Update

Chaosrennen von Brasilien : Hamilton verhindert Rosberg-Triumph

Die Entscheidung fällt im letzten Saisonrennen: Im Regenchaos von Interlagos verhinderte Lewis Hamilton mit seinem Sieg den vorzeitigen WM-Triumph von Nico Rosberg.

von
Lewis Hamilton (r.) und Nico Rosberg.
Lewis Hamilton (r.) und Nico Rosberg.Foto: dpa

„November Rain“ hatten Guns N’ Roses bei ihrem Konzert am Samstag Abend in Sao Paulo noch gespielt – am Sonntag waren die Rocker dann Gäste von Mercedes in Interlagos. Aber da brachte der Novemberregen, der seit Stunden über der Strecke fiel, nur Chaos, ein Rennen, das über drei Stunden dauerte und zur Hälfte hinter dem Safety-Car ablief, und verhinderte am Ende auch einen vorzeitigen Titelgewinn von Nico Rosberg.
Denn Lewis Hamilton zeigte auf nasser Strecke wieder einmal sein besonderes Talent und gewann im zehnten Anlauf endlich zum ersten Mal den Brasilien-GP.. „Wenn es regnet, ist das normalerweise gut für mich“, sagte der Brite. „Ich hatte keine größeren Dramen, alles hat sich hinter mir abgespielt.“ Und er, der große Ayrton-Senna-Fan, betonte: „Ich have davon geträumt, hier in Brasilien zu gewinnen.“

Rosberg hatte auf nasser Strecke nie eine echte Chance und musste froh sein, dass die im Regen superstarken Red Bull ein paar Strategiefehler einbauten und Max Verstappen, der ihn zwischendurch einmal mit einen starken Manöver überholt hatte, am Ende nur Dritter wurde. „Ich hatte heute keine Chance auf den Sieg – aber ich kann mit Platz zwei leben.“ Rosberg liegt jetzt noch zwölf Punkte vor Hamilton, der nach Siegen jetzt mit 9:9 gleichzog. Beim WM-Finale in zwei Wochen in Abu Dhabi würde ihm damit bei einem weiteren Sieg des Briten ein dritter Platz zum Titelgewinn reichen.

Start gleich hinter dem Safety-Car

Gleich der erste Start in Interlagos war hinter dem Safety-Car erfolgt, nachdem Romain Grosjean schon auf der Aufwärmrunde in die Startaufstellung von der Strecke geflogen war. Nach sieben Runden wurde das Rennen frei gegeben, doch die Bedingungen waren mehr als schwierig: Sebastian Vettel leistete sich einen spektakulären Dreher, konnte aber weiterfahren. Ein Abflug von Marcus Ericsson im Sauber, nachdem das Auto des Schweden auch noch die Einfahrt in die Boxengasse blockierte, brachte das Safety-Car erneut auf die Strecke.

Beim Neustart drehte sich dann Kimi Räikkönen auf der Geraden vor dem Anbremsen der ersten Kurve und knallte voll in die Mauer. Auch Verstappen hinter ihm hätte beinahe die Kontrolle verloren, konnte den Red Bull gerade noch abfangen, Nico Hülkenberg und Esteban Ocon schafften es mit Blitzreaktionen gerade noch, dem kreiselnden Ferrari auszuweichen. Dann war schon die Rote Flagge draußen. Für Vettel, der am Ende noch Fünfter wurde, die einzig richtige Entscheidung: „Es geht einfach nicht, wir müssen abbrechen“, hatte er sofort nach der Wiederfreigabe gefordert. „Ich wäre beinahe in Kimi gecrasht, mitten auf der Geraden. Ich habe überhaupt nichts gesehen.“

Hamilton: "So nass ist es gar nicht."

Nach 35 Minuten Pause versuchte man es noch einmal. Lewis Hamilton hatte in der Zwischenzeit seinen Helm gewechselt: Von dem speziellen gelben, den er sich hier zu Ehren seines großen Idols Ayrton Senna hatte machen lassen, zu seinem üblichen weißen – weil an dem neuen Wasser durch das Visier eindrang. Und forderte nach mehreren Runden hinter dem Safety-Car: „Charlie, lass’ uns fahren.“ Doch die Rennleitung entschied anders. Hamilton protestierte: „So nass ist es gar nicht, das ist Blödsinn.“ Nachdem er allerdings nur drei Minuten vorher, wie auch Nico Rosberg, festgestellt hatte, dass der Regen wieder stärker werde. Wobei sich bei dem ganzen Durcheinander auch wieder ein grundlegenden Problem der heutigen Formel 1 zeigte: Der Regenreifen von Pirelli, die sogenannten „Full Wets“, sind „so schlecht, dass man damit unter solchen Bedingungen kaum fahren kann“, wie Nico Hülkenberg feststellte.

Nach weiteren 40 Minuten Unterbrechung versuchte man es noch einmal, obwohl die Wettervorhersage nichts Gutes verhieß: Ein paar Runden ging es diesmal dann auch gut, bis sich Felipe Massa in seinem letzten Heimrennen an der gleichen Stelle wie zuvor Ericsson in die Mauer verabschiedete und damit das nächst Safety-Car auslöste. Wenigstens konnte sich der Brasilianer bei seinem Rückweg durch die Boxengasse noch entsprechend feiern lassen. Rosberg forderte da erneut einen Abbruch: „Wie viele Unfälle will man heute eigentlich noch sehen?“ Doch der Crash blieb tatsächlich der letzte, die weiteren Runden bis zur vollen Distanz von 71 Runden gingen tatsächlich ohne Zwischenfälle ab. Und auch Rosberg konnte am Ende noch Schadensbegrenzung betreiben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben