Sport : Chef mit Zahnspange

Warum die Basketballer von Alba Berlin vor dem Euroleague-Spiel bei AEK Athen ein Problem mit Aufbauspieler DeJuan Collins haben

Benedikt Voigt

Berlin. Vielleicht liegt es an der festen Zahnspange, die DeJuan Collins trägt. Oder an seiner Kollektion aus quer sitzender Baseball-Mütze, rotem Anorak und knietiefer Schlabberhose. Wenn DeJuan Collins nach dem Duschen durch den Vorraum der Max-Schmeling-Halle schlurft, wirkt er wie ein US-amerikanischer Teenager. Mithat Demirel sagt über den Mannschaftskollegen: „Er ist noch jung.“ Eine interessante Aussage, Demirel ist noch ein Jahr jünger als Collins.

DeJuan Collins ist 25 Jahre alt und soll Alba Berlin als Aufbauspieler führen. Zum Beispiel heute in der Euroleague bei AEK Athen (20 Uhr). Zuletzt gelang ihm das überhaupt nicht. Im Bundesligaspiel gegen Leverkusen kam der Zugang vom Bundesligaabsteiger Tübingen auf eine Wurfquote von null Prozent. Nur einen Freiwurf verwandelte er. „Er war nicht im Spiel“, sagte Emir Mutapcic. Nach 26 Minuten ließ ihn der Coach auf der Bank, und der zweite Aufbauspieler, Mithat Demirel, lenkte das Team zum knappen Sieg (84:82). Mindestens in diesem Spiel hatte der Nationalspieler seinen Konkurrenten auf der Point-Guard-Position überflügelt.

Auch in Zukunft? Es mehren sich die Stimmen, die Mithat Demirel anstelle von DeJuan Collins in der Startformation von Alba Berlin sehen. „Es ist doch klar“, sagt Mithat Demirel, „wenn man in der Nationalmannschaft in der ersten Fünf steht, möchte man das auch im Verein machen.“ Doch der 1,80 Meter große Spielmacher nimmt seinen Konkurrenten auch in Schutz. „Es ist alles neu für ihn“, sagt Demirel, „und man will sehr viel von ihm: Er soll die Mannschaft führen.“

Momentan versucht das auch ein Dritter. Marko Pesic, ohnehin mit einem großen Ego ausgestattet, gilt als einer der Spieler, um die Alba die Mannschaft der Zukunft ausrichten will. Pesic, ein Leader? DeJuan Collins verzieht das Gesicht. „Ich denke, dass wir im Moment überhaupt keinen Leader haben.“ Und die Idee, dass Pesic der Chef auf dem Platz sein könnte, ruft Zweifel in ihm hervor. „Der Point Guard ist derjenige, der die Mannschaft führen sollte“, widerspricht Collins. Doch Pesic kann das auch, das hat er in Nationalmannschaft und Verein bereits gezeigt. Nach diesem Einwand wird noch deutlicher: „Ich bin der geborene Leader.“ Mit durchschnittlich 5,5 Punkten in der Bundesliga.

Bei Alba zeichnet sich nach dem Weggang von Derrick Phelps ein Kampf um die Führungsposition im Aufbauspiel ab. Noch kommen die drei Kontrahenten DeJuan Collins, Marko Pesic und Mithat Demirel offiziell gut miteinander aus. „Ich unterstütze Marko Pesic, er ist mein Teamkamerad“, sagt Collins. Das erzählt der Bundesliga-Topscorer der vergangenen Saison allerdings über jeden Teamkameraden. In letzter Zeit reden Collins und Demirel mehr miteinander. Trotzdem sagt Demirel: „Er ist sehr ruhig.“

Collins ist noch nicht in der Mannschaft und in Berlin angekommen. „Ich halte mich mit meinen Worten noch zurück“, sagt Collins, „manchmal möchte ich gerne aggressiver sein, aber ich weiß nicht, wie meine Mitspieler reagieren.“ Momentan freut er sich auf den 5. November, wenn seine Frau und sein Kind nachkommen. „Die können mich vom Basketball ablenken.“

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