Sport : Chef der Sporthilfe gibt auf

Hans-Ludwig Grüschow reagiert auf die Affäre um Zahlungen an den damaligen MDR-Sportchef Wilfried Mohren und tritt zurück

Robert Ide

Berlin - In der Affäre um möglicherweise gekaufte Sportberichte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe Hans-Ludwig Grüschow zurückgetreten. Der 69 Jahre alte Wirtschaftsmanager erklärte am Freitag, er hoffe, „mit dem Schritt der Sporthilfe am besten dienen zu können“. Auf einer Krisensitzung des Vorstandes am heutigen Samstag soll die Affäre aufgearbeitet und möglicherweise ein Nachfolger gefunden werden. Grüschow hatte eingeräumt, dass er ohne Absprache mit dem Vorstand den inzwischen suspendierten Sportchef des Mitteldeutschen Rundfunks, Wilfried Mohren, als so genannten Medienbotschafter verpflichtet und ihm 45 000 Euro gezahlt hatte. Mohren sitzt wegen Korruptionsverdachts in Untersuchungshaft.

„Es kommt nun darauf an, alle Details des Vertrages aufzuarbeiten“, sagte Vorstands-Vize Bernd Rauch dem Tagesspiegel. Auch solle die Nachfolge zügig geregelt werden. „Wir brauchen eine schnelle Aufklärung und eine geschlossene Meinung des Vorstandes zum weiteren Weg der Sporthilfe.“ Die Staatssekretärin im Bundesinnenministerium Ute Vogt (SPD) begrüßte den Rücktritt Grüschows. „Es ist gut, dass die Aufklärung nicht mit Personaldebatten aufgeladen ist“, sagte Vogt auf Nachfrage. Bisher gebe es keine Anhaltspunkte für weitere Fälle von Zahlungen an Journalisten. Spitzenfunktionäre des Sports würdigten dennoch die Arbeit der Sporthilfe. Das Sozialwerk für 4000 Sportler, das vor allem auf Stiftungsmitteln privater Sponsoren fußt, hat sich die sportliche und ideelle Ausbildung von Athleten zum Ziel gesetzt.

Auch aufgrund des moralischen Anspruchs der Sporthilfe war Grüschow unter Druck geraten. Zudem war bekannt geworden, dass Grüschow als Chef der Techem AG Mohren bereits 1997 für Dienstleistungen engagiert hatte. Mohren wurden etwa 100 000 Euro überwiesen, wie die Heiztechnik-Firma Techem bestätigte. Grüschow erklärte gestern, er habe „zu keinem Zeitpunkt auf unzulässige oder unrechtmäßige Weise Einfluss auf die Berichterstattung“ nehmen wollen.

Grüschow war seit 1997 Vorsitzender der 1967 gegründeten und zuerst von Josef Neckermann angeführten Stiftung. Als Nachfolger im Gespräch sind nun Manager aus der Wirtschaft. Dazu zählt Bernd Rauch, der jedoch noch Vizepräsident des FC Bayern München ist und der nach dem von ihm geleiteten Bau der Allianz-Arena eine Auszeit plante. Möglich wären auch ein Einsatz des ehemaligen Daimler-Managers Jürgen Hubbert, derzeit Aufsichtsratschef der Sporthilfe, oder von Peter Zühlsdorff, der schon in der Krise der Leipziger Olympia-Bewerbung einsprang. „Die Nachfolge sollte nicht im Hauruck-Verfahren geregelt werden“, forderte Manfred von Richthofen, Chef des Deutschen Sportbundes.

Viele Funktionäre würdigten gestern Grüschows Arbeit. „Seine persönliche Integrität steht nicht in Zweifel“, sagte Sporthilfe-Vorstand Hans Wilhelm Gäb. Unter Grüschows Führung hatte sich die Sporthilfe entschuldet und in der Sport- und Verbandspolitik etabliert.

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