Sport : Chelsea ist wieder da

Trainer Mourinho hat Erfolg – und Probleme

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Fast wäre Michael Ballack wieder der Mann des Abends gewesen. 85. Minute im Spiel des FC Chelsea beim FC Valencia: Es steht 1:1. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft köpft den Ball auf das Tor der Spanier. Doch Torwart Santiago Canizares wehrt mit einer spektakulären Parade ab. Als sich Chelseas Trainer José Mourinho schon über die Verlängerung Gedanken macht, trifft Michael Essien doch noch zum 2:1. Nach diesem Sieg und dem 1:1 im Hinspiel steht Ballacks Team im Halbfinale der Champions League. Ins Viertelfinale war Chelsea nur gekommen, weil Ballack gegen den FC Porto das entscheidende Tor geschossen hatte.

„Natürlich wäre es schön gewesen, wenn ich ein Tor gemacht hätte“, sagte Ballack nach dem Spiel in Valencia. „Aber auch so bin ich happy, dass wir es geschafft haben.“ Mourinho warf derweil Kusshände ins Publikum. Selten hat der stilvolle Portugiese nach einem Sieg derart ausgelassen gefeiert. Ungestüm platzte Mourinho in ein Fernsehinterview seines Kapitäns John Terry und fiel ihm vor laufender Kamera um den Hals.

Doch schon bald schlug Mourinho nachdenklichere Töne an. Sein Chef Roman Abramowitsch hatte den großen Sieg nicht im Stadion verfolgt. Britische Zeitungen werteten dies als weiteres Indiz für die Entfremdung zwischen Klubchef und Trainer. Abramowitsch sei auf einer Geschäftsreise in Russland, teilte der FC Chelsea mit. Doch Mourinho zog seine eigenen Schlüsse. „Ich möchte gerne in England und bei Chelsea bleiben“, sagte der Trainer. „Doch manchmal bekommt man nicht, was man sich wünscht. Wenn ich nicht mehr hier arbeiten kann, dann muss ich wohl woanders hingehen.“ Vor einiger Zeit schon hatte Mourinho durchblicken lassen, dass es für ihn ein Traum wäre, Trainer bei Real Madrid zu sein. Spannungen zwischen Mourinho und Abramowitsch gibt es, seit der russische Milliardär seinem leitenden Angestellten trotz hoher Belastungen in Pokalwettbewerben, Premier League und Champions League in der Winterpause weitere Verstärkungen verwehrte. Hinzu kam, dass Chelsea lange fast aussichtslos hinter Tabellenführer Manchester United in der Premier League zurücklag.

Höhnisch riefen unlängst sogar die Fans des Tabellenletzten FC Watford: „You will be sacked in the summer“ (Du fliegst im Sommer raus). Mourinhos Vorgänger Claudio Ranieri hatte sich einst wortgleiche Schmähungen anhören müssen, nachdem Abramowitsch ihm seine Unterstützung versagt hatte. Doch für Mourinho könnte sich jetzt alles zum Guten wenden. Zuletzt verlor Manchester United in Portsmouth und Chelseas Rückstand beträgt jetzt nur noch drei Punkte.

Im Mai könnten die beiden englischen Topteams innerhalb von 14 Tagen gleich dreimal aufeinander treffen: Am 9. Mai zum Premier-League-Spiel an der Stamford Bridge, am 19. Mai im FA-Cup-Finale im neuen Wembleystadion und am 23. Mai im Finale der Champions League in Athen. Nach dem 7:1 über den AS Rom gehörten die Schlagzeilen am Mittwoch noch Manchester United. Doch das kann sich bald ändern. Im englischen Fußball und im Europapokal.

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