Sport : Charakter für 15 Minuten

Albas Basketballern fehlt in der Europaliga die Motivation

Helen Ruwald

Berlin. In der Hallenzeitung von Alba Berlin, die zum Basketball-Europaligaspiel gegen Pamesa Valencia verteilt wurde, ließ sich Trainer Emir Mutapcic über die Gründe für das Scheitern aus. „Entscheidend für das Verpassen der Top 16 war wohl schon die Niederlage gegen Wroclaw am zweiten Spieltag“, verrät er. Nach dem 80:93 gegen das spanische Topteam, der achten Niederlage im zehnten Spiel, äußerte sich Mutapcic anders: „Wir hatten noch eine kleine Chance, in die nächste Runde einzuziehen.“

Der Trainer des Tabellenvorletzten unentschlossen, das Team bisweilen unmotiviert – mittlerweile wäre ein Weiterkommen eine Sensation: der Tabellenfünfte, der sich sicher für die Zwischenrunde qualifiziert, heißt derzeit Tau Vitoria und hat vier Spieltage vor Schluss drei Siege mehr als Alba errungen. Die Berliner treten noch in Treviso und Vitoria an und empfangen Spitzenreiter Efes Istanbul und Olympiakos Piräus. „Um unter die Top 16 zu kommen, muss man viel, viel besser spielen“, sagte Jovo Stanojevic, „wir waren in der Verteidigung richtig schlecht. 92 Punkte sind zu viel.“

Wenn Alba sich in den nächsten Wochen so präsentiert wie am Mittwoch in der zweiten Halbzeit, läuft das Team Gefahr, nicht nur Spiele, sondern auch an Ansehen zu verlieren. „In schlechten Zeiten muss man seinen Charakter zeigen. Heute haben wir das nur etwa 15 Minuten lang gemacht“, sagte Vladimir Petrovic. Dabei war der Flügelspieler der einzige, der sich überhaupt nichts vorzuwerfen hatte – er war mit 34 Punkten (fünf von sechs Dreiern) der beste Mann auf dem Feld. Im Spielaufbau hingegen enttäuschten sowohl Chuck Evans als auch DeJuan Collins (sieben Ballverluste). Unter dem Korb konnten sich weder Stanojevic noch Szymon Szewczyk durchsetzen. Es stand keine Mannschaft auf dem Feld, in der einer für den anderen kämpfte. Ohne Petrovic hätte Alba ein Debakel erlebt.

Das Team habe noch das schwache Spiel vor einer Woche in Wroclaw im Kopf gehabt, außerdem „ist es schon etwas anderes, wenn man ins Spiel geht und ein Ziel hat“, sagte Petrovic – nämlich die Chance auf das Weiterkommen. Bislang war der Druck zu groß, nun ist er vielleicht zu klein. Am Ende waren die Berliner nicht mehr motiviert genug, Bällen nachzugehen und überließen sie bisweilen kampflos dem Gegner. Statt überheblich wirkten die Spieler des Deutschen Meisters aber frustriert und sauer. „Es ist nicht meine Aufgabe, das Spiel zu analysieren. Was fehlt, weiß der Trainer besser“, wiederholte Marko Pesic mehrmals giftig.

Mutapcic monierte die fehlende Kommunikation, die Spieler redeten zu wenig miteinander und feuerten sich kaum an. Dass Alba in der kommenden Saison Topspieler verpflichtet, um in der Europaliga endlich mehr zu sein als Punktelieferant, schließt Präsident Dieter Hauert aus: „Die Truppe ist optimal für die Mittel, die wir zur Verfügung stellen können.“

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