Sport : Charaktertest für Schiedsrichter

Die Ausbildung in Berlin wurde umgestellt

Michael Rosentritt

Berlin - Bernd Schultz hat sich wieder geärgert. Und wieder spielt Robert Hoyzer eine tragende Rolle. Hoyzer, der ehemalige Zweitliga-Schiedsrichter aus Berlin, kehrt auf das Fußballfeld zurück. Nicht als Referee, sondern als Spieler. Sein Gnadengesuch wurde, wie berichtet, von der Kirchenliga angenommen. „Mir ist unverständlich, dass Herr Hoyzer von der Kirchenliga begnadigt wurde“, sagt Schultz, der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes ist. Aus dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Berliner Verband ist Hoyzer lebenslang ausgeschlossen worden.

Vor einem Jahr war bekannt geworden, dass Hoyzer Fußballspiele für Geld manipuliert haben soll. Dass es ebenfalls Berliner Schiedsrichter waren, die die Aufklärung ins Rollen brachten, konnte Schultz nur bedingt beruhigen. „Der Fußball hat den Skandal letztlich schneller bewältigt, als viele vorhergesagt haben“, sagt Schultz zwar. Dennoch hat der Fall Hoyzer bis heute Auswirkungen – vor allem auf die Schiedsrichterausbildung.

Im Landesverband sind rund 1400 Schiedsrichter tätig, zu mehr als 90 Prozent sind es Männer. Die Ausbildungsinhalte sind im Wesentlichen gleich geblieben, eine größere Sensibilität herrsche aber in der Persönlichkeitsbildung des Referee-Nachwuchses. „Wir schauen jetzt genauer hin, ob da Gefahren und Risiken sind“, sagt Schultz. Auf Initiative des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger erhalten junge Schiedsrichter ein persönliches Coaching. Im Bereich des Nordostdeutschen Fußballverbandes, zu dem Berlin gehört, betrifft das sechs Nachwuchsschiedsrichter, die von ehemaligen Bundesligaschiedsrichtern wie dem Berliner Lutz Michael Fröhlich betreut werden. Fröhlich, 47, der die Altersgrenze für Bundesligaspiele überschritten hat, war neben Manuel Gräfe (siehe nebenstehendes Interview) maßgeblich an der Aufdeckung des Falls Hoyzer beteiligt. „Die persönlichen Trainer wollen herausfinden, wie die Lebensumstände eines potenziellen Bundesligaschiedsrichters sind“, sagt Schultz. „Das hat nichts mit Spionage zu tun, aber wir wollen ein klares Persönlichkeitsbild des Kandidaten bekommen.“ Dafür benötige der Verband auch Informationen, die mit der fachlichen Ausbildung wenig zu tun hätten. Ein Fall Hoyzer, der mit Geld und falschen Freunden nicht umgehen konnte, soll auf diese Weise ausgeschlossen werden.

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