Sport : Chelsea boxt sich durch

Englischer Ligapokal endet mit einer Massenrauferei

Raphael Honigstein[London]

Die verrückte Massenrauferei in der Nachspielzeit machte manchen Helden spät zum üblen Schurken. Beim Endspiel um den englischen Ligapokal flogen nach den Tumulten zwei Spieler des FC Arsenal (Kolo Touré, Emmanuel Adebayor) sowie John Obi Mikel vom FC Chelsea vom Platz, Frank Lampard (Chelsea) und Cesc Fábregas (Arsenal) hatten Gelb gesehen. In die Rangelei waren sogar die Trainer José Mourinho und Arsène Wenger verstrickt, wenn auch als Friedensstifter. John Terry indes hatte alles verpasst: Chelseas Kapitän war nach einem unbeabsichtigten Tritt von Abou Diaby ohnmächtig zu Boden gegangen, er wurde ins Krankenhaus gebracht.

„Wir hatten große Angst um ihn“, sagte Lampard. Aber Terry kam glimpflich davon, eine Stunde nach dem Spiel holte er sich im Millenium-Stadium von Cardiff seine persönliche Medaille ab. Seine „Blauen“ hatten 2:1 gewonnen.

Unheimlich viel Aufregung um einen Wettbewerb, dessen Beliebtheit in England normalerweise höchstens der von Bundesjugendspielen im Geräteturnen entspricht. Dass es diesmal anders war, lag allein an der Konstellation des Endspiels. Es ging tatsächlich ums Prestige. Und um mehr. Arsenal trat wie immer im Ligapokal mit einer besseren B-Mannschaft aus Jugend- und Ersatzspielern an. Wengers hoch gelobte Youngster waren damit ein undankbarer Gegner für Mourinhos Superstars. In der Öffentlichkeit waren die Rollen und Sympathien vorher relativ klar verteilt: Geld gegen Jugend, Willensgewalt gegen Geist, Puristen gegen Pragmatiker, ja: Gut gegen Böse.

Nach dem frühen 1:0 durch Theo Walcott, 17, drohte der Englische Meister im jugendlichen Sturm und Drang von Arsenal auseinanderzubrechen. Ein feiner Pass von Michael Ballack auf Didier Drogba brachte den überraschenden Ausgleich, Arsenal blieb aber mit seinem frischen Kombinationsspiel weiter eindrucksvoller. „Wir haben verpasst, das Spiel zu töten“, grämte sich Wenger hinterher. Kurz vor Schluss schlug Drogba ein zweites Mal zu, sein Kopfball entschied die Partie.

Der Frust brachte Arsenals Jungs derart in Rage, dass nach einem harmlosen Zweikampf im Mittelfeld ein Londoner Bürgerkrieg in Wales’ Hauptstadt ausbrach. „Sie hatten ihre Emotionen nicht unter Kontrolle, das kann man verstehen“, sagte Mourinho mit als Verständnis getarnter Schadenfreude. Es war für Mourinho der erste von vier möglichen Titeln in dieser Saison, aber letztlich auch nur ein Achtungserfolg, mehr nicht.

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