Chelsea & Ballack : Funkloch London

In der Affäre Michael Ballack ist der DFB verärgert über Chelsea. Diesmal geht es um die Freigabe für einen Werbefilm-Dreh.

Stefan Hermanns
Ballack
In Missverständnissen gefangen: Michael Ballack im Länderspiel gegen Tschechien im März. -Foto: ddp

KölnAm Tag, an dem die Boulevardpresse in der Causa Ballack in helle Aufregung geriet und die neuesten Verschwörungen aus England vermeldete, gab es aus Sicht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auch noch andere wichtige Nachrichten zu verbreiten. „Bild“ hatte am Morgen von einem „neuen Eklat mit Chelsea“ berichtet, der „Express“ witterte „die nächste Posse im Chelsea-Ballack-Knatsch“, doch Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, erzählte entspannt von einer Golfrunde mit Torwarttrainer Andreas Köpke, einer Einladung an Golfprofi Bernhard Langer zum Essen mit der Nationalmannschaft und vom nachmittäglichen Trainingsprogramm der Nationalspieler (Yoga auf freiwilliger Basis). Die Spannung stieg ins Unermessliche, bis sich Bierhoff endlich zum Eigentlichen vortastete und den FC Chelsea in ungewohnt heftiger Weise attackierte. „So verfährt man nicht mit einem deutschen Nationalspieler“, sagte er. Michael Ballack verpasste gestern die Aufnahmen für einen Werbespot des Ausrüsters Adidas, weil Chelsea seiner Teilnahme zu spät zugestimmt hatte.

„Es wundert mich, wie Chelsea da vorgegangen ist“, sagte Bierhoff. Als er gestern am Mittag zur Pressekonferenz erschien, wusste er selbst noch nicht, wie die Geschichte ausgehen würde: „Das ist ein Hickhack.“ Der DFB hatte sich seit längerem bei den Londonern darum bemüht, dass Ballack, der Kapitän der Nationalmannschaft, die Freigabe für die Werbeaufnahmen erhält – die einzige Reaktion des Vereins war ein Fax der Assistentin von Chelseas Vorstandschef Peter Kenyon, in dem eben diese Zusage verweigert wurde. „Anscheinend hat der Verein andere Methoden“, sagte Bierhoff. „Das ist keine Art“.

Michael Ballack, der am Sonntag bei der Nationalmannschaft in Köln war und sich medizinisch behandeln ließ, flog daher am Abend nach London zurück, „verständlicherweise und richtigerweise, weil er keinen weiteren Streit forcieren wollte“, sagte Bierhoff. Das Verhältnis des Mittelfeldspielers zu seinem Arbeitgeber ist angespannt, seitdem Chelsea den Deutschen nicht für die Champions League gemeldet hat. „Natürlich ist man enttäuscht“, sagte Ballack. „Aber ich muss das jetzt erst mal so hinnehmen.“

Noch am Tag vor dem Spiel in Wales hatte Bierhoff die Angelegenheit als „reine Vereinsgeschichte“ bezeichnet, „das soll uns nicht belasten“. Vor allem sollten Ballack keine Nachteile durch eine offizielle Intervention des DFB entstehen. Gestern aber beendete der Verband medienwirksam seine Strategie der Deeskalation. „Das ist absolut nicht in Ordnung, dass sie so mit uns und mit ihrem Ausrüster verfahren“, sagte Bierhoff. Adidas ist nicht nur Partner der deutschen Nationalmannschaft, sondern stattet auch den FC Chelsea sowie dessen Trainer José Mourinho aus. Angeblich zahlt das Unternehmen dem Klub dafür 20 Millionen Euro pro Jahr.

Parallel zum DFB bemühte sich auch der Sportartikelhersteller um eine Freigabe für Ballack, am Ende mit mehr Erfolg als der Verband. Am späten Sonntagabend bekam Adidas vom FC Chelsea die Zustimmung, dass Ballack wieder nach Deutschland zurückkehren dürfe; doch als diese Frage geklärt war, war Ballack laut Bierhoff nicht mehr rechtzeitig zu erreichen. Offiziell erklärte Adidas das Fehlen des Kapitäns bei den Aufnahmen in einem Schlosshotel in der Nähe von Köln mit der Rücksicht auf seine Gesundheit.

Chelseas Haltung hat die Führung der Nationalmannschaft auch deswegen überrascht, weil sie sich bisher stets ihrer guten Kontakte nach London gerühmt hatte. Als Robert Huth noch für Chelsea spielte, pflegte der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann einen regen Austausch mit Mourinho. „Wir wollen weiterhin eine gute Zusammenarbeit“, sagte Bierhoff. Eine offizielle Beschwerde bei Uefa oder Fifa schloss er daher aus, „der direkte Kontakt ist viel wichtiger“. Allerdings kündigte der Team-Manager auch an: „Wir werden unser Unverständnis anbringen.“ Wenn sie denn jemanden erreichen.

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