Chermiti geht - gehen andere auch? : Hertha schafft Platz

Stürmer Amine Chermiti verlässt Berlin. Hertha leiht den Spieler an den saudi-arabischen Klub Al-Ittihad aus. Und Chermiti ist vielleicht nicht der einzige, der geht

Claus Vetter
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Balanceakt. Amine Chermiti wird von Hertha an einen saudi-arabischen Fußballklub ausgeliehen. -Foto: dpa

130 Spielminuten Hertha BSC: Das ist die schmale Bundesliga-Bilanz des Amine Chermiti, des jungen tunesischen Nationalspielers, der im Sommer vergangenen Jahres mit großen Ambitionen und Hoffnungen nach Berlin gekommen war. Nun aber soll der Stürmer Berlin erst einmal verlassen, mindestens für ein Jahr. Hertha will ihn an den saudi-arabischen Klub Al-Ittihad ausleihen.

Auch wenn die Berliner den Wechsel am Mittwochnachmittag auf Anfrage noch nicht bestätigen wollten, ist Chermiti wohl der erste abwandernde Spieler aus der Fraktion derer, die Trainer Lucien Favre nun noch kurz nach Saisonbeginn ziehen lassen will. Die Liste mit den Profis, die folgen könnten ist lang und beginnt mit dem lange verletzten unzufriedenen Dauerzuschauer Lucio, geht weiter mit Bryan Arguez und Kaka. An der Leihgebühr für Chermiti verdient Hertha nun eine Summe im hohen sechsstelligen Bereich – Geld, dass die Berliner benötigen, um es noch vor Ende der Transferperiode loszuwerden. Denn die Abgänge Marko Pantelic und Andrej Woronin haben eben im Angriff ein Vakuum hinterlassen, dass sich mit Artur Wichniarek allein nicht füllen lassen wird. „Wir wollen für den Bereich Offensive noch einmal tätig werden“, sagt denn auch Manager Michael Preetz.

Es ist durchaus vorwärtsgewandt, dass der in Berlin so erfolgreiche Trainer Favre nun Profis ausmustert, die in seiner Fußballwelt keinen Platz haben. Im Falle Amine Chermiti allerdings erstaunt es. Zehn Bundesligaspiele, zehn mal eingewechselt, immer in der zweiten Halbzeit – Favre hat vergangene Saison durch sein Handeln gezeigt, dass er vom Talent des jungen Stürmers nicht so überzeugt war, wie er anfangs behauptet hatte. Mit großem Bohei war der „Wunschspieler“ des Trainers im August 2008 verpflichtet worden. Mehrmals war Chermiti, immerhin schon einmal Fußballer des Jahres in der Heimat, nach Berlin gekommen, um mit Hertha zu verhandeln. 2,3 Millionen Euro an Ablösesumme waren Hertha die Dienste des damals 20-jährigen Chermiti schließlich wert. Nachdem der Tunesier endlich einen Vertrag bis 2012 unterschrieben hatte, sagte Herthas langjähriger Manager Dieter Hoeneß: „Es war eine schwere Geburt nach monatelangem, zähen Ringen.“

Zäh wurde dann für Chermiti seine Zeit in Berlin. In der Hinrunde der vergangenen Saison hatte er wegen eines Innenbandrisses im Knie lange pausieren müssen. Er kämpfte sich wieder heran, fehlender Eifer ließ sich Chermiti nicht unterstellen. Zum Trainingsbeginn vor dieser Saison kam er zu früh, opferte ein paar Tage Urlaub. Favre begrüßte das: „Was soll er zu Hause rumsitzen? Hier kann er an sich arbeiten.“ Die Arbeit des Amine Chermiti hat sich für die Erhaltung seines Arbeitsplatzes in Berlin nicht gelohnt.

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