Sport : Charterflug nach Woronesch

Turbine Potsdam reist ohne Angst vor Terroranschlägen nach Russland

Helen Ruwald[Potsdam]

Sabrina Rastetter ist 17 Jahre alt und seit diesem Sommer Fußballprofi in Russland, beim Meister Energie Woronesch. Das eine oder andere mag ihr in ihrer neuen Heimat eigentümlich vorkommen, doch auch aus Deutschland bekommt sie Nachrichten, die sie erstaunen. So wie die Panik-Reaktion des Deutschen Meisters Turbine Potsdam, als er erfuhr, dass er am morgigen Sonntag im Uefa-Cup-Viertelfinale in Woronesch antreten muss. „Ich mache drei Kreuze, wenn wir heil zurückkommen“, sagte Nationalspielerin Conny Pohlers entgeistert. Schließlich lagen die Geiselnahme von Beslan, das Selbstmordattentat an einer Moskauer U-Bahn-Station und die durch Terrorakte verursachten Flugzeugabstürze damals erst gut zwei Wochen zurück.

Sabrina Rastetter winkt ab. „Die Sicherheit ist kein Problem. Woronesch ist eine Großstadt wie jede andere auch. Ich habe hier überhaupt keine Angst“, hat sie im Gespräch mit dem Frauenfußball-Portal „FFnews.de“ gesagt. „Vielleicht haben wir eine Chance, gerade weil Potsdam sich in solche Ängste hineinsteigert.“ Damit darf die 17-Jährige, die bis zum Sommer beim Deutschen Vizemeister 1.FFC Frankfurt spielte, allerdings nicht mehr rechnen. Die Potsdamerinnen haben sich beruhigt, „wir machen uns nicht verrückt“, sagt Pohlers, „alle möglichen Leute hatten uns jede Menge Quatsch erzählt“. Etwa, dass man von Moskau aus stundenlang mit dem Bus durch Russland fahren oder mit einer klapprigen russischen Maschine nach Woronesch fliegen müsse. „Ich glaube, am meisten Angst hatten wir vor dem Inlandsflug“, erzählt Torhüterin Nadine Angerer. Und vor der Kälte. „Wir dachten, das liegt in Sibirien und wir müssen im Schnee spielen“, sagt Nationalspielerin Navina Omilade. Trainer Bernd Schröder hatte obendrein davon gesprochen, dass man „mehrere Tage braucht, um nach Woronesch zu kommen“.

Doch inzwischen weiß die Mannschaft, dass sich die 900 000 Einwohner zählende Stadt Woronesch weder in Sibirien noch in der Nähe von Tschetschenien befindet, sondern 500 Kilometer südlich von Moskau. „Dort gibt es Militärindustrie, deshalb sind die Sicherheitsvorkehrungen hoch“, sagt Trainer Schröder inzwischen. Den Gedanken, dem Gegner das Heimrecht abzukaufen, hat Turbine Potsdam deshalb schnell wieder aufgegeben. Die Mannschaft flog am gestrigen Samstag mit Fans und Journalisten in einer Chartermaschine direkt nach Woronesch und kehrt morgen unmittelbar nach dem Spiel zurück. Eigentlich wollte Turbine erst am Spieltag anreisen – nicht aus Sicherheitsgründen, wie Schröder sagt, „sondern weil viele Spielerinnen in Prüfungen stecken, da zählt jede Stunde zu Hause“. Doch die Uefa lehnte dieses Ansinnen ab, die Ankunft einen Tag vor dem Spiel ist Pflicht.

Angst vor der Reise haben die Potsdamerinnen also nicht mehr, ein wenig nervös sind sie aber schon noch. Allerdings nur, weil „wir nicht wissen, was uns sportlich erwartet“, sagt Nadine Angerer.

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