Chapecoense-Tragödie : Kostenlose Spieler und drei Jahre kein Abstieg

Aus aller Welt erreichen den brasilianischen Fußball-Klubs Chapecoense Trauerbekundungen. Um den Verein zu retten, gibt es bereits Ideen.

Fans von Chapecoense trauern vor einer Kirche um die bei dem Flugzeugabsturz verunglückten Mannschaftsmitglieder des brasilianischen Klubs.
Fans von Chapecoense trauern vor einer Kirche um die bei dem Flugzeugabsturz verunglückten Mannschaftsmitglieder des...Foto: AFP

Nach dem Tod fast der kompletten Profimannschaft des brasilianischen Fußball-Erstligisten Chapecoense bei einem Flugzeugabsturz in Kolumbien steht der Verein vor einer ungewissen Zukunft. Ein Bündnis von prominenten Erstligateams aus Brasilien brachte eine Art „Lex Chapecoense“ ins Spiel. Traditionsklubs wie Corinthians, Palmeiras und FC Santos schlagen dem Fußballverband vor, dass der Klub kostenlos Spieler leihen kann und dass Chapecoense drei Jahre lang nicht aus der Serie A absteigen kann - unabhängig vom Tabellenstand.

Neben 19 Fußballern starben auch 20 Journalisten, die das Team zum Finalhinspiel der Südamerika-Meisterschaft Copa Sudamericanana bei Atlético Nacional Medellín begleitet hatten. Die Behörden hatten zunächst von insgesamt 75 Toten gesprochen. Weil aber nicht wie lange angenommen 81, sondern nur 77 Passagiere an Bord waren, konnten sie die Zahl auf 71 Tote und sechs Überlebende korrigieren. Die Bergung der Leichen sei abgeschlossen, teilte der Katastrophenschutz mit.

Unter den Opfern befindet sich auch der frühere brasilianische Nationalspieler Mário Sérgio Pontes da Paiva (66). Er reiste als Sportjournalist von Fox Sports mit dem Team nach Medellín. 1983 war Mario Sérgio einer der Bezwinger des Hamburger SV beim 2:1-Sieg von Grêmio Porto Alegre im Weltpokal-Endspiel in Tokio. Im Heimstadion des Clubs im südbrasilianischen Chapecó kam es zu ergreifenden Szenen, Angehörige lagen sich weinend in den Armen, zum Gedenken an die Opfer wurden rote Rosen in die Tornetze gehängt. Tausende versammelten sich in der Arena Condá und zu Gedenkgottesdiensten.

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Flugzeug mit brasilianischem Fußballteam in Kolumbien abgestürzt
Flugzeug mit brasilianischem Fußballteam in Kolumbien abgestürzt

Am kommenden Sonntag wäre das letzte Saisonspiel gegen Atlético Mineiro aus Belo Horizonte gewesen und danach das Rückspiel gegen Atlético Nacional. „Brasiliens Fußball ist in Trauer. Das ist so ein tragischer Verlust“, teilte Fußball-Legende Pelé bei Twitter mit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte „mit großer Bestürzung“ auf das Flugzeugunglück. „Ich spreche Ihnen und dem brasilianischen Volk, auch im Namen meiner Landsleute, meine tiefempfundene Anteilnahme aus“, schrieb Merkel in einem Kondolenztelegramm an Brasilien Staatspräsidenten Michel Temer.

„Wenn ich heute sterbe, sterbe ich glücklich“

Das Charterflugzeug vom Typ Avro RJ85 der bolivianischen Gesellschaft Lamia war am späten Montagabend (Ortszeit) in rund 3000 Meter Höhe am Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Unión verunglückt - im Landeanflug, knapp 40 Kilometer vor Medellín. Die Maschine war vor drei Wochen auch von Argentiniens Nationalmannschaft mit Superstar Lionel Messi nach einem WM-Qualifikationsspiel in Brasilien (0:3) genutzt worden. Die kolumbianische Luftfahrtbehörde nannte als eine mögliche Ursache Treibstoffmangel. Die beiden Blackboxes konnten in bergigem Gelände sichergestellt werden und sollen Aufschluss liefern.

Nach Angaben der Behörden ist unter den Toten auch Torwart Danilo - er war mit spektakulären Paraden der Held im Halbfinale gegen den Lieblingsclub von Papst Franziskus, San Lorenzo aus Argentinien. Medien zitierten zudem einen Motivationsspruch des getöteten Trainers Caio Junior, der vor einem der letzten Spiele zu seinem Team sagte: „Wenn ich heute sterbe, sterbe ich glücklich.“ Der Finaleinzug war der bislang größte Erfolg des Vereins. In Brasilien wurde von Präsident Michel Temer eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.

Glück hatte der argentinische Spieler Alejandro Martinuccio - der Stürmer konnte wegen einer Verletzung die Reise nach Kolumbien nicht antreten und zeigte sich erschüttert. Zudem überlebten einige weitere Spieler, weil sie gesperrt waren oder nicht berufen worden waren. (dpa)

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