer Arbeitsweise, die nahezu beispiellos im deutschen Fußball ist

Gleich das erste Jahr als Manager mündete für Preetz im Abstieg. Die Mannschaft war als Vorjahresvierter ins Rennen gegangen, blieb aber auf dem Transfermarkt weitgehend untätig. Kritiker warfen Preetz vor, mit der Situation um die Abgänge der Torjäger Pantelic und Woronin sowie der Verkauf des Denfensivstabilisators Simunic überfordert gewesen zu sein. Die einzige Antwort, die Hertha darauf hatte, hieß Wichniarek, der schon einmal bei Hertha grandios gescheitert war. Zur Bilanz von Preetz zählt auch die Entlassung von Lucien Favre nach nur sieben Spieltagen. Kritiker im Verein warfen ihm vor, viel zu früh die Nerven verloren zu haben. Preetz holte dafür Friedhelm Funkel, was daneben ging. Dass Favre ein guter und vom Anhang zumindest stets geachteter Fachmann ist, hat der Schweizer in Berlin gezeigt – wie er es auch jetzt in Mönchengladbach tut. Hinterher sagte Preetz nur, niemand bei Hertha brauche Favre nachzutrauern. Es soll Menschen geben, die das anders sehen.

Mit dem direkten Wiederaufstieg und gelungenen Transfers konnte Preetz an Statur zurückgewinnen. Schließlich ist sein Vertrag bis 2014 verlängert worden.

Doch inzwischen werden ihm erneut handwerkliche Fehler nachgesagt, die nicht nur sein Hauptaufgabengebiet betreffen. Preetz verantwortet als Geschäftsführer nicht nur das Fach Sport, sondern auch das der Kommunikation. Je länger Preetz als Manager tätig ist, desto mehr verknappt sich das Kommunikative. Als Preetz den Job antrat, tat er das in der festen Absicht, nach den lauten, zuweilen tosenden Hoeneß-Jahren ruhige, nachvollziehbare und von Teamwork geprägte Sacharbeit zu verrichten. Kritiker sehen das Problem von Preetz in einer Mischung aus Ungeschicklichkeiten und kommunikativen Verweigerungen.

Inzwischen werden Preetz handwerkliche Fehler nachgesagt

Und so fügen sich die Geschehnisse der vergangenen Tage in diese Wahrnehmung. Vom Vorwurf, dass in seiner Amtszeit neben Favre schon der zweite charismatische Trainer verschlissen wurde, und auch diese Trennung nicht anständig verläuft, kann sich Preetz nicht freimachen. Hier hätte Herthas Manager schon im Vorfeld mehr Gespür und handwerkliches Geschick an den Tag legen können. Sicher, Preetz hat Babbel beizeiten den Wunsch auf Vertragsverlängerung signalisiert. Nur warum wollte er zunächst ein Ja-Wort vom abwartenden Babbel, ehe man in inhaltliche Beratungen geht? Dabei führen ja meist inhaltliche Beratungen zu einem Commitment. Stattdessen wurde in Kauf genommen, dass sich der öffentlich Druck auf Babbel erhöht. Preetz hat möglicherweise zu wenig versucht, Babbel über Inhalte zu verführen und für eine Weiterbeschäftigung zu gewinnen. Am Ende reichte es nicht mal für eine Trennung im Einvernehmen.

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