Sport : Charmeoffensive nach der Eiszeit

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Der Vorwurf, Klaus Allofs habe sich zuletzt wie ein Aal gewunden, ist auch eine hilfreiche Referenz. Wer es eine Woche lang schafft, seinen langjährigen Arbeitgeber Werder Bremen, den Aufsichtsratsvorsitzenden Willi Lemke und die Fans an der Nase herumzuführen, hat eine tragende Rolle in der Fußball-Bundesliga auf Dauer verdient. Mit seinem erst hartnäckig dementierten und jetzt abrupt bestätigten Wechsel zum VfL Wolfsburg mitten in der Saison beweist Allofs, dass er nicht nur nett, sondern auch Schwein sein kann.

Hoffentlich hat Felix Magath sein Büro in Wolfsburg auch wirklich schon geräumt und gut aufgeräumt. Allofs braucht beim VfL einen klaren Blick auf die Dinge, weil ihn am Mittellandkanal ein völlig anderes Anforderungsprofil als an der Weser erwartet. Die Entscheider des VfL Wolfsburg und dessen Hauptsponsor Volkswagen sind keine Fußball-Experten, sondern in erster Linie Geldgeber, die nur ganz selten stören. Mit Allofs vertrauen sie ab sofort einem charmanten Fachmann, der perfekt vernetzt ist, fast nie eitel handelt und Probleme weglächelt.

Der frühere Torjäger, der es von der Umkleidekabine problemlos bis in die Filzetage des bezahlten Fußballs geschafft hat, ist in Wolfsburg der richtige Mann am richtigen Platz. Trotz der großzügigen VW-Budgets weiß Allofs genau, dass sich Erfolg nicht mal eben so von einer Kostenstelle abbuchen lässt. Und im Gegensatz zu Magath hat er verstanden, dass Teamwork die beste Basis für langfristigen Erfolg ist. Wenn Allofs den Angestellten in Wolfsburg nach der Ära eines Alleinherrschers freundlich und gelassen die Hand reicht, wird das bereits ausreichen, um erfolgreicher als Magath zu sein.

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