Sport : "Chemie stimmt nicht bei Eisbären"

Claus Vetter

Trotz der Sommerpause in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) war am Mittwoch bei den Capitals für viel Gesprächsstoff gesorgt. "Die Sache lief so geheim, dass bis jetzt nicht einmal meine Frau was davon weiß", sprach am Mittag der neue Sportdirektor der Capitals und ehemalige Manager der Eisbären, Lorenz Funk.

Von Hohenschönhausen nach Charlottenburg: Ein Wechsel, der auch Eingeweihte überraschte, schließlich war Funks Name mit den Eisbären so eng verbunden wie kaum ein anderer. Zehn Jahre stand der 225fache Ex-Nationalspieler beim EHC unter Vertrag. Zunächst kurz als Trainer, dann lange als Manager. Der 53-Jährige war mit seinem Organisationstalent maßgebend am Höhenflug der Eisbären beteiligt, unter Funk wurde aus dem einst angestaubten Ost-Verein angesehener Klub. Als es vergangene Saison sportlich bergab ging und sich nach dem Einstieg des US-Milliardärs Anschutz die Klubstrukturen änderten, war kein Platz mehr für Funk. Seine Aufgaben reduzierten sich zuletzt auf das Sichten junger deutscher Spieler. Bei den Eisbären zeigte man sich vom Funk-Wechsel nicht überrascht. "Die Trennung zeichnete sich lange ab, also ist sein Weggang legitim", sagte der Generalbevollmächtigte Martin Müller. "Wir haben zehn Jahre gut mit Lenz gearbeitet. Unser persönliches Verhältnis ist ungetrübt."

An der Jafféstraße ist Funk kein Unbekannter. Dort spielte er für den Schlittschuh-Club, später beim BSC Preussen. Die Preussen führte Funk 1988 als Trainer in die Bundesliga. Im Dezember desselben Jahres wurde er wegen Erfolglosigkeit entlassen. Der neue Capitals-Sportdirektor war gestern darum bemüht, seinen Wechsel zum einst von ihm nicht gerade geliebten Lokalkonkurrenten, den er gern mal als "Charlottenburger Kiezklub" bezeichnete, herunterzuspielen. "Die Rückkehr zu den Preussen fiel mir leicht, denn bei den Eisbären hat die Chemie nicht mehr gestimmt."

Bis Ende des Monats ist Funk offiziell noch bei den Eisbären, aber die haben ihm schon Urlaub gegeben. Am 1. Juli soll Funk laut dem scheidenden Manager Roger Wittmann die Planung für die kommende Saison mitbestimmen. Auch bei der Verpflichtung von neuen Spielern - drei Akteure wollen die Berliner noch holen - wird Funk, der einen Ein-Jahres-Vertrag erhält, mitwirken. Lutz Schirmer und Rob Cimetta sollen Funk zur Seite stehen. Cimetta bemüht grade um Stürmer Steve Walker von den Detroit Vipers aus den USA. Walker ist eine unbekannte Größe, doch daran stört man sich bei den Berlinern nicht. Warum auch, ihren spektakulärsten Zugang für die nächste Saison haben die Capitals mit Lorenz Funk schon gestern verkündet.

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