Sport : China und Union

Berlins Zweitligist stärkt die Offensive mit Steffen Baumgart

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Von Karsten Doneck

Berlin. Auf der Angebotsliste stand der schon lange. Steffen Baumgart, 30 Jahre alt, ein Stürmer mit der Erfahrung von 184 Bundesligaeinsätzen, zuletzt bei Hansa Rostock beschäftigt, jetzt arbeitslos und ablösefrei. Nur: Der 1. FC Union traute sich nicht zuzugreifen. Schon im Trainingslager in Schneverdingen ließ Bernd Hofmann zwar verlauten: „Steffen Baumgart ist uns angeboten worden…“, doch schon im nächsten Halbsatz machte Unions Vizepräsident deutlich, dass dieser Mann ja gar nicht ins Anforderungsprofil der Köpenicker passen würde: „…aber“, so Hofmann, „wir wollen ja eher Spieler, die noch gierig sind“.

Jetzt, 18 Tage später, hält Union auch Baumgart für gierig genug. Der Fußballprofi unterzeichnete gestern bei den Köpenickern einen Einjahresvertrag plus einjähriger Option, die stark leistungsabhängig ist. Damit diese Option wirksam wird, „muss ich eine bestimmte Anzahl von Spielen machen“, sagt Baumgart, „und zwar ziemlich viele“. Und weil Union nun schon mal dabei war, die Offensive zu kräftigen, erhielt auch gleich noch Uche Igwe von den Amateuren des VfL Wolfsburg einen Zweijahresvertrag. Der 22-Jährige hatte zur Probe mittrainiert, er ist, wie Präsident Heiner Bertram betont, „eine Ergänzung unseres Kaders in Richtung Zukunft“.

Zusammen mit Salif Keita (Hannover 96) hat Union nun innerhalb einer Woche drei Angreifer ablösefrei verpflichtet. „Unser Trainer braucht vier, fünf Stürmer, wir hatten aber nur noch zwei. Da ist also Bedarf gewesen“, sagt Bertram. Zumindest Baumgart musste jedoch Trainer Georgi Wassilew von Präsidiumsseite mit Nachdruck ans Herz gelegt werden. „Jemand mit seiner Erfahrung ist eine echte Unterstützung für uns“, sagt Wassilew zwar, gibt aber zu: „Ich kenne seine Fähigkeiten nicht präzise, aber ich verlasse mich da auf das Urteil der Fachleute.“ Bertram war offenbar einer der Fachleute. Er sagt: „Wassilew kannte ihn nicht genauer, aber wir haben Wert darauf gelegt, dass er sich mit der Sache beschäftigt.“

Heute wird Wassilew den Neuen unter seine Obhut nehmen. „Ich habe mich zuletzt bei den Amateuren von Hansa Rostock fitgehalten – unter meinem alten Trainer Andreas Zachhuber“, sagt Baumgart. Zwischendurch hatte er mal probiert, in China einen Vertrag zu bekommen. Erst einmal lernte Baumgart dort jedoch das Staunen. „Ich habe immer schon Berlin für eine riesige Stadt gehalten, aber wenn man dann nach Peking kommt…“ 14 Tage lang hielt er sich im Land des Lächelns auf, bis ihm dort das Lachen verging. Guojan Beijing, so hieß der Klub, der ihn wollte, rückte nach und nach immer weiter von den Versprechungen ab, mit denen Baumgart nach China gelockt worden war. Das ging so lange, bis Baumgart hurtig in den Norden Deutschlands zurückkehrte.

Baumgart und Union standen schon lange in Verbindung. Warum aber wurde er dann nicht schon früher verpflichtet, um das Vorbereitungsprogramm mitmachen zu können? „Er ist ja kein preiswerter Spieler für unseren Verein“, sagt Bertram. Man muss bei solch einer Sache auch die wirtschaftliche Seite im Auge behalten und abwägen – für den Verein und für die Zukunft. Solche Überlegungen brauchen nun mal Zeit.“

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